Bibelstudium: Römer 15,1-6

Das Vorbild: Jesus Christus

1 Weil wir aber so eng mit Christus verbunden sind, dass wir uns von solchen Äusserlichkeiten frei wissen,1 sind wir erst recht dazu verpflichtet, auf die Ängstlichkeit der anderen2 Rücksicht zu nehmen und nicht selbstgefällig auf die eigene Freiheit zu pochen. 2 Jeder von uns soll sich so verhalten, dass sein persönliches Vorbild den Nächsten zum Guten ermutigt und ihn im Glauben stärkt.3 3 Auch Christus lebte nicht für sich selbst. Von ihm heisst es: «Die Anfeindungen, die gegen Gott gerichtet waren, haben mich getroffen.»4 4 Und aus dem, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt wurde, sollen wir lernen. Ermutigt und getröstet durch Gottes Wort, können wir an der Hoffnung auf Gottes kommendes Reich festhalten. 5 Gott aber, von dem alle Ermutigung und aller Trost kommen, schenke es euch, dass ihr in Frieden miteinander lebt, so wie es euch Jesus Christus gezeigt hat. 6 Dann erst könnt ihr alle wie mit einer Stimme Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, loben und preisen.

Übersetzung: Hoffnung für Alle

Kommentar

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15,1 Die ersten dreizehn Verse des 15. Kapitels führen das Thema des vorhergehenden Kapitels fort und behandeln Fragen, die nicht sittlicher Art sind. Es hatten sich Spannungen zwischen Bekehrten aus dem Judentum und aus den Heiden ergeben, deshalb plädiert Paulus hier für harmonische Beziehungen zwischen Juden- und Heidenchristen.

"Die Starken" (d. h. diejenigen, die in ihrem Verhalten in moralisch neutralen Angelegenheiten völlig frei sind) sollen nicht sich "selbst . . . gefallen", indem sie selbstsüchtig auf ihre Rechte pochen. Sie sollten lieber ihre "kraftlosen" Brüder mit Liebe und Umsicht behandeln und ihre "Schwachheiten" des Gewissens tolerieren.

15,2 Hier gilt das Prinzip: Lebe nicht, um dir selbst zu gefallen. Wir sollen "dem Nächsten" gefallen, ihm "Gutes" tun und ihn unterstützen. Das ist der christliche Ansatz.

15,3 "Christus" ist unser Vorbild geworden. Er lebte, um seinem Vater zu gefallen, nicht sich selbst. Er sagte: "Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen" (Ps 69,9). Das bedeutet, dass er sich so für Gottes Ehre einsetzte, dass er es als persönliche Beleidigung nahm, als man Gott schmähte.

15,4 Dieses Zitat aus den Psalmen erinnert uns daran, dass die Schriften des AT "zu unserer Belehrung" geschrieben sind. Sie sind zwar nicht direkt an uns geschrieben, doch enthalten sie unschätzbare Lektionen für uns. Wenn wir uns Problemen, Konflikten, Versuchungen und Unruhe gegenüber sehen, dann lehrt uns die Schrift, standhaft zu sein, und wir erfahren "Ermunterung". So gehen wir in den Wellen nicht unter, sondern werden durch die "Hoffnung" aufrecht erhalten, dass der Herr uns hindurch begleiten wird.

15,5 Diese Überlegung führt Paulus dazu, seinem Wunsch Ausdruck zu verleihen, dass "der Gott", der Standhaftigkeit und "Ermunterung" schenkt, die Starken und die Schwachen, die Heidenwie die Judenchristen in die Lage versetzt, harmonisch der Lehre und dem Beispiel "Christus Jesus gemäss" zu leben.

15,6 Das Ergebnis davon wird sein, dass die Heiligen in der Anbetung des "Gottes und Vaters unseres Herrn Jesus Christus" vereinigt sind. Welch ein Bild! Erlöste Juden und Heiden verherrlichen den Herrn "mit einem Munde!"

Der "Mund" wird im Römerbrief viermal erwähnt, wobei sich eine biographische Studie eines geretteten Menschen ergibt. Am Anfang war sein Mund voll Fluchens und Bitterkeit (3,14). Dann wurde dieser Mund gestopft und er wurde vor seinem Richter für schuldig befunden (3,19). Als nächstes bekennt er mit seinem Mund Jesus als Herrn (10,9), und als letztes lobt und preist sein "Mund" den Herrn (15,6).


Quelle: Kommentar zum Neuen Testament - William McDonald

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