Schuldenkrise

Der Auftrag der Christen

Was kommt mit der laufenden Finanz- und Schuldenkrise auf uns zu, die Europa im Würgegriff hält? Ein Gastkommentar von Dieter Bösser, Studienleiter der Arbeitsgemeinschaft christlicher Führungskräfte Schweiz (AcF).

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Die gegenwärtige Schuldenkrise sorgt täglich für Besorgnis erregende Nachrichten: Spekulationen um die Zahlungsfähigkeit von Ländern, Proteste in Griechenland und Italien gegen Sparmassnahmen der Regierung, Zurückstufung der Kreditwürdigkeit von Ländern und Banken, Reduktion der Wachstumsprognosen in der Schweiz etc.

Täglich vernimmt man Stellungnahmen von Politikern, Notenbankern, Finanzexperten. Wer überblickt das noch? Wer will noch davon hören und lesen? Im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe in Fukushima wurde verschiedentlich der Ausdruck «apokalyptisch» verwendet. In der gegenwärtigen Situation scheint er wesentlich angemessener zu sein.
 
Die Krise hat offensichtlich systemischen Charakter: Das ganze Wirtschaftssystem mit all seinen Akteuren ist mehr oder weniger betroffen. Das macht es quasi unmöglich, dass einzelne Akteure, z.B. die Politiker, die Krise bewältigen können. Ohne auf finanzspezifische Details eingehen zu wollen, kann man sagen, dass die Systemakteure (Anleger, Geschäftsbanken, Politiker, Unternehmer, Medien etc.) unterschiedliche bzw. widersprüchliche Interessen verfolgen.

Auch öffentliche Stellungnahmen sind von den jeweiligen Interessen geprägt. Woher wissen wir daher, wer uns aktuell reinen Wein einschenkt? So lange entscheidende Akteure des Systems als individuelle Nutzenmaximierer agieren, ist eine Lösung der grossen Probleme unmöglich.

Der Verdacht, dass die andern vor allem eigene Interessen verfolgen, hat in letzter Zeit zu einem massiven Vertrauenseinbruch zwischen den Hauptakteuren geführt. Das ist eine äusserst kritische Konsequenz für das Finanzsystem!
 
Christen sind von den Konsequenzen der aktuellen Krise in unterschiedlichem Ausmass betroffen. Wer versucht gegenwärtige Ereignisse im Licht des Neuen Testamentes zu deuten, wird an endzeitliche Texte erinnert.

Ohne ins Spekulative abzugleiten tauchen Erinnerungen an Offenbarung 18 auf. Versteht man die «Hure Babylon» als ein politisch-wirtschaftliches System von globalem Ausmass, das in eine umfassende Krise geraten ist, dann sind die Parallelen zur aktuellen Situation frappierend. Dieses System, das in der Vergangenheit vielen satte Gewinne und Wohlstand bescherte, kollabiert. Es bleibt das grosse Jammern.
 
Es geht hier nicht darum, den aktuellen Zeitpunkt auf der Endzeituhr zu bestimmen. Panische oder angstgesteuerte Reaktionen sind ebenso fehl am Platz. Es geht auch für Christen darum, den Tatsachen nüchtern in die Augen zu schauen. Eine zentrale Botschaft der Johannes-Offenbarung ist, dass «das Lamm» (Jesus Christus) der Herr der Endzeit ist.

Das ist eine wichtige Quelle für persönliches Vertrauen, auch wenn dieses gegenwärtig und in Zukunft auf die Probe gestellt wird. Ein sträflich vernachlässigter Auftrag an die Christen ist neu zu betonen: Betet für die Obrigkeit und die Mächtigen!

Zum Thema:
(Private) Finanzkrise: Wege aus der Schuldenfalle
Wolfram Weimer: «Wir schätzen Wahrheiten nicht mehr genug»
Schuldenkrise: Wie geht Gott mit Schulden um?


Quelle: Dieter Bösser

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