Energiewende in der Schweiz

Strom ohne Nebenwirkungen

Der Ölpreis hat einen Tiefstpunkt hinter sich, Tankerunfälle auf offenem Meer sind aktueller denn je und gleichzeitig sollten schnellstmöglich die Gift-Ausstosswerte global gesenkt werden. Wohin steuert das Schweizer Energie-Schiff? Sind ruhigere Gewässer in Sicht? Tabea Bossard-Jenni von der Firma Jenni Energietechnik AG zeigt wegweisende Perspektiven auf.

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Luftaufnahme von Häusern, die mit Solarenergie betrieben werden.
Es wurde zum Normalsten der Welt, dass man das Handy in der Steckdose auflädt und das Internet-Modem permanent läuft. Leider gibt es keine «Packungs-Beilage», auf der die negativen Nebenwirkungen des übermässigen Energieverbrauchs stehen. Sie sind heftiger denn je; Klimaveränderung mit dramatischen Auswirkungen, hohe Feinstaubwerte, Aussterben diverser Tier- und Pflanzenarten und vieles mehr. Da praktisch keine Energiegewinnung «100% sauber» ist, muss auch über Energie-Effizienz und bewussten Umgang beim Verbrauch gesprochen werden.

Erhalten der Schöpfung

Wo muss der Hebel angesetzt werden, wenn wir auch zukünftig in einer intakten und vielfältig schönen Schöpfung leben wollen? Und wie sehen die aktuellen Entwicklungen aus?

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Tabea Bossard arbeitet bei der Firma Jenni Energietechnik AG.

Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Solarpioniere der Jenni Energietechnik AG in Oberburg (BE) seit Jahren. Die Firma ist eine wesentliche Playerin im Bereich erneuerbarer Energie. Livenet im Gespräch mit Tabea Bossard-Jenni, Betriebsökonomin FH/Personal- und Marketingverantwortliche. 

Livenet: Weshalb ist die Energiewende nötig?
Tabea Bossard-Jenni: Die Erde bietet uns in vielerlei Hinsicht Lebensgrundlage, welche wir Menschen nutzen dürfen und sollen. Die Ausbeutung der Rohstoffe, insbesondere der konventionellen, nicht nachwachsenden Energieträger, hat das Ökosystem unseres Planeten aber aus dem Gleichgewicht gebracht (Luftverschmutzung, Fluten, Sturmwinde, Klimaveränderung, etc.). Zudem wird immer deutlicher erkennbar, dass die konventionellen Energien (Erdöl, Gas, Kohle) endlich sind. Aus Sicht des Umweltschützers begründen die erstgenannten Argumente die Notwendigkeit der Energiewende. Wer nicht mit Umweltargumenten überzeugt werden kann, sollte sich überlegen, wie er seine Wohnung heizen und sein Warmwasser erzeugen möchte, wenn Erdöl, Gas aber auch Strom knapp und damit zu Luxusgütern werden.

Wo stehen wir heute?
Aus technischer Sicht ist es bereits heute möglich, einen Grossteil der Energie erneuerbar zu erzeugen. Die thermische Energie (Heizung, Warmwasser), welche in Schweizer Haushalten rund 80% des Energiebedarfs ausmacht, ist dabei wesentlich einfacher zu ersetzen, als die elektrische Energie. Thermische Energie kann dezentral erzeugt werden und gespeichert respektive gelagert werden. Beispiele dafür sind unsere Achtfamilienhäuser, welche mit thermischen Kollektoren und einem Energiespeicher von 8 Megawattstunden Speicherkapazität zu 100% mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Da Strom die «wertvollere» Energie als Wärme ist, weil er universeller einsetzbar ist, besser transportierbar aber schlecht lagerbar, sollte er nur dort eingesetzt werden, wo keine anderen Energien genutzt werden können. Dies ist beispielsweise bei Beleuchtung, IT oder dem öffentlichen Verkehr der Fall.

Auf politischer Ebene wird die Energiewende unseres Erachtens zu sehr auf eine Stromwende reduziert. Die Erfolge, die in jüngerer Vergangenheit erzielt wurden, sind immer gutschweizerische Kompromisse, welche bewirken, dass mit der Umsetzung über einen sehr langen Zeithorizont gerechnet werden muss. Um einen möglichst schnellen Effekt zu erreichen, wäre Handeln aber sofort notwendig, wie beispielsweise beim Ausstieg aus der Kernenergie (jedes Fass radioaktiven Abfalls, das wegfällt, erspart Millionen von Jahre Pflege).

Was sind in Zukunft die grössten Hindernisse, wo sind Hoffnungszeichen?
Die Wärmewende begünstigend ist jeder Anstieg des Ölpreises, da übers Portemonnaie die meisten Hauseigentümer angesprochen werden. Hoffnungszeichen sind insbesondere Bauherren, die auch bei grösseren Überbauungen bewusst auf erneuerbare Wärme setzen. Ein Beispiel hierfür ist die Wohnbaugenossenschaft Bantiger, welche im 2016 vier Blocks à je 42 Wohnungen komplett saniert und mit thermischen Kollektoren für die Warmwassererzeugung ausgerüstet hat. Oder ein Bauherr in Zürich, der bei einem 1970 gebauten Mehrfamilienhaus nach der Sanierung 30'000 Liter Heizöl einspart und diese nun erneuerbar erzeugt. Ein weiteres Beispiel ist die FASA AG in DE-Chemnitz, welche serienweise verlassene Altbauten solarsaniert und diese neu belebt.

Ihr Statement aus christlicher Sicht?
Gerade als Christen haben wir den Auftrag zur Schöpfung Sorge zu tragen, sie zu bewirtschaften aber nicht auszubeuten und sie als Lebensgrundlage für die kommenden Generationen zu erhalten.

Weiterführende Infos zu «Solarwärme»

Zur Person

Alter: 29
Zivilstand: Familie: verheiratet, 1 Kind
Wohnort: Burgdorf
Beruf: Betriebsökonomin FH/Personal- und Marketingverantwortliche bei Jenni Energietechnik AG
Hobbys: Ehrenamtliche Deutsch-Lehrerin für Migranten, Politik

 

Zum Thema:
Vor dem Abstimmungskrimi: Das sagen die E-Parteien zum Energiegesetz
«Ausstoss weltweit senken»: Christliche Hilfswerke mit CO2-Reduktionsinitiative

Vorzeigeprojekt: «Armut hat viel mit ökologischer Verantwortung zu tun»

Datum: 22.01.2018
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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