Kommentar

Positive und emotionale Bilder

Thomas Zaugg vernetzt messianische und palästinensische Christen miteinander und unterstützt sie beim Gemeindeaufbau. Der kürzliche Gefangenenaustausch eines israelischen Soldaten gegen 1000 Palästinenser hat ihn bewegt. Er schildert und kommentiert seine Eindrücke.

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Thomas Zaugg
Es waren für einmal «positive» und sehr emotionale Bilder aus Israel, die uns vorletzte Woche über Presse und Fernsehen erreicht haben. Gilad Schalit ist frei, nach fünf Jahren Geiselhaft. Viel wurde für Gilads Wohlergehen und seine Freilassung in den letzten Jahren gebetet, auch in den messianischen Gemeinden. Im Gegenzug dafür lassen die Israelis aber über 1000 gefangene Palästinenser frei, darunter auch Drahtzieher und Ausführende von zahlreichen Attentaten gegen Israel (280 waren zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt).
 
Viele Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang. Darf man einen solchen Deal eingehen und 1 Person gegen 1000 austauschen, ist dieser Preis nicht zu hoch? Ist dies nicht eine gewaltige Niederlage Israels gegenüber der radikal-islamischen Hamas? Werden so nicht weitere Entführungen regelrecht provoziert?
 
So war es wohl eine der schwierigsten und umstrittensten Entscheide, welcher die israelische Regierung in letzter Zeit zu treffen hatte. Auch ich habe mir diese Fragen gestellt, während ich mit «feuchten Augen» die Bilder der Freude auf beiden Seiten angesehen haben. Die Bilder haben bei mir aber vor allem auch Assoziationen zur Bibel hervorgerufen:
 
Da ist beispielsweise die Geschichte in Matthäus 18, in welcher der Hirte alle seine Schafe zurücklässt und «aufs Spiel» setzt, um das eine, verirrte Schaf zu retten. Auch in dieser Geschichte triumphierte das Herz über den Verstand.
 
Oder Jesus, der aus Jesaja 61 vorliest und sagt: Auf mir ruht der Geist des Herrn, der mich gesandt hat, .... Freilassung auszurufen für die Gefangenen und die Öffnung des Kerkers den Gebundenen. Was für eine Freude, wenn Gefängnisse (aller Art) aufgehen!
 
Die ganze Nation Israel erwartete die Ankunft Shalits. Viel war davon gesprochen, diskutiert und dafür gebetet worden. und nun ist es Realität. 3.5 Mio. Israelis verfolgten seine Heimkehr live auf TV! Auf der anderen Seite erwarteten die Palästinenser die freigelassenen Gefangenen, darunter zahlreiche Mütter und Väter, die ihre Kinder willkommen heissen konnten. Diese Erwartungshaltung, auch ein ansteckendes Adventsbild für uns als «erwartende» Christen. Was wird da möglich, wenn der Sohn Gottes zurückkommt?
 
Was mich faszinierte war, dass es auf beiden Seiten einen Moment lang nur diese ungetrübte Freude über die Rückkehr der Söhne gab und der gegenseitige Hass und die Angst, wenn auch nur für ganz kurze Zeit, weg war oder zumindest im Hintergrund standen.
 
Der bekannte israelische Rabbiner Ovadia Josef erklärte, die Freude Israels an diesem Tag sei ein Vorgeschmack auf jenen Tag, wenn in Zukunft einmal die Toten zum Leben erweckt werden. Und dieser Tag steht in der jüdischen wie auch der christlichen Theologie in deutlichem Zusammenhang mit der Wiederkunft des Messias.
 
Für mich waren die Ereignisse auch ein Hoffnungsschimmer und Vorgeschmack auf Dinge, die da kommen werden. All die echten Emotionen und die Freude zeigen das Verlangen der Menschen und können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Menschen im Nahen Osten (und hier bei uns) nichts weniger brauchen als Jesus Christus, um langfristig inneren und äusseren Frieden und Freude zu haben.

Webseite:
be'yachad


Autor: Thomas Zaugg
Quelle: Livenet / be'ychad

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