Burma - Augenzeugen-Berichte von Einheimischen

Die Palme als Lebensretter
Phyu lay lebt im Irrawaddy-Delta, in einem Fischerdorf, nahe einer Flussmündung. Er ist erst rund 30 und trägt als Gemeindeleiter schon viel Verantwortung.
Kaum war unser Rettungsteam angekommen, traf auch er ein. Phu lay erzählte uns, dass von den 1'000 Einwohnern vermutlich nur 200 überlebt hätten: 400 Tote hätten sie gefunden und weitere 400 seien vermisst. Die 200 Überlebenden waren an drei verschiedenen Orten verstreut und er bat uns um Hilfe, sie in Sicherheit zu bringen.
Phyu lay erzählte auch, wie er dem Zyklone und der Flutwelle entkommen war: Während eines Lobpreistreffens im Haus eines Gemeindemitglieds kam plötzlich starker Wind auf und das Meer begann, schnell zu steigen.
Innert Minuten war das Wasser ins Haus eingedrungen. Alle mussten es schwimmend verlassen und sich an etwas festhalten, um nicht ins Meer gespült zu werden.
Er selbst hielt sich an einem Kokosnussbaum und band sich mit seinem "longyi" - ein burmesisches Hemd - fest. Ganze zwei Tage dauerte es, bis das Wasser wieder abgeflossen war. Kokosmilch gab ihm in dieser Zeit Flüssigkeit und Nährstoffe. Auf diese Weise überlebten auch seine Frau und der dreijährige Sohn, der am Rücken seiner Mutter festgebunden war.

Alles verloren, aber überlebt
Jason, ein 83-jähriger Mann, hörte am Radio, dass in den nächsten 24 Stunden ein Zyklon die Region, wo sein Dorf ist, erreichen würde. Angsterfüllt rannte er zu seinen Nachbarn, um sie zu warnen. Er erzählte, dass ein heftiger Sturm im Anzug sei und forderte sie auf, mit an einen sicheren Ort zu kommen.
Aber niemand wollte ihm glauben: Noch nie in den letzten 50 Jahren hatten sie in dieser Gegend einen Sturm dieser Stärke erlebt und hörten deshalb nicht auf seine Warnungen.
Der alte Mann jedoch brachte seine zwei Grosskinder zu einem höher gelegenen Ort ausserhalb des Dorfes und richtete sich mit ihnen dort für die Nacht ein.
Während dieser Nacht schlug der Zyklon mit voller Wucht zu und zerstörte das ganze Dorf. Von den 1'800 Einwohnern überlebten nur gerade 400, diese erlitten teilweise schwere Verletzungen und waren traumatisiert.
Der Mann und seine zwei Grosskinder hingegen waren verschont geblieben.