Kommentar: «Sonntag ist Zeit für…»
«...den Royal Flush», das Pokerturnier. Warum nicht am Sonntag trickreich um Geld spielen, nachdem man die Woche durch gerackert hat? Der Gratisanzeiger sieht die Region im Pokerfieber. Eine Sonntagspassion mehr.Als wären ihrer nicht genug. Hunderttausende schlendern zu Kiosk und Briefkasten, um sich die Zeitung zu holen, die Aktualitäten der Woche aufkocht und anders serviert. Den freien Tag nutzen andere zum Ausschlafen und für ausgiebiges Jogging. Wer es sich leisten kann, lädt seine Lieben ins bessere Restaurant ein. Und: nicht verpassen! Die Formel 1, die Bundesliga, die WM oder sonst ein sportliches Grossereignis schlagen viele in Bann. Für manche surrt die Waschmaschine nie schöner als am Sonntag...
Passionen und Gewohnheiten spiegeln unsere Prioritäten. In der Risikogesellschaft dürfen wir, sollen wir unseren Lebensstil, unsere Werte und Vorlieben eigenständig wählen. Der Sonntag bietet sich als Tag des Zurücklehnens an, an dem wir unsere Orientierung ruhig überprüfen (oder uns mindestens so anstellen).
Einzelne Medien und Veranstalter geben dazu gehaltvolle Anstösse. Bei den meisten Schweizern bleibt der Kirchgang aus. An Stelle des Pfarrers raten andere, was im Leben zu tun und wertzuschätzen und höher zu gewichten sei.
Und Ruhe? Für den, der am Sonntag erfolgreich pokern will, empfiehlt sich guter Schlaf - er wird vorher ruhen wollen.
Doch das beste Rezept für psychische Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit ist immer noch: den Sonntag als Ruhetag zu gestalten. Wenn wir 24 Stunden innehalten, gewinnen wir Abstand. Den Abstand, den wir brauchen, um schmerzhafte Kollisionen mit dem Wochenalltag zu vermeiden.
Die Bibel macht klar, dass Ruhe und Erholung von der Mühe der Woche ein unschätzbar kostbares Gut sind. Es soll möglichst allen zugute kommen.
Unsere Gesellschaft muss sich entscheiden, ob sie für Freizeitvergnügen (und Shopping) immer mehr Leute hinter den Schalter, in die Uniform, an die Kasse und in die Küche beordern will. Dies ist gegen das Gebot Gottes, das in seiner ursprünglichen, den Israeliten vermittelten Form lautet:
«Denke an den Sabbattag und halte ihn heilig. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; der siebte Tag aber ist ein Sabbat für den Herrn, deinen Gott. Da darfst du keinerlei Arbeit tun, weder du selbst noch dein Sohn oder deine Tochter, dein Knecht oder deine Magd noch dein Vieh oder der Fremdling bei dir...» (Die Biel, 2.Mose, Kapitel 20, Verse 8-10).
Christliche Ethiker wie der Brite Michael Schluter warnen seit Jahren vehement vor der Aufgabe des Sonntags. Für die Familien und damit für die gesamte Gesellschaft geht unsagbar viel verloren.
Orientierung ist nur zu finden, wenn wir Abstand nehmen können. Abstand vom Alltag. Es gilt: Jede Woche ist Zeit für... Sonntag!
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