Vorwort zur Online-Ausgabe

Das Neutestamentliche Wörterbuch von Ralf Luther auf Livenet.ch

Der Landeskirchler sagt: «Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.»
Der Freikirchler sagt: «Was ich weiss, macht mich nicht mehr heiss.»
Der fragende Bibelleser sagt: «Was ich noch nicht weiss, macht mich heiss.»

1. Gründe für diese Veröffentlichung

Viele der zentralen Begriffe der Neuen Testaments sind uns nur allzu vertraut. Halbwissen und Gewöhnung haben manchen Bibelleser dafür umempfindlich gemacht, und wer die Begriffe zum ersten Mal aufnimmt, der füllt sie oft mit seinen mitgebrachten Vorstellungen. Aber «das Alltäglichste muss uns auf einmal ungewöhnlich und noch niemals verstanden oder begriffen dünken» (Eugen Rosenstock-Huessy in «Des Christen Zukunft», 1965).

Moderne Bibelübersetzungen wollen dazu beitragen. Sie bieten für altbekannte Worte und Geschichten eine neue Form. - Dieses Wörterbuch geht den anderen Weg: es füllt diese Worte selber neu. Zweitausend Jahre Abstand sind für manche Überraschung gut.

Es ist gerade diese «verstandene Fremdheit» (Klaus Berger / Christiane Nord, Das Neue Testament, Insel-Verlag 1999, S. 22), die uns den ursprünglichen Hörern der Botschaft näher bringt als eine nichtverstandene Vertrautheit. Sie führt uns «immer klarer aus dem halb Gefühlten, ungenau Geahnten in das Erkannte. Es wird aus einem blossen Kennen zu einem Erkennen und endet im Bekennen» (Hermann Rauschning in «Der saure Weg», 1958).

2. Dank an den Verlag

Dieser Neuveröffentlichung geht zurück auf eine mündliche Vereinbarung mit dem verstorbenen Leiter des Ernst-Franz-Verlages, Herrn Dr. Heinzelmann. Sie wurde von seiner Sekretärin, Frau Höh, erneuert. So sind wir in der Lage, dieses Wörterbuch einem nochmals erweiterten Leserkreis zugänglich zu machen. - Wir, die Redaktion von Livenet.ch, danken ganz herzlich für dieses Entgegenkommen.

Seit seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1931 hat dieses Buch zahllose Auflagen erlebt. Eine Übersicht liefert das Kirchenlexikon von Traugott Bautz. Die hier auf Livenet.ch erscheinenden Artikel fussen auf der Ausgabe von 1998 aus dem Ernst-Franz-Verlag.

3. Bearbeitungen für Livenet.ch

Der Text der eben genannten Ausgabe wurde selber nicht verändert.

Eingriffe gab es in folgenden Bereichen:

  • Die Länge der Absätze wurde dem Leseverhalten am Bildschirm angepasst. Was in der Buchfassung noch in einem einzigen Block zusammengefasst wurde, erscheint hier auf mitunter drei bis vier Leseabschnitte verteilt.
  • Einige verbliebene Tippfehler wurden beseitigt.
  • Innerhalb der Artikel hab ich an mehreren Stellen Aufzählungen tabellarisch sichtbar gemacht, die im gedruckten Text hintereinander standen.
  • Einzelne Fussnoten, die auf andere Artikel verweisen, wurden ergänzt.

Es war mir wichtig, den biblisch-theologischen Inhalt zusammen mit Ralf Luthers Stil in der ursprünglichen Fassung zu belassen. Nicht, weil er sakrosankt, unantastbar, wäre, sondern weil unsere eigene Stimme als spätere Leser ohnehin eine ganz neue sein muss: Wir lesen, lassen das Gelesene an uns herantreten, prüfen, «ob es sich so verhielte» (Apg. 17,11) - und antworten dann mit unserem eigenen Glauben und unserer eigenen, vielleicht weiterführenden Einsicht.

Thalheim, den 21. Dezember 2009


Autor: Lothar Mack
Quelle: Livenet.ch

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