Haiti

Zwei Monate nach dem Erdbeben

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Traumatisierte Überlebende.
Die Katastrophe traf Haiti am 12. Januar und brachte schätzungsweise 200‘000 Einheimischen den Tod. Zwei Monate später macht die Karibikinsel kaum noch Schlagzeilen - obwohl der Alltag noch voller Schrecken ist.

Zehntausende traumatisierte Überlebende bevölkern die Plätze und Strassen der Dreimillionenstadt; angesichts der vielen Nachbeben scheuen sie den Aufenthalt in Häusern. Vermutlich ist eine Million ohne Obdach. Viele fragen sich, was sie mit ihrem Leben noch anfangen sollen.

Laut dem Bericht von Tim Stafford im US-Nachrichtendienst Christianity Today (CT) zählt das Armenhaus der westlichen Hemisphäre etwa 8'500 christliche Gemeinden, davon 80 % katholisch und 16 % protestantisch. Adventisten und Baptisten haben am meisten Anhänger unter den Protestanten.

Frau befreit - zu spät

Einige Christen taten sich als mutige Retter hervor. Ein Mann grub in den Trümmern des Justizministeriums, bis er seine verletzte Frau fand. Nach Stunden konnte sie befreit werden. Da kein Spital sie aufnahm, brachte er sie nach Hause. «Ich habe versagt», sagte er weinend, «ich habe nicht genug getan.» - «Doch, du hast getan, was möglich war. Ich liebe dich», sagte sie. Und verschied.

Keine bessere Zeit

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Plünderungen
Ein Pastor machte in der Sonntagspredigt den Zuhörern klar, dass es für Christen keine bessere Zeit gebe: zum Dienen. Im Lobpreis hob ein Mädchen bloss eine Hand. Die andere war gebrochen. Die Spitäler hatten es nicht aufgenommen, da die Verletzung nicht lebensbedrohlich war. Ein Kirchenmitglied organisierte für es die Reise in die Dominikanische Republik und bezahlte dort für seine Behandlung. Eine Christin gab ihre einzigen Schuhe her, als sie einer notleidenden Frau begegnete.

Bewährte Netzwerke der Kirchen

«Leute vertrauen der Kirche», sagte Senator Laurent Mathurin dem CT-Reporter. Ein Pastor ärgerte sich darüber, dass die Amerikaner von Helikoptern Lebensmittel abgeworfen hatten, statt sich der Kirchen vor Ort zu bedienen. In Port-au-Prince verteilte eine mittlere Gemeinde an acht Punkten sieben Tonnen Nahrungsmittel. World Vision gab im Februar im Hauptgebäude 400 Mahlzeiten ab.

Traumatisiert, gelähmt

Nach der Nothilfe geht es um die Normalisierung: dass die Infrastruktur wenigstens provisorisch wiederhergestellt wird. Viele Einwohner sind nach den Horrortagen in Angst und Schrecken gefangen und können sich nicht helfen. Dass Zehntausende in Massengräbern bestattet werden mussten oder unter Beton liegen, belastet die Einheimischen. Denn es gab keine Trauerfeier, und Gedächtnisfeiern sind unüblich auf der Karibikinsel.

Scham und Ratlosigkeit

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Anstehen um etwas zum essen zu bekommen.
Ein Pastor sagte, er habe niemand gehört, der Gott verfluchte. Viele danken Gott, dass sie noch am Leben sind. Die Scham darüber, dass man nicht sorgfältig baute, plagt manche. Für einen Neuanfang fehlt ihnen angesichts der schweren Korruption die Hoffnung. Werden die Regierungsgebäude neu errichtet, fehlen noch immer die Materialien für die Amtstätigkeit. Die Aufgabe, Hunderttausende von Wohnhäusern neu zu errichten, übersteigt das Vermögen jeder Agentur und aller Hilfswerke. Christen wissen, dass ihr Beitrag für den Wiederaufbau der Gesellschaft Haitis wesentlich ist. Die Kirchen sind weniger korrupt.

Härtetest, dann Dauerlauf

Die Katastrophe stellte für christliche Hilfswerke einen Härtetest dar. Der Missionsflugdienst MAF flog über 2‘000 Personen auf die Insel. Doug Bassett vom Hilfswerk «Compassion» befürchtet, dass die Welt Haiti vergisst, wenn die Reporter abgereist sind. Die Insel brauche Hilfe auf lange Frist. Eine Pastorenfrau warf Fragen auf, die nicht wenige gläubige Überlebende beschäftigt: Gott hat mich verschont. Warum lebe ich noch? Kann ich weiterleben wie bisher?


Quelle: Livenet / Christianity Today

Datum: 11.03.2010

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