«Dienst am Nächsten»

Pastor und Sozialmanager: DaN ist seine DNA

Eine Kirche die redet und nicht handelt ist nicht komplett, befand Fredo Reinhard, Pastor der «Bewegung Plus» in Grenchen (SO). Er durchlief die vierjährige Ausbildung zum Sozialmanager – und aus dem Abschluss-Projekt ist eine Bewegung geworden, die in den Leben von vielen einen Unterschied macht: der Verein «Dienst am Nächsten (DaN)».

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Fredo Reinhard, Pastor der «Bewegung Plus» in Grenchen
«'Dienst am Nächsten' ist ein Verein, den wir gegründet haben, damit Leute aus dem Raum Grenchen einen niederschwelligen Ansprechpartner haben, sei es bei der Wohnungssuche, Jobsuche, Steuererklärung, einem Gewaltproblem oder einem Knorz im Leben, einfach etwas, bei dem sie irgendwo anstehen – und nicht wissen, wohin mit dieser Frage, weil sie von einer Fachstelle an die Nächste verwiesen werden», erklärt Fredo Reinhard, Teilzeit-Pastor und Sozialmanager.

Reinhard führt die Anlauf- und Beratungsstelle in Grenchen. Daneben ist er Pastor in der Bewegung Plus in Grenchen und arbeitet teilzeitlich als Zimmermann, «zum Ausgleich arbeite ich da mit den Händen.»

Er habe festgestellt, dass eine solche Anlaufstelle nötig sei. «Die Leute brauchen einen Ort, an dem sie nicht zuerst wieder das Gefühl haben, dass sie wohl auch hier wieder falsch sind, sondern wo sie erkennen, dass sie hier schon mal richtig sind und mit ihrer Frage ernst genommen werden.» Ihnen werde geholfen, einen Schritt in Richtung Lösung zu gehen.

Menschen befähigen

Dabei erledige man die Arbeit nicht für die Leute, sondern mit ihnen. «Wir führen zum Beispiel gemeinsam ein Telefonat mit einem Amt, mit dem sie gerade ein Problem haben. So versuchen wir, klärend zu unterstützen.» Ein einziges Telefonat könne manchmal einen Unterschied machen.

«Eigentlich sind wir eine Triage-Stelle. Eine Erste-Hilfe oder Sofort-Hilfestelle», so dass der nächste Schritt dann mit einem Profi im richtigen Bereich weitergegangen werden kann. «Wir wollen die Leute befähigen, dass sie sich danach selbst wieder trauen, voranzugehen. Dazu begleiten wir sie beispielsweise auf ein Amt und versuchen, eine vermittelnde Position einzunehmen.» Die Trägerschaft ist die Bewegung Plus, die reformierte Landeskirche und die Methodistenkirche Grenchen. Der Verein «Dienst am Nächsten» ist aber ein unabhängiger Verein.

«Not ist gross»

Einmal pro Woche hat die Stelle ihren Bürotag, dann kommen jeweils fünf bis zehn Personen. «Die Anlaufstelle wird sehr stark genutzt. Wir merken, dass die Not gross ist, weil die Leute manchmal mit ihren Problemen nicht wissen, wohin sie gehen sollen.» Deshalb brauche es diese niederschwellige Anlaufstelle. Es gebe viele gute Fachstellen, doch in manchen Fällen sei der Bedarf breiter. «Wir können herausfiltern und mal bei einem ersten Punkt ansetzen.»

Es gebe zwei Antriebsgründe: «Als teilzeitlicher Pastor habe ich das Credo, dass Kirche, wenn sie immer nur redet, sehr einseitig ist. Sie soll auch handeln, das hat für mich das gleiche Gewicht. Wir müssen der Bevölkerung zeigen, dass wir ihre Not sehen und Hilfestellung bieten.» Aus diesem Grund durchlief Fredo Reinhard die vierjährige Ausbildung zum Sozialmanager. Pflicht während der Ausbildung war, ein Projekt zu starten – daraus entstand der «Dienst am Nächsten». Mittlerweile teilen sich drei Personen die Erstberatung und eine Treuhänderin hilft den Leuten beim Ausfüllen der Steuererklärung.

Auch Alpha-Kurs wird angeboten

«Wenn jemand bei uns in den Alpha-Kurs kommt, kann er in einer offenen Atmosphäre über den christlichen Glauben sprechen. Dies im Zusammenhang mit dem eigenen Leben und dem eigenen Kontext.» Er erlebt, dass viele ein Problem mit der Kirche haben, aber an einen Gott oder eine höhere Macht glauben. «Der Kurs packt brisante Fragen rund um den christlichen Glauben an. Zudem gibt es jeweils einen Input dazu, was den christlichen Glauben ausmacht und wie man ihn leben kann.»

In einer offenen Atmosphäre werde darüber gesprochen, jede Meinung zähle. Jeder werde ernst genommen «und gemeinsam macht man sich auf die Reise, näher zu diesem Glauben.» Er stamme selbst aus einem Kontext, in welchem er den Glauben als einengend erlebt habe. «Ich liebe deshalb Leute, die viele Fragen haben, aber mit Gott noch nicht ganz abgeschlossen haben.»

Der Alpha-Kurs in Grenchen findet jeweils am Montagabend statt, der Start erfolgt am 19. September. 

Zur Webseite:
«Dienst am Nächsten»
«Bewegung Plus» Grenchen 

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Datum: 17.09.2016
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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