Chrischona-Leiter

Politische Verantwortung wahrnehmen und dranbleiben

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Verantwortung für die Gesellschaft verstärkt wahrnehmen: René Winkler
Im Oktober 2006, ein Jahr vor den Nationalratswahlen, haben die Deutschschweizer Freikirchenleiter ein politisches Positionspapier vorgestellt. Was lösen die Vordenker des Verbands der Freikirchen und Gemeinden VFG an der Basis aus? Livenet hat bei René Winkler, dem Leiter der Chrischona-Gemeinden Schweiz, nachgefragt.

Livenet: René Winkler, „Suchet das Wohl des Landes“ ist das VFG-Positionspapier überschrieben. Was passiert damit in den Chrischona-Gemeinden?
René Winkler: Wir haben vorerst keine Tagungen geplant, aber die Frage des politischen Engagements wollen wir vertieft angehen. Das Papier haben wir unseren Mitarbeitenden abgegeben; was in den Gemeinden damit geschieht, kontrollieren wir nicht. Klar ist: Unsere Vision als Freikirche – was wir in den nächsten Jahren sein und bewegen wollen – muss eine gesellschaftliche Relevanz haben.

Bisher sind die Gemeinden in der Regel eher apolitisch. Es gibt auch gute Gründe dafür, dass Gemeinden sich nicht mit einer Partei verbinden. Ich denke nicht, dass wir Parteipolitik forcieren sollten. Aber die Verantwortung in der Gesellschaft muss verstärkt thematisiert werden. Wir wollen, dass unsere Mitglieder sie vermehrt wahrnehmen und auch Behördentätigkeit als Teil des Dienstes verstehen, den Jesus Christus uns aufgetragen hat.

Sind sich Christen zu gut für die Politik?
Hinter den Vorbehalten gegenüber dem politischen Engagement verbirgt sich wahrscheinlich mehr Bequemlichkeit als die Furcht, sich die Hände ‚schmutzig’ zu machen. Ausdauer ist gefordert – man muss sich einarbeiten, um die politischen Prozesse zu verstehen und dann etwas bewirken zu können.

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Kapelle der Chrischona-Gemeinde Liestal BL.
Ich vermute, dass viele freikirchliche Christen mit biblischen Argumenten und Auffassungen politisieren möchten. Sie wollen eine klare Linie fahren. Es fällt ihnen schwer, Kompromisse einzugehen, obwohl dies in der Politik unumgänglich ist. Manchmal muss man das Mögliche wollen und das Gewünschte zurückstellen. In den Chrischona-Gemeinden tun wir uns manchmal auch schwer, zu differenzieren und andere Meinungen stehenzulassen; da haben wir noch zu lernen. Es geht darum, dass wir uns differenziert in der Öffentlichkeit bewegen, am Möglichen mitarbeiten und es aushalten, wenn Wünschbares nicht zu erreichen ist.

Die Missione Popolare Evangelica in Mendrisio, anerkannter Partner der Stadt für Kinderbetreuung , und der Zürcher Kantonsrat Gerhard Fischer , der seit Jahren griffige Regelungen im Bereich der Sterbehilfe fordert, sind Modelle von Chrischona-Engagement in der Öffentlichkeit. Fördern Sie solche Laufbahnen, und ermutigen Sie Gemeinden, zum Wohl der Mitmenschen diakonisch tätig zu werden?
Als Chrischona-Leitung können wir aufs Ganze gesehen organisatorisch wenig bewegen. Ich bin froh um das Politpapier; mit ihm hat sich der Freikirchenverband positioniert und der Basis eine Handhabe gegeben. Aber es kommt darauf an, dass Leute vor Ort die Anregungen aufnehmen.

Die Gemeinden konzentrieren sich auf die Hauptsachen: Gottesdienste, Jugendarbeit…
Insgesamt bewegen wir uns viel zu wenig in der Öffentlichkeit. Wir sehen unsere Verantwortung zu eng. Evangelisation und Gemeindebau sind wichtig, aber das Arbeiten in der Öffentlichkeit ist uns auch aufgetragen. Das geht über die Politik im engeren Sinn hinaus. Wie stützen wir Führungskräfte in der Wirtschaft und Kaderleute in der Verwaltung? Unsere Gesellschaft wird wesentlich vom Geld gesteuert. Christen sollten da Verantwortung mit übernehmen. Robert Rahm (Rimuss) hat während Jahren für Geschäftsleute ein Wochenende gestaltet. Nun denken wir im Chrischona-Werk ein neues Projekt an.

Chrischona-Direktor Markus Müller stellt das Dienen der Christen in den Mittelpunkt. Was bedeutet das für die Pilgermission und ihre Gemeinden?

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Kinderkrippe in Mendrisio: Die Missione Popolare Evangelica ist anerkannter Partner der Stadt für Kinderbetreuung.
Im Februar hat sich die Chrischona-Führungsmannschaft zu einer Retraite getroffen, um sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Die Herausforderungen werden beispielsweise im Bereich von Ehe und Familie, der Kernzelle jeder Gesellschaft, noch grösser, als sie es heute schon sind. Auch auf wirtschaftlicher und politischer Ebene wachsen sie ständig. Dabei sind die moralischen Herausforderungen wohl mindestens so gross wie die rein wirtschaftlichen. Wir haben im Chrischonaverband in den zurückliegenden Jahren zwar schon einige Themen bearbeitet (vgl. die neue Broschüre Chrischona – Gut mit den zukünftigen Herausforderungen umgehen ). Nun wird für November dieses Jahres eine dreitägige Strategiekonferenz mit allen Mitarbeitenden geplant. Da versuchen wir erste Weichen zu stellen, um in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch wirksamer in der Gesellschaft zu dienen.

Mit dem Einsatz in der Gesellschaft können Christen auch die Bedingungen beeinflussen, unter denen sie das Evangelium weitergeben können. Je nach dem Bild, das die Medien von ihnen vermitteln, sind sie mehr oder weniger glaubwürdig.

Die Herausforderung liegt für mich darin, dass wir in langfristigen Bögen denken und handeln. Brauchen wir kurzfristig Erfolge – und brechen bei Misserfolgen ab? Im Reich Gottes, in christlichen Gemeinden mangelt es wie in Politik und Gesellschaft am Willen, zehn oder zwanzig Jahre zu investieren und dranzubleiben. Schritte zu gehen, ohne schon das Ziel vor sich nicht schon verwirklicht zu sehen, halten viele nicht mehr aus.

Livenet-Bericht zum Positionspapier: Die Stillen im Lande werden politisch
René Winkler über die Entwicklung der Schweizer Chrischona-Gemeinden
Homepage der Chrischona-Gemeinden Schweiz

Datum: 30.04.2007

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