Reformierte in einem Boot

Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen gegründet

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Die Statuten der WRK wurden bereinigt und genehmigt und von 300 Delegierten aus aller Welt unterzeichnet. (Foto: Erick Coll/WRK)
In Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan tagen Reformierte aus aller Welt seit einer Woche zur Gründung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen WRK. Sie entsteht durch den Zusammenschluss des Reformierten Weltbundes RWB und des Reformed Ecumenical Council REC und vertritt nach eigenen Angaben über 80 Millionen Christinnen und Christen in 108 Ländern.

Formell wurde die Vereinigung der beiden Dachverbände zu Beginn der Konferenz am 18. Juni vollzogen. Kirchenvertreter bezeichneten die Gründung der Weltgemeinschaft als historischen Tag in der reformierten Kirchengeschichte. «Ich glaube, dass Gott will, dass wir in Einheit zusammenleben», sagte RWB-Präsident Clifton Kirkpatrick.

Frauenpower

Die Statuten der WRK wurden bereinigt und genehmigt und von 300 Delegierten aus aller Welt unterzeichnet - aber erst nach eineinhalbstündiger Debatte über die Vertretung von Frauen in Gremien und auf Leitungspositionen. In einer Vorkonferenz in Grand Rapids hatten Frauen Forderungen formuliert. Die WRK-Verfassung wurde dahingehend abgeändert, dass die Hälfte der Delegierten Frauen sein sollen, wenn eine Kirche vier oder mehr Delegierte an Vollversammlungen des Rats entsendet.

Die Vertretung kleiner Kirchen (unter 100‘000 Mitglieder) wurde von zwei auf drei Personen angehoben, damit mehr junge Reformierte mitwirken können. Für den REC nahmen an der Gründung 79 Vertreter aus 28 Kirchen teil, für den RWB 301 Delegierte von 132 Kirchen. (RWB-Präsident Clifton Kirkpatrick beklagte, dass die US-Regierung 46 Delegierten die Visa verweigert hatte.)

Unterschiedliche Akzente

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Die WRK vertritt über 80 Millionen Christinnen und Christen in 108 Ländern. (Foto: Erick Coll/WRK)
Nach der Gründung legten die beiden Generalsekretäre der beiden Gründerorganisationen RWB und REC dar, welche Akzente diese in die Weltgemeinschaft einbringen. Setri Nyomi, neuer Exekutivleiter der WRK, erläuterte die sieben Kernanliegen des RWB:

  • wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit,
  • geistliche und gottesdienstliche Erneuerung,
  • ökumenische Einheit,
  • zeitgemässes Verständnis der reformierten Tradition,
  • gemeinsame Mission, Erneuerung und Ermächtigung,
  • Inklusivität und Partnerschaft,
  • Ermächtigung von Kirchen, für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen.

Richard van Houten, abtretender Generalsekretär des vor 64 Jahren gegründeten REC, nannte:

  • biblische und konfessionelle Integrität
  • reformierte Frömmigkeit,
  • Sorge füreinander und Eintreten für soziale Gerechtigkeit auf biblischer Grundlage.

Diese Betonungen sollten die Teilnehmer in Grand Rapids, so van Houten, durch persönliche Besuch bei Mitgliedkirchen unterstreichen. Sie sollten sich bemühen, rassische und ethnische Diskriminierung zu überwinden, und sich auf Jugendarbeit konzentrieren. Nyomi sagte, vor zehn Jahren hätte er die Vereinigung der beiden Dachverbände als unmöglich abgetan. Doch bei Gott sei alles möglich. Die Leiter räumten Auseinandersetzungen auf dem Weg ein. REC-Präsident Peter Borgdorff gab zu, der Rat habe 2005 gefehlt, als er eine Kirche südafrikanischer Weisser aufnahm, ohne dass diese ein verändertes Verhalten gegenüber den Schwarzen bereits in der Tat bewiesen hätten.

Schweizer als Schatzmeister

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Das neue Logo steht für Einheit, Partnerschaft und Versöhnung. (Foto: Erick Coll/WRK)
Am 22. Juni wurde der Schweizer Gottfried Locher als «Schatzmeister» für den Exekutivausschuss der WRK nominiert. Locher wirkte seit langem in der Leitung des Reformierten Weltbunds mit; er wurde am 14. Juni zum Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK gewählt. Die 22 Mitglieder des neuen Exekutivausschusses wurden am 24. Juni von den Delegierten gewählt. An der Spitze sollen neu zwei Afrikaner stehen.

«Der Geist gibt neues Leben»

Am Sonntag, 20. Juni, feierten 3‘000 Reformierte auf dem Gelände des Calvin College, wo die Vereinigungsversammlung stattfindet, einen Abendmahlsgottesdienst. Yvonne Delk von der United Church of Christ in den USA ermutigte die Teilnehmenden, sich nicht zu fürchten und Gott viel zuzutrauen. «Der Geist lässt uns nie, wie er uns findet. Der Geist gibt neues Leben in unsere Kirchen, unsere Strukturen, unsere Gemeinschaften und unseren Globus.» Das neue Logo wurde erklärt; es zeigt eine Schale (Taufe und Abendmahl), einen Kreis (Einheit), miteinander verflochtene Linien (Stärke, Partnerschaft) und das Kreuz, das die den reformierten Betonung der Versöhnung steht. Nach eigenen Angaben vereint die neue Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen 80 Millionen Christen in 108 Ländern.

Indianer setzen Akzente

Mehrere Programmteile der folgenden Tage wurden von Reformierten aus nordamerikanischen Indianerstämmen geprägt. In einem Pow Wow wurde der Geist der Einheit mit einer Trommel gefeiert. «Wir haben den christlichen Glauben vor den Cowboys zu retten!» sagte anderseits Richard Twiss, ein US-Pädagoge aus dem Stamm der Lakota Sioux zu den Versammelten. Die mit Vorurteilen gegen Indigenen gespickte «Cowboy-Theologie» sei zu überwinden. Twiss hatte als junger Mann gegen die Diskriminierung der Ureinwohner protestierte, was ihn ins Gefängnis brachte; dort wurde er 1974 Christ. Er plädierte vor der Versammlung für multikulturelle Vielfalt in der Kirche. Die Ureinwohner hätten ihre Eigenart nicht aufzugeben, um gute Christen zu werden.

Zum Thema:
Deutscher Flyer der WRK
Datum: 24.06.2010

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