Marokko

Verhafteter Schweizer ein Regierungspatzer?

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Marokkanische Idylle (Foto: Livenet, mit Fotos von Bachmont, Chach Coati und Luc Viatour).
Die marokkanische Polizei platzte eingangs Dezember in einen Gottesdienst. Die Teilnehmer wurden verhaftet, darunter auch eine humanitäre Schweizer Familie, die nicht anwesend war, sondern lediglich die Räume vermietete. Womöglich handelt es sich hierbei um einen Justizirrtum.

Einheimische Kenner vermuten hinter der Verhaftung eine Fehleinschätzung der Behörden, schildert Ueli Meier, Mitarbeiter der «Hilfe für Mensch und Kirche» (HMK). «Es war eine normale Versammlung, ein verlängertes Wochenende. Es trafen sich Christen aus Südafrika, Guatemala, ein Marokkaner mit Schweizer Pass und einige Marokkaner.» Den Raum konnte nur jemand vor Ort mieten, dies tat ein anderer Schweizer, der mit seiner Familie in der Provinzstadt namens Oujda lebt. Die Polizei nahm die Teilnehmer des Gottesdienstes fest und suchte auch nach dem Mieter, der aber gar nicht anwesend war. Auch wurde mit seiner Familie verhaftet, sie befinden sich im spanisch verwalteten Melilla an der marokkanischen Nordküste.

Geschlossene Gesellschaft

«Es hatte auch nichts mit dem Minarett-Urnengang in der Schweiz zu tun», sagt Ueli Meier. Auch mit der Darstellung, dass es sich um Missionare oder eine evangelistische Veranstaltung handelte, gehe er nicht einig. «Es war eine geschlossene Gesellschaft, ausschliesslich von Christen.» Zudem sei das Schweizer Ehepaar nicht ein Missionspaar. Sie arbeiten seit mehren Jahren für die humanitäre NGO «Consulting, Training and Support» (CTS) in Marokko, der Schweizer Sitz der Organisation liegt in Peseux (CH) in der Nähe von Neuenburg. Sie helfen behinderten Kindern, das Werk ist in Marokko registriert und anerkannt.

Das Verhängnis

«Die beiden Südafrikaner gelangten mit einem Inlandflug nach Oujda. Sie sagten, dass sie Touristen sind», erklärt Meier. Die Behörden befürchteten nun womöglich, dass sie sich politisch betätigen würden. Der Hintergrund: Südafrika ist die bislang letzte Nation, im September 2007, welche die Westsahara als eigenständigen Staat beansprucht. Meier: «Marokkos König sagte am 34. Jahrestag des „gloriosen grünen Marschs", als sein Vater in die Westsahara einmarschierte, dass jeder, der mit jemandem aus der Westsahara zusammenarbeitet, die nationale Sicherheit Marokkos gefährdet.» Algerien wiederum gewährt den Saharaui, Bewohnern der Westsahara, Exil. Möglich also, dass zwei Südafrikaner suspekt waren, da sie als Touristen nach Oujda flogen, wo es kaum etwas touristisches zu sehen gibt, das statt dessen nahe an Algerien liegt.

Verfolgung würde befremden

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Marokko liegt im Nordwesten Afrikas.
Es wäre befremdend, würden die Behörden Christen verfolgen. «Marokko kennt seine Christen, sie sind von den Behörden zu einem hohen Grad akzeptiert. Früher wurden sie noch von ihnen verfolgt, heute werden zwar zum Beispiel noch Telefone abgehört, aber der hauptsächliche Druck kommt von der Familie.» Gerade dies sei ein Gebetsanliegen: «Durch diese Verhaftung haben die Verwandten von ihrem Glauben erfahren.» Dadurch geraten sie je nach dem in Gefahr. «Es ist auch zu hoffen, dass dies nicht der Anfang einer Verfolgungswelle ist. An Weihnachten werden viele Feiern ausgerichtet und es wäre schön, wenn sie in Ruhe feiern können.»

Neues Religionsgesetz

Ein im April eingeführtes Gesetz richtet sich gegen missionarische Aktivitäten. «Dabei geht es um einen innerislamsichen Konflikt. Schiitische Moslems empfinden die Sunniten als zu wenig islamisch und eröffenen eigene Schulen.» Freilich treffe das Gesetz letztlich auch Christen. Wobei marokkanische Christen sehr zurückhaltend seien und zum Beispiel nur eine Bibel weitergeben, wenn ausdrücklich darum gebeten wird. Herausgestellt hat sich zudem, wie verschiedene Quellen berichten, dass marokkanische Christen ihren Staat sehr lieben und zum Beispiel für ihren König beten und ihn segnen.

Meier: «Ich hoffe, dass diese Verhaftungen ein Patzer waren und sich die Wogen wieder glätten. Denn die Behörden differenzieren in Glaubensfragen längst und auch die Presse distanziert sich vom Extremismus. Es wäre ein Rückfall in alte Zeiten, wenn nun wieder behauptet würde, dass jeder Marokkaner per se ein Moslem ist, auch wenn er Christ ist.» Meier vermutet zudem, dass die CTS-Familie bald an ihre Wirkungsstätte zurückkehren kann.

Lesen Sie auch: Whalid: «Wir Christen sind für Marokko!»

Webseiten:
www.hmk-aem.ch
www.cts-pro.org

Datum: 17.12.2009

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