Türkei

Orthodoxe feiern in verfallenem Kloster

Erstmals seit 88 Jahren hat die griechisch-orthodoxe Kirche in der Türkei am Sonntag einen Gottesdienst im historischen Sümela-Kloster im Osten des Landes zelebriert. Rund 1‘500 orthodoxe Christen wohnten türkischen Medienberichten zufolge der Feier bei. Der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., leitete sie höchstpersönlich.

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Die Klosteranlage südlich der Schwarzmeerstadt Trabzon war bis ins 20. Jahrhundert Aufbewahrungsort einer Marien-Ikone, die der Legende zufolge vom Evangelisten Lukas gemalt wurde. Nach dem Wegzug der Griechen beim türkisch-griechischen Bevölkerungsaustausch in den 1920er Jahren verfiel das Kloster und wurde später zum Museum erklärt.

Sondergenehmigung

Die Messe zu Maria Himmelfahrt hatte die türkische Regierung mit einer Sondergenehmigung gestattet, nachdem sich die orthodoxen Christen zuvor jahrelang um eine solche Erlaubnis bemüht hatten. Trotz Protesten von Nationalisten in den Tagen zuvor verlief der Gottesdienst friedlich. Rund 500 Menschen fanden in der Sümela-Kirche selbst Platz, etwa 1.000 weitere verfolgten die Zeremonie auf grossen Bildschirmen, die an Felsen unterhalb der Kirche aufgestellt waren.

«Ausschliesslich religiöse Bedeutung»

«Wir sind gekommen, um die Geschichte und euch zu umarmen», sagte Patriarch Bartholomäus, der Gott und den türkischen Behörden für die Genehmigung zu dem Gottesdienst dankte. Es gehe den Christen ausschliesslich um die religiöse Bedeutung des Tages und der Kirche, betonte der Patriarch. Anderslautende Interpretation seien fehl am Platze.

Das Kirchenoberhaupt spielte damit auf Verschwörungstheorien an, die von rechtsgerichteten Politikern der nahegelegenen Stadt Trabzon lanciert worden waren. Sie hatten den Christen vorgeworfen, mit dem Gottesdienst am 15. August eine Wiederkehr des Byzantinischen Reiches beschwören zu wollen. Am gleichen Datum endete im Jahr 1461 mit der endgültigen Einnahme durch die Osmanen die byzantinische Periode von Trabzon.

Datum: 17.08.2010
Quelle: Kipa

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