Animanca und die Medien

«Freikirchen laufen Sturm»

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Livenet hat mit einem Beitrag über die Migros Marketingaktion «Animanca» einen Medienwirbel ausgelöst. Interessant sind dabei die Mechanismen, welche dabei sichtbar wurden.
 
Der Livenet-Beitrag leuchtete sachlich den esoterischen Hintergrund von Animanca aus. Ausserdem gab der Familienberater Beat Tanner Tipps, wie besorgte Eltern mit dem Thema in der Familie umgehen könnten.
Was dann folgte, ist ein Lehrstück zur Dynamik, die ein kritischer Beitrag mit weltanschaulichen Aspekten in der heutigen Medienwelt auslösen kann. Die Verteilzeitung «20 Minuten» griff den Beitrag auf und befragte die Redaktion zur Migros-Kampagne und zur Esoterik.
 
Die Redaktionsleitung von 20 Minuten wollte sich indessen nicht allein auf die Meinung von Livenet/Jesus.ch abstützen und erfuhr auf Nachfrage, dass der Livenet-Redaktionsleiter auch ein Mandat als Informationsbeauftragter des Freikirchenverbandes innehat. Aus dieser Info machte «20 Minuten dann die plakative Aussage: «Gläubige aus Freikirchen laufen Sturm gegen Amulette mit Tierzeichnungen ...».
 
Das Thema verlagerte sich von der Esoterik auf die Freikirchen. Auch der Begriff «Schwarze Magie» tauchte bei «20 Minuten plötzlich auf – was kein Thema beim ursprünglichen Artikel von Livenet und auch nicht beim Interview war. So hatte man Reizworte eingebaut, auf die 20 Minuten-Leser einprügeln konnten. Um die 600 Reaktionen auf der Website der Zeitung, bestätigten sodann mit wenigen Ausnahmen die Polemik gegen die Freikirchen.
 
Darauf folgte eine Stafette an weiteren Texten. Im Tagesanzeiger online schrieb Hugo Stamm von einem «frommen Angriff auf die Kinderaktion der Migros». Le Matin machte nochmals ein Interview mit Livenet und schrieb über den «Ärger der Evangelikalen» mit «Animanca». Es folgte die Basler Zeitung online, die weitgehend den Text des Tagesanzeigers übernahm. Ebenso das Tessin mit Ticinolive.ch. Auch Blogger begannen, auf den Zug aufzusteigen.
 
Keine Resonanz fand interessanterweise die Kritik des Livenet-Redaktionsleiters, in den beiden Interviews, dass die Migros eine Marketingaktion lanciert, welche Eltern unter Druck der Kinder setzt. Denn diese müssen an einem beliebigen Tag für eine Mindestsumme bei der Migros einzukaufen, um an ein ganz bestimmtes Steinamulett heranzukommen. Frühere ähnliche Aktionen wurden bereits von Konsumentenorganisationen stark kritisiert. Diesmal stellten sich die Texte schützend vor die Migros.
 
Erstaunlich ist, wie leicht eine Stellungnahme mit weltanschaulicher Kritik an der Marketingaktion eines Grossverteilers zur undifferenzierten Freikirchen- und Evangelikalenschelte wird. Im vorliegenden Fall wurden die Freikirchler in Zuschriften und Blogs als jene gescholten, die auch gegen die Evolution, die Schwulen und die Abtreibung sind. Leute von gestern, die Intoleranten schlechthin.
 
Das Positive an der Geschichte: noch selten wurde ein Livenet-Text so oft abgerufen wie die Animanca-Story. Für Livenet bleibt trotz solcher Kritik der Auftrag, Hilfen für die Beurteilung von Zeiterscheinungen aus christlicher Sicht zu vermitteln. Ausserdem sollen Menschen christlichen Glaubens Hinweise erhalten, wie sie mit Spannungen umgehen können, die eine von einem liberalen Markt geprägte, angeblich wertneutrale Umwelt auslöst. Dass wir dabei nicht von Kritik und einem Schlagzeilenjournalismus verschont bleiben werden, versteht sich.

Zum Thema:
«Offen für das Geheimnisvolle werden»

Datum: 31.01.2012
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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