Togo

Hilft Gott beim Examen – oder der Glückszauber?

Charnelle Dovonou (9) und ihr Bruder Amen leben im westafrikanischen Togo. Sie besuchten die gleiche Schule und standen kurz vor dem Übertritt in die Mittelstufe. Je näher die Prüfungen kamen, desto häufiger nahm der Schuldirektor die betroffenen Kinder zusammen. Er spielte ihnen ab Kassette Geschichten aus dem Neuen Testament vor und besprach sie mit ihnen. So wollte er ihr Vertrauen in Gott stärken, damit sie den Examen ruhig entgegensehen konnten.

Charnelles Bruder fiel durch. Als seine Schwester das hörte, war sie sehr betrübt. Sie ging zum Direktor und erzählte ihm unter Tränen, was sie und ihr Bruder in diesem Zusammenhang erlebt hatten: „Wann immer wir Kassetten hörten, spürte ich ein grosses Vertrauen in Gott. Ich bat ihn, mir in den Examen zu helfen. Doch kurz bevor Amen und ich am Prüfungstag das Haus verliessen, gaben unsere Eltern uns Kugelschreiber, die sie bei einem Fetischisten hatten 'behandeln' lassen, damit sie uns Glück bringen sollten. Sie verboten uns streng, ein anderes Schreibwerkzeug zu gebrauchen.“

Unterwegs zur Schule, erzählte Charnelle weiter, machte ihr das Gewissen zu schaffen. „Ich sagte mir, dass ich diesen Kugelschreiber nicht brauchen konnte, ohne Gott zu erzürnen, der mir dann nicht mehr helfen würde. Schliesslich warf ich den erhaltenen Kugelschreiber weg und kaufte mir mit dem Geld, das für die Zwischenverpflegung gedacht war, einen anderen. Ich sagte weder meinen Eltern noch meinem Bruder etwas. Amen benutzte den Kugelschreiber des Fetischisten und fiel zum zweiten Mal durch die Prüfung. Mir hat Gott geholfen und ich bestand sie.“

Kassetten statt Lesestoff: Evangelium unter die Leute gebracht

Kassetten sind im westafrikanischen Staat Togo sehr beliebt. In der Hauptstadt Lomé werden sie überall auf den Strassen und Märkten verkauft. Auf dem Land gibt es zumindest pro Familie oder grössere Gruppe ein Tonbandgerät und auch Kassetten. Diese Tatsache hat sich die Bibelgesellschaft von Togo im Zusammenhang mit Beerdigungen zunutze gemacht. In Afrika kommen bei dieser Gelegenheit sehr viele Menschen zusammen.

Manche von ihnen sind noch nie in einer Kirche gewesen. Auf einer Kassette wurden deshalb christliche Lieder mit traditionell togoischer Musikbegleitung und passende biblische Texte für diese Zeremonien zusammengestellt. Man will damit christliche Hoffnung auf ein ewiges Leben weitergeben und den Trauernden in der Stunde des Abschieds Trost spenden.

Kampf gegen Raubkopierer

Hunderte dieser Kassette wurden in kürzester Zeit abgesetzt. Aber in manchen Städten haben geschäftstüchtige Menschen diesen Erfolg aufgenommen und viel Geld damit verdient, indem sie die Kassette mitsamt Tonbandgerät für Beerdigungen vermieteten. Es wurden auch schon bald Raubkopien hergestellt und verkauft. Diese Missbräuche haben die Begeisterung der Bibelgesellschaft für das neue Medium etwas gedämpft.

Zielgruppen durch Umfrage bestimmt

Dennoch hat sie eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, welche Fragen die Menschen am meisten beschäftigen. Daraus ergaben sich zwei spezifische Zielgruppen für die weitere Kassettenproduktion: die Händlerinnen des grossen Marktes in Lomé und die Beamten der Verwaltung. Die ersten werden häufig von Angst vor bösen Geistern geplagt, sind immer noch halb dem Fetischkult verhaftet und haben viele Probleme in der Familie. Die anderen machen sich vor allem Sorgen über die Erziehung der Kinder und über den Frieden im Land.

Bibelhörspiele – wie unter dem Palaverbaum

Auf Grund dieser Auswahl wurden nun ganz gezielt Texte und Musik zu diesen Themen zusammengestellt. So entstanden mehr als fünfzig Kassetten, dank denen die Bibelgesellschaft heute in der Audioproduktion von Togo führend ist. Vor kurzem ging sie einen Schritt weiter.

Ausgehend von der Tradition der Geschichtenerzähler unter dem Palaverbaum im Dorf engagierte sie Schauspieler, die biblische Geschichten aufführen und erzählen. Jetzt gibt es nicht nur Audiokassetten für die Verbreitung von Gottes Wort, sondern auch Videokassetten auf Französisch und in der Sprache der Ewe.

Gedrucktes wird weniger verlangt

Wie kam es zu diesem Arbeitsschwerpunkt der Bibelgesellschaft? Sie brauchte vier Jahre, um eine biblische Auswahlschrift in der Sprache der Ewe abzusetzen. Die Verantwortlichen schlossen daraus, dass gedruckte Erzeugnisse nicht geeignet sind, um die Gute Nachricht im Land zu verbreiten. Daher hat sie 1985 mit der Produktion von Kassetten begonnen und zehn Jahre später auch das Programm «Glauben kommt vom Hören / La Foi Vient en Ecoutant» übernommen.

Das Evangelium hören – und diskutieren

Das Programm «La Foi Vient en Ecoutant» (FVE) entstand aus der Zusammenarbeit des Weltbundes der Bibelgesellschaften und einer christlichen Organisation in Amerika, Hosanna International. Es umfasst vierzehn bis sechzehn Kassetten mit Texten aus dem Neuen Testament auf Französisch und in verschiedenen Landessprachen. FVE ist in erster Linie für Gruppen gedacht, die sich einmal pro Woche treffen. Sie hören gemeinsam Kapitel um Kapitel, können dazwischen dem leitenden Pfarrer oder Verantwortlichen der Zusammenkünfte Fragen stellen und das Gehörte miteinander diskutieren.

Impulse für die Kirchen

Nach einer gewissen Einführungszeit erlebte das Hörprogramm FVE in Togo einen grossen Aufschwung in christlichen Kirchen aller Denominationen und konfessionellen Schulen. Im Jahr 2003 nahmen schätzungsweise 12’000 Personen in über 800 Hörgruppen daran teil und hörten so das Wort Gottes. Zuweilen muss die Bibelgesellschaft sogar Anfragen zurückstellen, weil sie nicht genügend Kapazität für die von ihr übernommene Supervision hat. FVE hat den christlichen Kirchen in Togo viele Impulse gegeben und zu ihrem Wachstum beigetragen.

Charnelles Zeugnis

Die Bibelgesellschaft erhält aber auch immer wieder Berichte über den Einfluss, den dieses Programm auf das Leben einzelner Menschen ausübt. Menschen wie Charnelle. Der Schuldirektor bat Charnelle, ihre Geschichte vor allen Schülern der Schule zu wiederholen. Das würde sie ermutigen, regelmässig in die Hörgruppen zu gehen und trotz anderer Überzeugungen in ihrer Familie allein auf Gott zu vertrauen.

Webseite: www.bibelgesellschaft.ch

Autor: Maxime Bakiono ist Programm-Berater des Weltbundes der Bibelgesellschaften für die französischsprachigen Länder Afrikas (Bearbeitung: Livenet)
Quelle: Bibel aktuell 2/2004, Schweizerische Bibelgesellschaft, Biel.

Datum: 01.07.2004

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