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Rückbesinnung nötig: Christen und die Zinsen

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Zinsen sind ein auffällig häufiges Thema in der Bibel. An keiner Stelle der Bibel wird dabei neutral über Zinsen gesprochen; immer fällt ein kritisches Licht auf sie. Und das hat nichts speziell mit Wucher zu tun, sondern betrifft Zinsforderungen jeder Art.

Der Grossteil des Geldes, das heute existiert, ist verzinst angelegt. Das bedeutet, dass die Geldvermögen jedes Jahr um den jeweiligen Zinssatz wachsen. Dabei werden die gewonnenen Zinsen wieder angelegt und im nächsten Jahr wieder verzinst. Das Fatale bei einer solchen Zinseszinsentwicklung ist, dass der Zuwachs immer schneller vor sich geht, letztlich explodiert...

Keine einzige Geldanlage auf Zinsbasis kann je langfristig funktionieren. «Ein Franken im Jahre 1000 n. Chr. zu 5 Prozent Zins angelegt würde heute das gesamte Bruttosozialprodukt der Welt um das Viermillionenfache übertreffen!»

Ein prinzipielles Zinsverbot gibt es in der Bibel zwar nicht, aber Jesus sagt: «Vielmehr liebet eure Feinde und tut Gutes und leihet, ohne etwas zurückzuerwarten…» Damit wird das Verbot des Zinsnehmens als selbstverständlich vorausgesetzt und darüber hinaus gefordert, gegebenenfalls auch auf die Rückgabe des Geliehenen zu verzichten.

Islam hält Christen Spiegel vor

Islamische Banken haben die Turbulenzen des Finanzsystems weitgehend glimpflich überstanden. Grund dafür ist ihr nach Regeln des Korans funktionierendes Geschäftsmodell, das sich von jenem westlicher Banken klar unterscheidet. So ist den Banken etwa das Handeln mit Schuldpapieren streng verboten und sie nehmen von Investitionen in Termingeschäfte oder andere spekulationsgetriebene Märkte Abstand. Daher wurde auch von einer Beteiligung an US-amerikanischen Schrottimmobilien abgesehen.

Die Bankengeschäfte werden von einem Komitee überwacht und auf Konformität zur überlieferten Auslegung des Korans überprüft. Neben einem Zinsverbot geht damit die Verpflichtung einher, bei Investitionen in der Realwirtschaft - nicht in abstrakten Finanzinstrumenten - Risiken zu übernehmen.

Die Grundregeln der Anlageform: Zinsen sind verboten, erlaubt sind hingegen Gewinne aus Handel, Vermietungen oder Beteiligungen, bei denen der Geldgeber das Unternehmensrisiko mitträgt. Jedes Geschäft muss einen realen Gegenwert besitzen, Alkohol- und Tabakindustrie sowie Glücksspiel sind tabu. Beim Islamic Banking verwenden die Banken das Vermögen der Kunden, um Finanzierungen vorzunehmen. An deren Gewinn oder Verlust sind die Kreditinstitute beteiligt.

Christen müssten sich besinnen

Bis zum Mittelalter stemmte sich die Kirche gegen Zinsen. Der Reformator Martin Luther sagte es sehr drastisch: «Darum ist ein Wucherer und Geizhals wahrlich kein rechter Mensch; er sündigt auch nicht eigentlich menschlich! Er muss ein Werwolf sein, schlimmer noch als alle Tyrannen, Mörder und Räuber. Er sitzt nämlich nicht als ein Feind, sondern als ein Freund und Mitbürger im Schutz und Frieden der Gemeinde und raubt...»

Luther ging davon aus, dass Wucher (unabhängig von seiner Höhe) stets vorliegt, wo man Geld leiht und dafür mehr fordert oder nimmt, und dass Wucher Teuerung zur Folge hat und in kurzer Zeit das ganze Land auffrisst. Wir erleben es. Der Euro hat ein Zinsproblem.

Buch zum Thema:
Mäuse, Motten & Mercedes. Biblische Prinzipien für den Umgang mit Geld

Datum: 03.02.2012
Autor: Bruno Graber
Quelle: Livenet

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