Minichurch statt Megachurch

7 Vorteile von kleinen Gemeinden

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Echte Megagemeinden sind ein amerikanisches Phänomen. Aber auch in Westeuropa wird Vollmacht oder Segen oft an der Mitgliederzahl gemessen. Ohne grosse Gemeinden schlechtmachen zu wollen, gibt es aber viele Gründe, die für kleine Gemeinden sprechen.

Grosse Kirchen und Gemeinden sind prima. Aber sie sind nicht das Mass aller Dinge. Und erst recht nicht der einzige Weg, dass sich Gottes Reich ausbreitet. Dies stellt der US-Pastor Karl Vaters in seinem Buch «The Grasshopper Myth» (Der Heuschreckenmythos) und Artikeln wie zum Beispiel bei «Christianity Today» heraus. Nachdenklich fragt er: «Wie vielen gescheiterten Gemeinden würde es wohl noch gut gehen, wenn wir sie nicht dazu gedrängt hätten, Zahlen zu erreichen, die sie auch nach Jahrzehnten nur verfehlen konnten?» Tatsächlich spricht vieles für kleinere Kirchen und Gemeinden – nach dem Motto: lieber 50-mal 100 Mitglieder als einmal 5'000.

1. Es gibt mehr erfolgreiche Gemeinden

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Karl Vaters

Wenn erst eine gewisse Grösse «Erfolg» bedeutet, dann sind viele Kirchen und Gemeinden in Westeuropa praktisch schon gescheitert. Doch wer zum Beispiel in ländlicher Umgebung jedes Jahr 30 Personen mehr in seiner Kirche erwartet, der betrügt sich wohl eher selbst. Auch in den USA, der Heimat der Megakirchen, gibt es nur wenige Gemeinden, die dauerhaft mehr als 100 Mitglieder haben. Wenn es aber das Ziel ist, viele kleinere und gesunde Gemeinden zu haben, dann ist dies viel leichter erreichbar. Und ein fauler Kompromiss ist es auch nicht. Was spricht schon gegen Menschen in vielen Gemeinden, die mit Jesus leben möchten?

2. Pastoren arbeiten in ihrer Berufung

Die meisten Pastoren wollen für ihre Gemeinde als Hirte da sein, sie wollen evangelisieren, predigen, mit Menschen arbeiten. Je grösser eine Gemeinde wird, desto grösser wird allerdings auch der Verwaltungsaufwand. Und plötzlich merkt manch ein Pastor, dass er fast nur noch in Gremien sitzt, Strategietreffen abhält und zum Manager geworden ist. In überschaubaren Gemeinden halten sich auch diese administrativen Aufgaben in Grenzen: Pastoren können leichter in ihrer eigentlichen Berufung arbeiten.

3. Der Druck auf Pastoren wird kleiner

Es ist eine echte Herausforderung für Pastoren, dass die eigene Gemeinde gesund ist. Noch grösser ist die Herausforderung, dass sie es auch langfristig bleibt. Wenn sie dazu noch jedes Jahr um einen bestimmten Faktor wachsen soll, dann steigt der Druck immens. Was spricht gegen Gemeinden, die nicht alle drei Jahre anbauen müssen?

4. Gemeindemitglieder haben direkteren Zugang zu ihrem Pastor und zueinander

Wenn eine Gemeinde grösser wird, dann kann sie leicht vieles anbieten: Musik, Theater, vielleicht sogar eine eigene Bibelschule. Aber in einer kleineren Gemeinde kennt man die Menschen, die neben einem im Gottesdienst sitzen. Man weiss, was sie beschäftigt, und sie wissen, was man selbst gerade durchlebt. Und es ist ganz einfach, nach dem Gottesdienst kurz zum Pastor zu gehen und zu sagen: «Ich hab da mal eine Frage …». Diese persönliche Ebene ist eine grosse Stärke von überschaubaren Gemeinden.

5. Viele Gemeinden erreichen viele Menschentypen

Auch wenn Kirchen und Gemeinden sich nicht besonders spezialisieren: Meist erreichen sie nur eine bestimmte Klientel. Banker, Aussteiger, Singles, Jugendliche … Daran ändert sich auch in Megagemeinden nichts. Der Vorteil von vielen kleinen Gemeinden in einer Region liegt daher auf der Hand: Sie sprechen unterschiedliche Menschen an. Und die eine erreicht Personen, die die andere nie besuchen würden. Vielfalt lässt sich in kleineren Gemeinden leichter leben.

6. Versagen ist keine Katastrophe

Niemand wünscht es sich, aber es kommt vor, dass eine Gemeinde – aus welchen Gründen auch immer – ihre Tore schliessen muss. Wenn dies bei einer kleinen Gemeinde geschieht, ist das schon schlimm genug. Wenn es eine grosse Gemeinde trifft, ist es fast eine Katastrophe.

7. Es kann mehr Gemeinden in kirchenuntypischen Gegenden geben

Megagemeinden bieten nicht nur viele Möglichkeiten, sie benötigen auch ein besonderes Umfeld: städtisch sollte es sein, und die «fromme Grundprägung» sollte hoch sein. Sonst wächst eine Gemeinde einfach nicht genug. In strukturschwachen Regionen oder entkirchlichten Landstrichen funktionieren allerdings nur kleine Gruppen. Sie wecken auch nicht so viel Opposition und Misstrauen wie eine Grosskirche, sie wirken nicht bedrohlich und punkten stattdessen mit persönlicher Nähe.

Achtung: Das soll kein Plädoyer gegen grosse Gemeinden sein. Gut, dass es sie gibt! Aber sehr wohl ein Votum für Vielfalt. Vaters meint dazu: «Lassen wir uns nicht auf eine bestimmte Grösse von Gemeinden beschränken oder eine Methode des Gemeindewachstums …»

Zum Thema:
Die «Google»-Gemeinde: Wo Mitarbeiter im Silicon Valley Gott begegnen
Sichtweise eines 21-Jährigen: Warum so viele Jugendliche die Gemeinden verlassen
Dossier: Innovative Gemeinden

Datum: 01.08.2017
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / Christianity Today

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