Kommentar

Schweizer Familie

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Können Kinder sich in einem Raum der Zuwendung und des Zutrauens entfalten, werden sie eher Vertrauen gegenüber Fremden riskieren, andere frei geben, Lasten tragen und sich zu Diensten hergeben.
Das Schönste an einem Land sind - die Familien. Die Gemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen, Liebe und Treue sowie Verständnis und Vergebung erleben, zu Vorbildern aufsehen, Mut fürs eigene Leben gewinnen und angeleitet werden, ihre Wünsche und Bedürfnisse auf die ihrer Mitmenschen zu beziehen. Zum kostbaren Schatz eines Menschen gehören glückliche Kindheitserinnerungen.

Bindung und Vertrauen

Vom Vertrauen, das mit Mutter und Vater (idealerweise) in der Geborgenheit der Familie wächst, leben Staat und Gesellschaft. Die feste Bindung in den ersten Lebensjahren bildet das Gehirn; sie ist, wie Neurologen heute belegen, die Voraussetzung fürs Lernen, für Konstanz und Konzentrationsfähigkeit. Können Kinder sich in einem Raum der Zuwendung und des Zutrauens entfalten, werden sie eher Vertrauen gegenüber Fremden riskieren, andere frei geben, Lasten tragen und sich zu Diensten hergeben.

Und mehr, entscheidend für den Sozialstaat in Zeiten der Pille: Haben die Kinder ihre Eltern und deren Liebe genossen, werden sie selbst Kinder haben und lieben wollen. Der Traum vom Familienglück steckt tief in uns. (Zu denken gibt, dass viele Jugendliche heute nicht mehr glauben, den Gatten zu finden, der mit ihnen durch dick und dünn geht.)

Dem Reichtum des Lebens auf der Spur

Das individualistische, auf Selbstverwirklichung zielende Glücksstreben treibt kranke Blüten. Immer mehr Schweizer leben allein oder zu zweit, sind mobil, aber nicht verwurzelt, einsam in grossflächigen Wohnungen. Dabei wissen wir es von unseren Vorfahren und sehen es in anderen Kulturen: In der Familie, wo man verbindlich, vielleicht auch eng, zusammenlebt - nicht bloss der Kernfamilie! - kann das Leben in seinem ganzen Reichtum erahnt und erfahren, gepflegt und weitergegeben werden. (Dass Kinder als Armutsrisiko gelten und sich dies im Kopf vieler Schweizer festgesetzt hat, ist ein Skandal; die Kinderlosigkeit wird uns noch teuer zu stehen kommen.

Was Familien dem Gemeinwesen geben

Das kreative Wechselspiel klug geförderter Eigenarten und das unverbrüchliche Miteinander zeichnen starke Familien aus - als Bauern und Gewerbetreibende, Dienstleister und Industrielle gestalten sie das Gemeinwesen unschätzbar mit. Was wäre die Schweiz, ein rohstoffarmer Kleinstaat, ohne Familienunternehmen?

Ratlose Eltern, überforderte Lehrer und prügelnde Kids machen Schlagzeilen. Wenn die Vielfalt der Lebensformen hochgejubelt wird, wenn Medien Gegensätze und Konflikte hochspielen, gilt es umso mehr, Familiensinn und die Verpflichtung zum Miteinander zu kultivieren. Auf allen Ebenen.

Dann hat auch Konkordanz wieder eine Chance. Die Eidgenossenschaft leidet derzeit unter dem mangelnden politischen Willen zum lösungsorientierten Miteinander. Das Sommertheater um die Bundesratswahl verheisst nichts Gutes. Vor allem lenkt es von den wirklichen Aufgaben ab.

Was den Kirchen aufgegeben ist

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Gemeinschaften machen die Schweiz aus: Die Familien als Kernzelle, auch die politischen Gemeinden.
Über Familienpolitik wird vermehrt politisch gestritten. Fördern Bund, Kantone und Gemeinden die Familie als Gemeinschaft - oder vielmehr die Einzelnen? Wenn der säkulare Staat für die Prozesse zuständig ist, haben die Kirchen christliche Werte überzeugend darzulegen, engagiert einzubringen und vorzuleben. Die Teile der Gesellschaft, die sich von der christlichen Tradition gelöst haben, scheinen nicht imstande, im 21. Jahrhundert Familie zu gestalten (auch wenn sie es noch wollten).

Christen sind gefordert

Ohne aktive Christinnen und Christen ist der weitere Verfall der Familie in der Schweiz im Spiegelkabinett der Eigensucht abzusehen. Christen sind gefordert, mit Glauben, Hoffnung und Liebe, als Beterinnen und Beter, als Eltern und Freunde, als Schulpfleger und Leserbriefschreiber, als Beamte und Politiker, als Nachbarn und Pflegende.

Das Vorbild von Jesus Christus, der sich im Dienen hergab und aufgab, wird uns helfen, Familie zu gestalten. Der so motivierte Mehreinsatz, den der Staat (noch) nicht belohnt, ist notwendig; er ist im Kleinen zu realisieren und in der Öffentlichkeit couragiert zu vertreten. Mit starken Familien hat die Schweiz Zukunft.

 

Datum: 01.08.2009

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