NT-Wörterbuch

Vorwort des Autors Ralf Luther

Wir heutigen Menschen befinden uns in der Notlage, dass wir die Sprache des Neuen Testaments nicht mehr verstehen. Seine wichtigsten Ausdrücke sagen uns nichts mehr. Sie sind uns im millionenfachen Umlauf zu einem Nichts entwertet, oder ihre anfängliche Bedeutung ist zur Unkenntlichkeit entstellt.

Unter dem Zwang festeingewöhnter Vorstellungen lesen wir ganz fremde Gedanken in sie hinein. Uns fehlt die Fähigkeit, ihren eigenen Gehalt aus ihnen herauszulesen. Wir sind dadurch ab­geschnitten von der Welt des Evangeliums wie ein Volk, in dem keiner Deutsch kann, abgeschnitten ist von der Welt des deut­schen Geistes.

Der Zugang zum Neuen Testament kann sich uns erst wieder eröffnen mit dem Verständnis seiner grundlegenden Ausdrücke. Die Not der Gemeinde, die diesen Zugang sucht, und die Not des Amtes, das ihn bahnen soll, gab den Anstoss zur Entstehung dieses Buches.

Durch die Sprache zum Sinn, das ist sein Weg. Es wäre eine Vermessenheit gewesen, ihn zu beschreiten, hätte nicht eine höhere Fügung durch das Geschehen zweier Jahr­zehnte und durch die Ergebnisse der neuesten Forschung in unerhörter Weise aufgeräumt mit den Hindernissen dieses Weges.

Noch eins muss gesagt werden. Das Wichtigste, was wir heute sehen, würden wir nicht sehen, wäre nicht vor bald hundert Jahren der Christenheit ein Mann mit Seherblick gegeben wor­den: Johann Christoph Blumhardt. Wir haben noch viel von ihm zu lernen, und es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, dass auch strenge Fachleute zu diesem ganz unzünftigen Mann in die Schule gehen.

Das »Wörterbuch« will der Gemeinde dienen. Daher kam eine theologische Aussprache und Quellenangabe nicht in Betracht. Es ist mir aber ein persönliches Bedürfnis, den Männern zu danken, von denen ich habe lernen dürfen: Adolf Schlatter, Karl Barth, Karl Bornhäuser, Johannes und Joachim Jeremias, Ri­chard Kraemer, Jakob Kroeker, Werner Elert, Heinrich Rend­torff, Otto Schmitz, Franz Spemann, Paul Althaus, Karl Heim, Gerhard Kittel, Ludwig Albrecht, Fritz Engelke, Otto Borchert, Joseph Wittig, Giovanni Papini.

Im Frühjahr 1931                         Ralf Luther


Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

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