Das Gewehr auf dem Estrich

Je mehr Waffen pro Haushalt, desto mehr Suizide mit Schusswaffen

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Je besser Schusswaffen verfügbar sind, desto häufiger werden Suizide damit verübt. Das belegt eine neue Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Auf diesen Umstand weisen Suizidforscher zwar schon seit längerem hin. Doch die Studie stützt die Argumente für die Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt», die die kirchlichen Frauenverbände mittragen.


Die Studie, die der Tages-Anzeiger und die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 29. Juli aufgegriffen haben, stützt eines der Haupt-Argumente der Initianten. Sie wollen die Armeewaffen in die Zeughäuser verbannen und so verhindern, dass diese für Suizide und Gewalttaten zugänglich sind. Wer Waffen besitzen will, soll nach dem Willen der Initianten in Zukunft seinen Bedarf und die erforderlichen Fähigkeiten nachweisen. Schusswaffen Privater sollen in einem zentralen Register erfasst werden.

Die Verantwortlichen der Studie haben zum ersten Mal den Zusammenhang von Schusswaffenbesitz und Suiziden mit Schusswaffen in den Kantonen der Schweiz untersucht. In den Kantonen der Zentralschweiz (Uri, Ob- und Nidwalden, Schwyz und Glarus), Aargau, Bern und Baselland bringen sich gemäss der Medienmitteilung der Universität Zürich vom 28. Juli überdurchschnittlich viele Menschen mit einer Schusswaffe um. In diesen Kantonen ist auch in vielen Haushalten eine Schusswaffe vorhanden - in bis zu 45 Prozent. Weniger Waffen (unter 25 Prozent) gibt es in den Haushalten der städtischen Kantone Basel-Stadt und Genf sowie der Kantone Waadt und Neuenburg. Dementsprechend gering ist dort der Anteil der Schusswaffen-Suizide.

Studie zum internationalem Vergleich bestätigt

Schon 2006 zog eine interdisziplinäre Autorengruppe um den Leiter der jetzigen Studie, den Soziologen Vladeta Ajdacic-Gross, den internationalen Vergleich. Mit dem Schluss, dass in jenen Ländern, in denen viele Schusswaffen verfügbar sind, auch mehr Suizide mit diesen Waffen verübt werden. Wo in den vorangegangenen beiden Jahrzehnten die Verfügbarkeit von Schusswaffen erfolgreich eingeschränkt worden war, konnte auch die Zahl der Suizide durch Schusswaffen proportional gesenkt werden - so das Fazit von 2006. In der Schweiz stieg der Anteil der Schusswaffen-Suizide im gleichen Zeitraum von 23 auf 27 Prozent an. In den letzten Jahren ging der Anteil der Haushalte mit Schusswaffe zurück - und parallel dazu der Anteil Suizide mit Schusswaffen.

Hohe Suizidrate in der Schweiz

Auch insgesamt ist die Suizidrate in der Schweiz im internationalen Vergleich besonders hoch. Der Schweizer Durchschnitt lag im Jahr 2000 bei 19,1 Suiziden, der deutsche bei knapp 14 pro 100.000 Einwohner. Im Schnitt nehmen sich hierzulande jeden Tag fast vier Menschen das Leben. Rund jeder vierte Suizid - also fast einer pro Tag - wird mit einer Schusswaffe verübt. Es geht um 32,6 Prozent der Suizide von Männern und 3,4 Prozent der Suizide von Frauen.

Schusswaffen spielen vor allem bei impulsiven Suiziden eine Rolle, heisst es im Communiqué der Uni Zürich. Es ist daher von Belang, ob eine solche Waffe leicht zugänglich ist oder nicht. "Gelegenheit macht offensichtlich nicht nur Diebe, sondern auch Suizidenten", sagt der Soziologe Vladeta Ajdacic-Gross, der die Studie geleitet hat, gemäss der Medienmitteilung. Er entkräftet damit letztlich das Argument der Gegner der Initiative, wonach jene, die sich umbringen wollen, auch eine andere Methode fänden.

Viele Fachleute für die Initiative

Im vergangenen März fand in Zürich ein nationaler Suizidpräventions-Kongress statt, organisiert von der Initiative zur Prävention von Suizid in der Schweiz, Ipsilon. Im Vorfeld hatte Fritz Ramseier, stellvertretender Leiter der Klinik Königsfelden AG und Vorstandsmitglied von Ipsilon, in einem Interview mit der Presseagentur Kipa gesagt: «Es ist ein Skandal, dass jeder junge Mann sein Gewehr daheim hat, denn es ist lebensgefährlich!» Entsprechend wird Ipsilon auf der Homepage der Befürworter der Volksinitiative unter deren tragenden Organisationen genannt, ebenso wie weitere Organisationen von Ärzten, Präventionsfachleuten und Angehörigen.

Die Volksinitiative wird vor allem von linken und Grünen Gruppierungen und Parteien getragen. Neben den konfessionellen Frauenverbänden, die sich schon mehrmals zum Thema zu Wort gemeldet haben, ist auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK mit von der Partie sowie weitere christliche Gruppierungen wie der Christliche Friedensdienst, die Christlich-soziale Partei CSP, Pax Christi (die katholische internationale Friedensbewegung) Schweiz sowie eine Reihe weitere Gruppierungen. Der Nationalrat hat im Juni als erste Parlamentskammer die Initiative mit 103 zu 66 Stimmen klar abgelehnt.
Datum: 01.08.2010
Quelle: KIPA

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