Brennpunkt Integration

Auch Schweizer passen sich manchmal an

Können auch ferne Kulturen wie der Islam in die Schweizer Gesellschaft integriert werden? Der Pessimismus überwiegt oft, aber es gibt auch hoffnungsvolle Stimmen. Auch unter Christen.

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Interkulturelle Vielfalt als Chance für die Schweiz
Der Einwandererstrom aus islamischen Ländern weckt Ängste, die auch politisch bewirtschaftet werden. Die einen befürchten eine schleichende Islamisierung der Schweiz, die andern muslimische Subkulturen oder terroristischen Extremismus. Kann die Schweiz den Islam integrieren?

Einwanderer aus andern Kulturen haben die Neigung, ihre Kultur – und Religion – zu bewahren oder gar intensiver zu pflegen als zuhause. Leute gehen wieder in die Moschee, die es zuhause nicht mehr getan haben. Andere entdecken neu die wichtigsten Feste oder pflegen ihre Bräuche bewusster. Ist der Islam überhaupt in die Schweiz integrierbar?

Auch unsere Kultur verändert sich

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Walter Leimgruber
Walter Leimgruber, Kulturwissenschafter aus Basel und Präsident der Eidgenössischen Migrationskommission, gibt sich optimistisch. Er hat beobachtet, dass Migranten zunächst tatsächlich ihre Kultur bewahren wollen und dass das zu Konflikten führt. Dann aber würden sie mehr oder weniger bewusst allmählich davon abrücken. Viele spürten die Veränderung, wenn sie wieder in ihr Ursprungsland zurückkommen und merken, dass ihnen vieles fremd geworden ist. In der zweiten Generation würden dann viele einfach Schweizer. Es komme aber auch zu kulturellen Mischformen, von denen sich auch andere Gruppen beeinflussen lassen. So sei zum Beispiel die «Italienità» auch für Schweizer zu einer attraktiven Lebensform geworden, betont Leimgruber gegenüber Livenet.

Identitäten sind flexibel

Leimgruber sieht Kultur nicht als einen Zustand, sondern als laufenden Prozess, der immer wieder neue Formen hervorbringe. Auch die «Schweizer» seien davon nicht ausgenommen. Niemand könne seine Identität abgeben und eine neue annehmen, doch die Identitäten veränderten sich, wie zum Beispiel der Umgang mit der Homosexualität in der Schweiz zeige. Integration könne nicht verordnet werden, es brauche aber eine Auseinandersetzung mit demokratischen Mitteln, in der auch die Werte definiert und Grenzen festgelegt werden, die nicht überschritten werden dürften. Wenn sie nicht Menschenrechte verletzen, dürfen und sollen sie auch durchgesetzt werden. Eine Position, die auch Leimgruber dezidiert vertritt.

Christen als interkulturelle Vermittler

Oft scheitert die Integration, weil Migranten per se als Gefahr betrachtet werden, mit der man sich nicht auseinandersetzen will. Christen sind diesbezüglich privilegiert, weil sie sich als Teil einer internationalen, multikulturellen Community verstehen (sollten). Sie haben eine DNA der Zuwendung zu Armen und sozial Schwächeren. Das beflügelt auch ihre Fantasie, wie zum Beispiel die Broschüre «Grüezi» belegt, die von Christen rund um das Netzwerk ChristNet publiziert wurde.

Entschiedenes Handeln ist angesagt

Die Schweiz habe die starke Migration, die seit dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt habe, «insgesamt doch sehr gut hingekriegt», meint der Kulturexperte Walter Leimgruber. Er ist sich dabei bewusst, dass sich die Politik und die Behörden mit der heutigen Situation schwer tun und verlangt entschiedenes Handeln im Interesse der Zukunft der Schweiz. Das sollten gerade diejenigen ernst nehmen, welche die Werte und das Wohl der Schweiz hochhalten wollen.

Zum Thema:
Begegnungen ermöglichen: Die Mehrheit der Migranten sind Christen 
Der Asylbewerber: Wenn Migranten die Schweizer segnen
Für Flüchtlinge engagiert

«Schweizer und Migranten sollen sich auf Augenhöhe begegnen»

Datum: 01.05.2017
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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