TV-Sendung will Atheisten bekehren

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Imam, Priester, Rabbi und Buddhist werben Kandidaten für ihre Religion. Foto: Kanal T
Ein türkischer Fernsehkanal plant eine Sendung, in der Atheisten religiöse Menschen werden sollen. Bei einer neuen türkischen Gameshow auf Kanal T, könne man den "grössten Preis überhaupt gewinnen - den Glauben an Gott".


Der private Fernsehkanal T hat eine ungewöhnliche Spielshow angekündigt: Gläubige überzeugen Ungläubige. Ein muslimischer Imam, ein orthodoxer Pope, ein jüdischer Rabbi und ein buddhistischer Mönch müssen versuchen, zehn Atheisten von den Vorzügen ihrer jeweiligen Religion zu überzeugen.

Diejenigen unter den Ungläubigen, die sich bekehren lassen, erhalten eine Pilgerreise in das Zentrum der jeweiligen Religion geschenkt. Wer also Muslim geworden ist, darf nach Mekka, wer Christ oder Jude wird, reist nach Jerusalem, und der bekehrte Buddhist fliegt ins tibetische Hochland.

Schwer überprüfbar

Ungelöst ist nach Angaben der Show-Produzenten derzeit aber noch, wie sichergestellt werden kann, dass die Kandidaten auch wirklich Ungläubige sind - und nicht etwa Gläubige, die bloss so tun, als wären sie Ungläubige. Eine Kommission, in der auch Theologen vertreten sind, werde die Bewerber für die TV-Show diesbezüglich unter die Lupe nehmen, hiess es dazu.

Demselben Gremium wird die nicht minder heikle Aufgabe obliegen, vorgetäuschte Bekehrungen von Kandidaten zu entlarven, die bloss in den Genuss einer Gratis-Reise nach Mekka, Jerusalem oder Tibet kommen wollen.

Glaubensfreiheit nicht gefährdet

"Die Kommission wird sie auch nach der Show begleiten", erklärte Ahmet Ozdemir, Leiter von "Kanal T", in der Türkischen Zeitung "Hürriet". Er ist sich sicher: Die Show kann für die Kandidaten eine religiöse Erfahrung werden.

Die Glaubensfreiheit sieht er durch die Sendung nicht gefährdet: "Die Menschen sind frei zu glauben, an was sie wollen. Unser Programm, hat ihnen da nicht hineinzureden." Ziel des Senders sei es vielmehr, mit der Show die überwiegend muslimische Bevölkerung in der Türkei über andere Religionen aufzuklären. "Das Projekt will aus Ungläubigen Gläubige an Gott machen", egal welche Religion sie sich am Ende aussuchten. Auch wenn das Programm zu Beginn Irritationen ausgelöst habe, warteten nun viele ungeduldig auf die Ausstrahlung.

Widerstand

Schon vor Sendungsstart regen sich die ersten Probleme. Laut "Hürriet" gab Ali Bardakoğlu, der Leiter des Direktorats für religiöse Angelegenheiten, bekannt, dass kein türkischer Imam dazu bereit sei, an der Sendung mitzuwirken..

"Die Büsser treten gegeinander an" hat in der Türkei bereits für Debatten gesorgt. "Hürriet" berichtet, die heftigsten Reaktionen seien von Christen gekommen. Hakkı Devrim, ein TV-Kommentator und Kolumnist, hat die Idee absurd und beleidigend genannt: "Religion ist keine Wissenschaft und sie steht nicht zur Diskussion."

Neugierig auf Religion

Während Geistliche die Show gänzlich ablehnen, sehen Soziologen in ihr einen Trend: "Es ist die Reflektion einer wachsenden Neugierde gegenüber Religion", erklärte der Wissenschaftler Nilüfer Narlı von der Istanbul "Bahçeşehir" Universität gegenüber "Hürriet". In den vergangenen zehn Jahren seien die Leute interessierter an Religion geworden. Dennoch sei er sich nicht sicher, was die Sendung der Türkei bringen werde.

Quelle: The Guardian/Kipa/idea/Welt/pro-medienmagazin

Datum: 18.07.2009

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