Ich und Gott

Warum fühlt sich die persönliche Beziehung manchmal so unpersönlich an?

Eine «persönliche Beziehung zu Gott» haben ist eine weit verbreitete christliche Formulierung. Aber was bedeutet es, eine Beziehung zum Schöpfer des Universums zu haben? Und warum fühlt sie sich manchmal so unpersönlich an? – fragt die Kolumnistin Ann Swindell.

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Gott kennen unterscheidet sich von jeder anderen Beziehung unseres Lebens. Wir sehen Gott nicht. Wir sitzen Jesus nicht in unserem Lieblingscafé gegenüber und sprechen leibhaftig mit ihm. Wir können ihm weder eine SMS noch eine E-Mail schicken. Wie kann unsere Beziehung zu ihm – unsere Freundschaft – mit ihm aussehen, der alle Dinge geschaffen hat (Kolosser 1,16)?

Bewusste Schritte

Keine tiefe Beziehung entwickelt sich zufällig. Selbst diejenigen, die scheinbar ganz organisch sind, wo es beim Befreunden einfach «Klick» macht, brauchen einen gewissen Grad an Pflege. Wir kümmern uns um Menschen, arbeiten daran, sie kennenzulernen. Wir setzen uns das Wachsen unserer Freundschaft als Ziel und nehmen uns dafür Zeit – alles wichtige Schritte, um einander besser kennenzulernen.

In Bezug auf Gott kann unser Bemühen ähnlich aussehen, doch hat Gott das gleiche Ziel mit uns? Es mag sich nicht immer so anfühlen, aber Gott ist immer da, liebt und kennt uns. Der uns geschaffen hat, «gebildet im Mutterleibe» (Psalm 139,13) ist uns unveränderlich nah. Er liebt uns und wir sind ihm wertvoll (Lukas 12,6-7).

Wir brauchen Gott nicht darum zu bitten, dass er uns einen Termin freihält – er hat immer Zeit für uns. Ob das eine Viertelstunde am Morgen mit beim Bibellesen und Beten ist, ein langer Spaziergang in seiner Schöpfung oder ein stilles Wochenende mit viel Zeit für Anbetung. Bewusst mit Gott verbrachte Zeit ist einer der Schlüssel zu einer tiefen Beziehung.

Im Gespräch bleiben

Was tun wir in der Zeit, die wir für Gott freigehalten haben? Genauso wie bei menschlichen Beziehungen werden wir hoffentlich im Gespräch sein. Kommunikation mit Gott ist sehr ähnlich und gleichzeitig ganz anders als die mit Menschen. Aber sie beinhaltet all das, was gesunde Beziehungen ausmacht: Mitteilen, zu Fehlern stehen, Loben.

Im Gebet teilen wir Gott mit, worüber wir uns freuen, was uns Sorgen macht, worüber wir nachdenken. Wir reden offen über Dinge, die wir nicht geschafft haben und bekennen ihm unsere Schuld. Wir danken ihm. Wir beten ihn an. So, wie wir unseren irdischen Freunden sagen, wie sehr wir sie schätzen und dankbar für sie sind, sagen wir es auch Gott – in höchstem Masse.

Zuhören

Das Gespräch mit Gott kann sich manchmal seltsam anfühlen. Besonders, wenn wir denken, dass nur wir reden. Wenn wir beten, rechnen wir (normalerweise) nicht mit einer hörbaren Antwort. Also müssen wir auf andere Weise hören lernen, wenn wir die Beziehung mit Gott pflegen wollen.
Hören beinhaltet Bibellesen – dies ist eine der deutlichsten Arten, auf die wir seine Stimme hören können. Wenn wir Gottes Wort offen lesen und dabei seine Persönlichkeit, seine Gegenwart und seine Ermutigung suchen, werden wir ihn hören. Wir lernen ihn kennen, wie er ist, wenn wir lesen, wie Jesus zu den Jüngern sprach. Wir erfahren seiner Leidenschaft, wenn wir lesen, wie er sich um Kranke und Beladene kümmerte.

Wir können Gott auch bitten, zu uns zu reden. Dies mag nicht unbedingt durch einen Blitz oder einen Engel geschehen, aber Gott antwortet seinen Kindern. Er hat uns den Heiligen Geist gegeben, der in uns lebt, und Jesus erklärt dazu: «Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.» (Johannes 16,13-15).

Taten der Liebe

Vertrauensvolle menschliche Beziehungen entstehen über lange zeit, durch ehrliche Kommunikation und Taten, die Liebe und Hilfe ausdrücken. Deshalb versprechen sich Ehepartner bei der Hochzeit, treu zu sein «in guten wie in schlechten Tagen». Man muss sich nämlich dazu entscheiden, zu bleiben, zu dienen und etwas zu opfern, wenn es schwierig wird. Dasselbe gilt für die Beziehung zu Gott – aber nicht so, wie wir vielleicht denken.

Anders als bei menschlichen Beziehungen, in denen gegenseitige Taten der Liebe nötig sind, um sie gesund zu erhalten, ist die Basis unserer Verbindung mit Gott ausschliesslich seine Liebe und sein Opfer. Als Christus am Kreuz starb, war dies sein absoluter Liebesbeweis. Er tat alles, was nötig ist, damit wir «eine persönliche Beziehung» zu Gott haben können, indem er sich selbst opferte und den Weg zu einer echten Gottesbeziehung für jeden geöffnet hat, der sie möchte.

Wir müssen nichts opfern, damit Gott uns liebt. Wir müssen keine bestimmte Zahl an guten Werken tun, um Gott kennenzulernen. Wir können uns die Freundschaft zu Gott nicht verdienen. Aber immer, wenn man jemanden liebt, möchte man ihm seine Zuneigung zeigen. Wie können wir das bei Gott tun? Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Wir können ihm Liebe zeigen, indem wir anderen dienen, grosszügig geben, ihm vertrauen und seinen Geboten gehorchen.

Auch wenn unsere Beziehung zu Gott anders aussieht als alle anderen unseres Lebens, gibt es doch keine Beziehung, die solch einen prägenden Einfluss auf uns hat. Wenn wir nach einer tiefen Beziehung mit ihm streben, indem wir bewusst Zeit mit ihm verbringen, sinnvoll kommunizieren und liebevoll tätig werden, dann merken wir, dass er uns bereits zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19).

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Datum: 28.11.2014
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / Relevant Magazine

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