Ich bin eine Niete

Eigentlich wollte ich das nie wahrhaben, dass ich eine Niete bin - nur eine Niete, wie es sie zu Tausenden gibt am Eiffelturm, an Brücken und an Schiffen.

Was ich jahrelang zu verdrängen suchte, kann ich nicht mehr leugnen, seitdem ich ganz schön zusammengestaucht wurde. Unbarmherzig schlug der Hammer auf meinen Schädel ein. Jetzt sitze ich an meinem Platz fest und lerne zu akzeptieren, dass ich eine Niete bin. Hier fülle ich tagaus tagein den gleichen Platz aus. Ich halte zusammen, was zusammengehört. Standfestigkeit, Treue und Verbindlichkeit sind meine Stärken. Doch in letzter Zeit bin ich sehr versucht, meinen Platz zu verlassen. Eine Kollegin vom Eiffelturm hat das vor Jahren auch gemacht - und der Eiffelturm steht immer noch. Warum also sollte ich meinen Platz nicht auch verlassen können?

Seitdem mein Vertrauen nachgelassen hat, sitze ich lockerer - immer lockerer. Auch wenn mein Gehirn nicht sehr gross ist und schon einige Schläge abgekriegt hat, so weiss ich doch wie verheerend es wäre, wenn alle Schiffsnieten es mir gleich täten. Doch davon muss ich wohl nicht ausgehen und kann mir deshalb diesen Luxus leisten. Eines Tages gebe ich tatsächlich der "Verlockerung" nach und verlasse meinen angestammten Platz.

Doch die erträumte Freiheit wird mir zur verhängnisvollen Falle - ich sinke auf den Meeresgrund ab. Hier kann ich keine Aufgabe mehr erfüllen, niemandem mehr dienen. Nutzlos roste ich still vor mich hin umgeben von Schlamm. Hier unten geht es mir durch den angerosteten Kopf: Jetzt bist du wirklich eine Niete!

Nachspiel: Dass ich meinen Platz verlassen habe, hatte verheerende Auswirkungen auf das Schiff. Durch das entstandene Loch drang unablässig Meerwasser ein. Dieses kleine Loch verursachte zwar nicht direkt den Untergang des Schiffes, aber indirekt. Unmerklich frass sich das Salzwasser durch die Schiffswand und vergrösserte das Leck bis das Schiff eines Tages sank. Und das meinetwegen, einer einzigen Niete wegen - ich Niete!

Datum: 24.06.2010
Autor: Fritz Stalder

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