Kommentar

Religion und Kultur hindern Integration

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«Multikulti-Romantik»: Die Sehitlik-Moschee in Berlin. (Foto: Wikipedia/Lienhard Schulz)

Das Ächzen des überforderten Sozialstaats hat die deutsche Öffentlichkeit beschäftigt und andere Problemkreise in den Hintergrund gedrängt – bis Thilo Sarrazin kam. Wegen unsinniger und explosiver Bemerkungen, die er gemacht hat, wird er nun von der Classe politique exkommuniziert.

Seine Thesen treffen in der Bevölkerung einen Nerv. Am Umgang mit ihnen (die Brisanz veranlasste Angela Merkel zu einem Interview mit dem türkischen Massenblatt Hürriyet) lässt sich der Realitätssinn der Politikerkaste ablesen. In der Gesprächssendung von Anne Will etikettierte der Philosoph Norbert Bolz die Politiker mit dem Begriff, mit dem sie die abgeschottete Lebensweise mancher Muslime in den deutschen Grossstädten fassen: Parallelgesellschaft.

Die junge Berliner Muslima im Minijupe, von der Talkmasterin für ein Statement in die Sendung eingeladen, mochte ihre intakte Beziehung zu Mutter und Vater betonen – den Kulturbruch zwischen Einwanderern aus dem Orient und ihrem Teil der jungen Generation, der sich westlich-freizügig gibt, machte sie einmal mehr offensichtlich. Der Vater hat sich geweigert ihr Buch zu lesen. Wenn sie sagte, dass man «nicht einfach alles auf den Islam schieben könne», lag sie mindestens halb daneben.

Denn die Lehre Mohammeds hat dort, wo sie durchgesetzt wurde, die Kultur geprägt. Der Kampf des Herrschergeschlechts der Osmanen gegen die christlichen Byzantiner im 14. und 15. Jahrhundert bildete den Identitätskern des türkischen Volks; es gewann durch die Kriege Macht und Reichtum. Wenn der nun amtierende türkische Premier Erdogan die EU als «Christenclub» tituliert und die Türken Deutschlands auffordert, sich die Landessprache anzueignen, um hier Bürgermeister zu werden, wird eine Linie spürbar, die sich mit Integration nicht verträgt. Es ist die Grundüberzeugung nicht nur des neuen politischen, sondern des traditionellen Islam, dass die Religion Mohammeds den sinnvollen, dauerhaften Ordnungsrahmen für alle Lebensbereiche abgibt.

Die grundsätzlich zu respektierenden kulturellen Eigenheiten, welche Türken (und Kurden, Maghrebiner, Saudi und Pakistani) nach Westeuropa mitbringen, sind vom Islam über die Jahrhunderte geprägt und dabei verfestigt worden. Imame und islamische Gelehrte haben im islamischen Raum jede andere Religion nach Kräften daran gehindert, Alternativen zu formulieren. Allerdings brachen die europäischen Kolonialmächte ab 1800 in den Orient ein. Seit dem Scheitern Nassers und dem Triumph Khomeinys hat der politische Islam eine neue Virulenz entwickelt, mit wenig Respekt für kulturelle Eigenständigkeit.

Damit sollte sich in ganz Westeuropa auch die politische Linke, die bisher in ihrer blauäugigen Multikulti-Romantik auf «Erfolge» der Integration verwies, unvoreingenommen befassen.
 


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