… dass ich in den Himmel komm

«Lieber Gott, mach mich fromm» – echt?

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Wenn man der Presse und der Volksmeinung glauben darf, gibt es wohl kaum eine gesellschaftliche Gruppe, zu denen man weniger gehören möchte als zu «den Frommen». Was steigen einem da grad für Bilder auf, wenn man diesen Ausdruck hört! Dabei war «fromm sein» lange nicht immer so ein Schimpfwort wie heute.

Wilhelm Busch verewigte auf unnachahmliche Weise die «fromme Helene». Züchtig, schwarz, hochgeschlossen, Brille, streng, erhobener Zeigefinger. Nicht wahr, so stellen wir uns eigentlich heute noch die «Frommen» vor. Sie sind meistens harmlos, diese Frommen – aber sie geben einem ein komisches Gefühl, und man hat ständig die Angst, dass der Schritt zum religiösen Extremismus nicht weit ist.

Hier auf Jesus.ch finden Sie praktisch jeden Tag auf irgendeine Weise die Einladung, Jesus nachzufolgen. Meinen wir damit «fromm werden»? Sich irgendeiner obskuren religiösen Gruppe anzuschliessen? Die Antwort kann nur ein entschiedenes «Jein» sein. Was meinen wir, wenn wir von «den Frommen» reden?

Die mit den langen schwarzen Kleidern

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Die «fromme Helene» von Wilhelm Busch
Die eine Art, «fromm» zu sein, das sind die Leute, mit denen Jesus den meisten Krach hatte. Eigentlich meinten sie es ja gut, diese «Pharisäer» und Theologen der damaligen Zeit. Man musste gesellschaftliche Regeln und Gott-gegebene Gebote einhalten, sonst geht ja alles den Bach runter, oder? Sie waren «fromm» in dem Sinn, dass sie es mit ihrer Religion ganz ernst meinten. Das wäre ja nicht weiter schlimm, aber diese Art von «fromm sein» hatte unangenehme Begleiterscheinungen: Sie wurden kleinlich, denn man musste bis ins Detail korrekt sein. Sie hatten keine Zeit mehr, sich an Gott und am Leben zu freuen, denn ihre anstrengende Frömmigkeit kostete alle Zeit und Kraft. Und sie ärgerten sich dauernd über die anderen – die nämlich, die nicht so fromm waren. Diese Art von Frömmigkeit macht verbittert und selbstgerecht.

Für diese Leute hatte Jesus seine stärksten Worte übrig: «Schlangengruben» und «übertünchte Gräber» nannte er sie. Denn er wusste: Kein Mensch kann aus eigener Kraft bis ins Innerste so gut sein, wie er es nach aussen gern demonstriert. Und wenn Ehrlichkeit, Barmherzigkeit, Güte und Liebe verloren gehen, dann ist auch Gott durchs Hintertürchen verschwunden. Diese Leute – die Frommen! – brachten ihn schliesslich auch ans Kreuz.

Eine andere Art von Frömmigkeit

Das Wort «fromm» hat aber auch eine andere Bedeutung. Eigentlich bedeutet es «nützlich, tüchtig, anständig» – man redet heute noch von einem «lammfrommen» Tier. Später wurde das Wort dann auf den Glauben bezogen. Wikipedia definiert: «Frömmigkeit bezeichnet eine tief in einem Glauben wurzelnde Haltung, die sich in einer entsprechend bewussten Lebensgestaltung äussert.»

Das Interessante und fast Paradoxe am christlichen Glauben ist nun, dass man dann erst «fromm» werden kann, wenn man merkt, dass man es nicht ist. Jesus will nicht Fromme noch frommer machen, sondern denen die Hand bieten, die es allein nicht schaffen. Sie werden nie anders oder besser werden, indem Sie sich anstrengen. Vergessen Sie es! Wenn das so wäre, wäre das Christentum nichts als eine weitere Spielart der Religionen.

Aber das ist es nicht – im Grunde ist es das Gegenteil von Religion: Nicht Tun, sondern Tunlassen ist der entscheidende Schritt. Am Anfang steht immer die Erkenntnis, dass Jesus es ja schon «getan» hat: nämlich Schuld bezahlt und Defizite aufgefüllt hat.

Wenn Sie in Zukunft von «den Frommen» reden, versuchen Sie doch einmal, sie nicht als seltsame Fromme oder Heuchler zu sehen, sondern als Menschen, die ehrlich geworden sind und ihr eigenes Scheitern angenommen haben. Und die darum mit Begeisterung und grosser Liebe diesem Jesus nachfolgen, den schon damals die Unfrömmsten am meisten geliebt haben. Denn er war der Einzige, der zutiefst «fromm» war und gerade darum für jeden, auch den Hinterletzten, die Tür zu Gott öffnete.

Das ist bis heute so. Täglich sind es Tausende auf der ganzen Welt, in allen Religionen, die zu diesem Jesus finden, sich erstaunt die Augen reiben und erkennen: Hier ist ja ein neuer Weg geöffnet. Und die fortan von diesem Jesus total begeistert sind.

Zum Thema:
Den Glauben kennenlernen
Die faule Schwester: Wenn Nichtstun besser ist als Tun
Schräg, fromm und frei

Datum: 14.04.2018
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch

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