27. Mai, 19.30Uhr in Suhr
Enteignung bedroht Kloster
Schweizer Landeskirchen appellieren an Türkei
Zum Schutz bedrängter Christen in der Türkei rufen der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) und die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) gemeinsam auf. Sie wenden sich in einem Aufruf ihrer Präsidenten gegen die Enteignung des aramäischen Klosters Mor Gabriel durch türkische Behörden. Unten stehend der Aufruf im Wortlaut.
«Mit Bestürzung beobachten der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK und die Schweizer Bischofskonferenz SBK die gravierenden Übergriffe und Anfeindungen gegen Christen in verschiedenen Ländern. Dazu gehören auch die wiederholten Versuche türkischer Behörden, mittels zweifelhafter Verfahren gegen das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel vorzugehen. Die Situation hat sich in den letzten Wochen erneut zugespitzt.
Der Kassationshof in Ankara hat am 26. Januar 2011 mit seinem Urteil die Enteignung wichtiger Teile des klösterlichen Territoriums beschlossen. Der Vorwurf lautet, die Gemeinde habe sich Grund und Boden rechtswidrig angeeignet. Das Kloster wurde jedoch bereits im Jahr 397 gegründet und kann seinen Grundbesitz durch gültige Urkunden nachweisen, die von der Vorinstanz noch als Eigentumsnachweise anerkannt wurden.
Mit Besorgnis stellen wir fest, dass dieses 1600 Jahre alte Kloster von Kräften bedroht wird, denen Symbole christlichen Lebens offensichtlich ein Dorn im Auge sind. Mit haltlosen Anschuldigungen wird dem Kirchenoberhaupt Erzbischof Mor Timotheos Samuel Aktas der Prozess gemacht. Wir unterstützen die Klosterleitung darin, gegen das Urteil des Kassationshofes Einspruch zu erheben.
Die türkische Regierung fordern wir auf, alle christlichen Volksgruppen im Land anzuerkennen und ihnen das Recht auf Religionsfreiheit zu garantieren. Namens der römisch-katholischen und evangelischen Kirchen in der Schweiz appellieren wir an die türkische Regierung, als EU-Beitrittskandidat und gegenwärtiges Präsidialland des Europarates solchen Menschenrechtsverletzungen entschieden entgegenzutreten.
Unsere Kirchen und Gemeinden bitten wir, die Entwicklungen in der Türkei wachsam im Auge zu behalten. Wir rufen die Christinnen und Christen in der Schweiz zum Gebet für ihre Glaubensgeschwister in der Türkei auf.
(sig.) Gottfried Wilhelm Locher Bischof Norbert Brunner»
Kommentar: Gemeinsam für bedrängte Christen
Den Vorsitzenden von Kirchenbund und Bischofskonferenz ist für ihren Aufruf zu danken. Er ist ein Signal nach Ankara, dessen Regierung sich demokratischer Reformen rühmt und in die EU strebt. Der Appell ist ein Zeichen der Verbundenheit mit den syrisch-orthodoxen Christen in der Schweizer Diaspora. Er ist überdies ein Ausdruck der Gemeinsamkeit der Landeskirchen in solchen Angelegenheiten und des Willens, sie herauszustellen, auch gegenüber (türkischen) Muslimen in unserem Land.
Die Versuche in der Region, dem Kloster Mor Gabriel die Luft abzuschneiden, sind scharf zu verurteilen. Dass das Kassationsgericht in der türkischen Hauptstadt Ankara die Rechte der seit dem 1. Jahrtausend eingesessenen Eigentümer nicht schützt, spricht Bände über die türkische Justiz. Es geht nicht nur um Grundstücke, die vom Vieh der Christen oder aber von den Herden der kurdischen Nachbarn abgegrast werden. Vielmehr handelt es sich um anhaltende freche Anläufe, einer durch Repression und Diskriminierung seit Generationen geschrumpften Gemeinschaft das geistliche und kulturelle Zentrum zu nehmen und ihr endlich den Garaus zu machen. Dies geschieht in der «demokratischen» Türkei, nachdem sich die syrisch-orthodoxe Gemeinschaft über Jahrhunderte gegen muslimische Übermacht behauptet hat!
Mit ihrem gemeinsamen Aufruf – auch zum Gebet in den Kirchen hierzulande – machen Gottfried Locher und Bischof Norbert Brunner deutlich: Schweizer Christen (welcher Kirche sie auch angehören) sind mit den Gläubigen von Mor Gabriel solidarisch!
Damit kommen weitere Minderheiten in anderen Ländern Asiens und Afrikas in den Blick, auch Christen in Bedrängnis. Livenet versteht sich als Info-Plattform für diese Gläubigen, die mit bewundernswerter Ausdauer und Mut Christus bezeugen, in uralten Kirchen oder neuen evangelischen Gemeinden. Sie gehören zu den Hoffnungsträgern gerade der Länder, in denen derzeit so viel Unzufriedenheit aufbricht.
Quelle: Livenet.ch / SEK
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