Aus Noahs und Mohammeds Zeit

Warum essen Muslime und Juden kein Schweinefleisch?

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Muslime und Juden haben von ihrer Religion her ein Schweinefleischverbot. Sie dürfen kein Schweinefleisch essen. Das sei im Koran bzw. in der Thora so festgelegt. Die Zeiten und Umstände sind je unterschiedlich festgelegt.

«Muslime essen kein Schweinefleisch, weil dies an fünf Stellen im Koran so festgehalten wird», sagt Önder Günes, Mediensprecher der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (Fids) auf Anfrage. Das Schweinefleischverbot sei zur Zeit des Propheten Mohammed erlassen worden und im Koran von 610 bis 624 nach Christus niedergeschrieben worden.

«Verwehrt hat Er euch … Blut und Schweinefleisch»

Konkret steht laut Günes in Sure 2 («Bakara») im Vers 173: «Verboten hat Er euch nur den Genuss von natürlich Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist.»

Laut Günes ist das Verbot aber auch ohne religiöse Gründe sinnvoll. «Wir wissen heute, dass Schweinefleisch ein höheres Gesundheitsrisiko darstellt als andere Fleischarten», sagt er. Das sei den Menschen früher zwar unbekannt gewesen, dennoch hätten sie sich an die Vorgaben des Koran gehalten.

Nach Einschätzung des Fids-Mediensprechers halten sich die «allermeisten Muslime» an diese Vorschrift. Das prüfe aber niemand, und jeder halte es so, wie es für ihn stimme, fügt er hinzu. Das Verbot ist nach Günes’ Ansicht relativ einfach einzuhalten, weil es beim Fleisch Alternativen gebe. Erlaubte Speisen im Islam werden als «halal» bezeichnet.

Verstecktes Schweinefleisch

Da es aber auch Lebensmittelzusätze aus Schweinefleisch gibt, prüfen Muslime die Inhaltsstoffe auf den Verpackungen. Zudem dürfe man sich in Restaurants nicht genieren, nachzufragen, ob das bestellte Essen tatsächlich ohne Schweinefleisch sei. In der Schweizer Küche werde teilweise Speck und Schinken hinzugefügt ohne entsprechenden Hinweis auf der Menükarte.

Die Tatsache, dass die Mehrheitsgesellschaft in der Schweiz Schweinefleisch isst, störe die Muslime nicht, sagt Günes. «Wir können uns gut damit arrangieren und werfen niemandem etwas vor.»

Teil jüdischer Essensgesetze

«Bei uns geht es nicht nur ums Verbot von Schweinefleisch», sagt Ruth Gellis, Projektverantwortliche für Interreligiösen Dialog bei der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). Das Judentum kenne Essensgesetze, die vorschreiben, was wie gegessen werden müsse.

Der Fleischverzehr wurde gemäss Gellis von Gott nach der grossen Flut und der Rettung in der Arche Noah geregelt. Denn die Menschen wollten nun Fleisch verzehren – im Gegensatz zu früher, als alle Vegetarier gewesen seien.

Gott habe also den Menschen die Auflage gemacht, sie dürften alle Tiere essen, die gespaltene Hufen hätten und Wiederkäuer seien, so Gellis. Die anderen hingegen nicht. Das Schwein ist zwar ein Paarhufer, aber kein Wiederkäuer, darf also von Juden nicht gegessen werden. Die entsprechende Vorschrift steht in der Thora, im dritten Buch Mose, Kapitel 11.

Orthodoxe Juden halten sich daran

Wie viele Juden sich an das Gebot halten, kann Gellis nicht schätzen. «Die ultraorthodoxen und die moderat orthodoxen Juden halten sich daran», sagt sie. Wer sich genau an die Essensvorschriften halte, könne nur in koscheren Restaurants essen.

Die säkular eingestellten Juden kümmern sich laut Gellis nicht um diese Vorgaben. Es gebe aber viele Varianten im Umgang mit den Essensvorschriften. Da gebe es Juden, die zwar nicht koscher essen, weiss Gellis. «Doch Schweinefleisch verzehren sie nicht, weil das Schwein sich im Dreck suhlt.» Andere Juden essen laut Gellis zuhause koscher, auswärts aber nicht.

Schächtverbot ist für Juden grösseres Problem

Nicht mit dem Schweinefleischverbot haben die Juden Probleme, sondern mit dem Schächtverbot, erklärt die ICZ-Mitarbeiterin. «Weil das Schächten in der Schweiz seit Ende 19. Jahrhundert verboten ist, müssen wir unser Fleisch importieren», sagt Gellis. Das sei mit Aufwand verbunden, weil man nicht nur sichergehen müsse, dass das Schlachten richtig erfolgt, sondern auch die Tiere zuvor gut gehalten worden seien.

Der SIG habe immer wieder Vorstösse gemacht, damit das Schächtverbot aufgehoben werde, bisher erfolglos, bedauert Gellis. Doch einen Vorteil sieht sie an der Situation: «Wegen dieser schwierigen Umstände essen wir weniger Fleisch.»

Zum Thema:
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Datum: 27.07.2017
Autor: Regula Pfeifer
Quelle: kath.ch

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