Anders in die Zukunft: Eine christliche Sicht auf Energiefragen

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Energiepolitik muss sich an Grundwerten messen lassen, die zu verantwortungsbewussten Entscheidungen führen.
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) hat mit einer Studie Leitgedanken für ein zukunftsfähiges Energiesystem formuliert. Er plädiert für die "2000-Watt-Gesellschaft". Sie würde für die Schweizer bedeuten, den Gesamtenergieverbrauch auf einen Drittel des jetzigen zu senken und bloss noch einen Sechstel nicht erneuerbarer Energien zu verbrauchen.

"Unsere Welt verbraucht jede Stunde ungefähr eine Million Tonnen Erdöl und weitere fossile Energien, spuckt Schadstoffe in die Atmosphäre, die unser Klima verändern, und lässt die Hälfte ihrer Bevölkerung in unmenschlichen Lebensbedingungen vegetieren." Der Satz von Bertrand Piccard findet sich in der 180-seitigen Studie "Energieethik" des SEK. Der Kirchenbund sucht damit Wege zu ethischem Handeln: Der Umgang mit Energie soll sich an Freiheit, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Beteiligung und Frieden orientieren

Ende eines Zeitalters

Vieles deutet laut dem SEK auf das "Ende eines Energiezeitalters" hin. Lenins Parole, dass Sowjet-Macht plus Elektrifizierung des ganzen Landes den (als paradiesisch vorgestellten) Kommunismus heraufführen werde, deutet an, welche Hoffnungen die industriell orientierte Menschheit einst in die Energie setzte. Heute alarmieren der offensichtlich beschleunigte Klimawandel, der Anstieg der Rohölpreise sowie Konflikte um Energieressourcen.

Welche Werte leiten uns?

Der SEK unterstreicht in der von seinem Ethikbeauftragten Otto Schäfer verfassten Studie: Energiepolitik muss sich an Grundwerten messen lassen, die zu verantwortungsbewussten Entscheidungen führen. Als Werte werden genannt: Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Freiheit (Entscheidungsfreiheit auch künftiger Generationen), Beteiligung und Frieden. Unter diesem Blickwinkel stellt der SEK auch die Frage nach der Anwendung politischer Steuerungsinstrumente.

"Spirituelle Prüfung"

Die Studie deutet die Energiekrise auch als "spirituelle Prüfung" (französisch: épreuve). Schäfer spricht von einem Trauerprozess: Die Erfahrung, dass es so nicht weitergeht, führt zu Verleugnung, zu Zorn, zu Feilschen und Verhandeln, zu Niedergeschlagenheit und schliesslich zur Annahme des Unabänderlichen. Am Ende steht die Zuversicht, mit einer als begrenzt akzeptierten Energie innovative Wege aus der Krise zu finden.

Es geht nicht ohne drastische Massnahmen

In diesem Zusammenhang prüft die "Energieethik" des SEK die verschiedenen Energieszenarien des Bundesamtes für Energie und plädiert für die "2000-Watt-Gesellschaft". Nur diese verbinde eine ethisch verantwortbare Zielformulierung mit konsequenten Veränderungen in allen betroffenen gesellschaftlichen Bereichen.

PDF der SEK-Studie ‚Energieethik'

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund:
Energieethik. Unterwegs in ein neues Energiezeitalter.
Nachhaltige Perspektiven nach dem Ende des Erdöls,
Bern 2008

Datum: 15.05.2008

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