Getestete Embryonen

Knabe gefällig – oder Mädchen?

Die schöne neue Welt der Gentechnologen zeigt sich in US-Kliniken, die künstlich befruchtete Embryonen testen, um das gewünschte Geschlecht zu erhalten.

Ein Anruf bei Dr. Jeffrey Steinberg genügt und eine Behandlung wird eingeleitet, bei der Eltern das Geschlecht ihres Babys wählen können – wenn sie gegen 25‘000 Franken drangeben. Meistens klappt es, sagt der Fortpflanzungsmediziner mit Kliniken in New York und Los Angeles.

«Ich spiele nicht Gott»

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Steinberg hat Kundschaft aus Übersee, aus bisher 147 Ländern. Er profitiert davon, dass andere Länder, auch die Schweiz, die Geschlechterwahl durch Präimplantationsdiagnostik (PID) verboten haben. Der Bundesrat will die PID in besonderen Fällen erlauben. Die Rutschbahn, auf die die Schweiz damit geriete, lässt sich anhand des Business von Jeffrey Steinberg skizzieren. Der Arzt behauptet, dass er nicht Gott spielt. Er studiere Gottes Arbeit und lerne von seinen Kreationen.

Laut der schottischen Zeitung «Daily Record» verschulden sich Paare, um den gewünschten Nachwuchs zu zeugen. Zwei von drei Kunden kommen von ausserhalb der USA. Asiaten wollten in der Regel Knaben, Kanadier eher Mädchen, erzählte Steinberg der Zeitung. Wenn der Mann anrufe, wolle das Paar in der Regel einen Knaben, wenn die Frau den Kontakt herstelle, bestehe der Wunsch nach einem Mädchen.

Wahl mit Folgen

Fünf Tage nach der Befruchtung – vorausgegangen ist eine Hormonbehandlung zur Eiproduktion – werden die Embryonen (laut Steinberg sind durchschnittlich acht von zwölf ohne erkennbaren Mangel) getestet und das Ergebnis den Eltern vorgelegt. In 94 Prozent der Fälle gebe es wenigstens einen «gesunden» Embryo mit dem gewünschten Geschlecht, prahlt Steinberg. Drei von vier Kundinnen würden mit dem eingepflanzten Embryo schwanger.

Letztes Jahr provozierte Steinberg mit der Ansage, künftig könne auch die Augen- und Haarfarbe gewählt werden. Die Pläne wurden vorerst auf Eis gelegt, nachdem auch der Vatikan protestiert hatte. Weiter prahlt Steinberg mit dem «weltweit einzigen vollintegrierten» Programm für schwule Paare mit Kinderwunsch.

Zum Thema:
Kommentar: Keine schöne neue Welt

Datum: 17.08.2010
Quelle: Livenet / Daily Record

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