Josef

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Josef konnte nichts dafür, dass ihn seine älteren Brüder hassten. Er war nun eben der Liebling des Vaters, verwöhnt, bevorzugt von klein auf.

Wenn sie es arg trieben und er es mitbekam, dann wusste es bald auch der Vater; das brachte sie besonders auf. Und dann hatte er seltsame Träume, in denen die Grossen sich verneigten, vor ihm!

Josef, spinnst du?

Als sie weit weg waren, bot sich die Gelegenheit, es ihm heimzuzahlen. Der Vater hatte Josef allein zu ihnen gesandt; sie packten ihn und warfen ihn in eine Grube. Vorbeiziehende Sklavenhändler kamen ihnen gerade recht. Um ihn für immer loszuwerden, verkauften sie ihren eigenen Bruder!

Josef verstand die Welt nicht mehr – und schlimmer: Er verstand Gott nicht mehr. Aber er hängte sein Vertrauen nicht an den Nagel, sondern glaubte, dass Gott ihn nicht verlassen würde. Ein zweiter unverschuldeter Schicksalsschlag – er tat alles, um seine Pflicht zu erfüllen und wies die Frau seines Chefs ab, die ihn zu verführen suchte – brachte ihn, den Sklaven, noch ins Gefängnis.

Josef, was willst du noch an einen guten Gott glauben??

Er brachte ein Jahr im Gefängnis zu, zwei, drei, fünf. Und wurde nicht bitter, wurde nicht depressiv. Liess Traurigkeit zu, aber nicht Rachegefühle. Bewahrte seine Sehnsucht nach dem Glück.

Völlig überraschend stellte Gott ihn ins helle Licht. Der Pharao Ägyptens machte Josef zu seinem Stellvertreter, nachdem der Häftling furchterregende Träume gedeutet und einen Weg aufgezeigt hatte, wie die Katastrophe abzuwenden wäre.

Plötzlich war er ganz oben. Wie er sich vorher nicht hatte von Wut zerfressen lassen, liess er sich nun nicht von seiner Macht blenden. Als seine Brüder bei ihm auftauchten – ohne ihn zu erkennen –, rächte er sich nicht.

Josef, willst du wirklich denen vergeben, die dich verkauften?

Nicht gleich. Zuerst stellte er sie auf die Probe. Zwang sie zur Entscheidung, solidarisch zu leiden oder einen der Ihren fallenzulassen. Die verschworene Bruderschaft wurde weich. Und Josef gab sich ihnen zu erkennen.

Josef, wie kannst du sagen, dass Gott es gut mit dir meinte?

Am Ende, erst in der Rückschau, sah er das ganze Bild: Gott hatte ihn vieles leiden lassen, damit er heranreifte und seinen eigenen Leuten (aber auch ganz Ägypten) durch eine Zeit der Dürre helfen konnte. Er fasste es in die bewunderswerten Worte (nachzulesen in der Bibel, in 1. Mose 50, 20): «Ihr hattet Böses mit mir vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet; denn er wollte auf diese Weise vielen Menschen das Leben retten. Das war sein Plan und so ist es geschehen.»

Josef, gut, dass du nicht abgehängt hast.

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