Kirche bei den Menschen

Seelsorge zu lauter Musik an Openair-Festivals

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Die warme Jahreszeit hat begonnen, und sofort spriessen die ersten Openair-Musikfestivals wie Pilze aus dem Event-Boden. Wenn sich Zelt an Zelt reiht und die Musik mit schlechten Erfahrungen gepaart ist, kann es durchaus zu heftigen psychischen Krisen kommen. Samuel Hug, seines Zeichens «Metal-Pfarrer», schnupperte am weltweit grössten Heavy-Metal-Festival im Seelsorge-Bereich und will ihn nun in der Schweiz anbieten.

Am Anfang stand die Frage, wie man als Kirche dort sein kann, wo die Menschen sind – raus zu Leuten? «Dann, über einen Fernseh-Bericht, erfuhr ich von der Festival-Seelsorge in Deutschland», berichtet Samuel Hug. «Die Veranstalter des Wacken-Openairs gingen mit dem Anliegen auf die Kirche zu, ob sie helfen könnten, wo sie selber an Grenzen stossen. Denn ihre Sanitäter und Helfer waren immer wieder mit psychischen Spezialfällen konfrontiert. Daraus entstand 2010 der offizielle Seelsorge-Dienst, wobei das Festival bereits 27 Jahre alt ist.»

Auch hartgesottene Musikfans brauchen Hilfe

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Samuel Hug
So ging Samuel Hug letztes Jahr nach Deutschland, um zu lernen, wie diese Seelsorge genau abläuft. Ihn bewegte die Frage, ob dies auch etwas für die Schweizer Festivalszene sein könnte. «Meine Eindrücke zeigen: Es ist klar ein Bedürfnis, da auch im Festival-Alltag grössere Lebens-Themen aufbrechen; von Beziehungs-Stress bis hin zu Diebstahl. Am Wacken ist die Festival-Seelsorge klar eine Beratungs-Stelle. Es entstehen rund 200 Kontakte während der ganzen Zeit.»

Beim «Summer-Breeze», dem zweitgrössten Metal-Festival Deutschlands jedoch, sind es nach Hugs Recherchen ungefähr doppelt so viele Besuche; dies habe damit zu tun, dass die Kirche dort ein niederschwelliges Begegnungs-Zelt führt.

Kirche dient ausserhalb 0815

In diese Richtung zielt denn auch die Vision des «Metal-Pfarrers», nämlich, dass es in der Schweiz eine Kombination beider Angebote gibt, sowohl Beratung und Betreuung, als auch offener Treffpunkt für alle.

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Seelsorge-Zelt an einem Openair.
Was ihn motiviert, dasselbe in der Schweiz umzusetzen? Die praktische Hilfe und und dass die Liebe Gottes konkret wird. So meint Samuel Hug: «Ich diene und begegne gerne Menschen, welche nicht 0815 sind. Kirche ist nicht Gebäude, deshalb soll die Kirche zu den Menschen gehen. Dazu braucht es jedoch gute Mitarbeiter, die adäquat auf die Leute zugehen können plus qualifiziertes Personal, das gute Beratung vor Ort leistet und je nachdem auch an andere Fachstellen weiterleitet».

Schweizer Festival-Szene

Zwei grosse Festivals wurden bereits kontaktiert, wovon das eine interessiert wäre, den Dienst im folgenden Jahr zu beanspruchen. Ein anderes hat nach anfänglichem Interesse gerade in diesen Tagen mitgeteilt, dass sie bereits genügend geschultes Personal auf Platz hätten. «Nichtsdestotrotz: Das Angebot ist nötig. Wir sind in Zukunft auch bereit, interessierte Seelsorgende dabei zu unterstützen, das Angebot zu multiplizieren», so Samuel Hug.

So fährt das Kernteam der Festival-Seelsorge (reformierter Pfarrer Fabio Buchschacher von Lotzwil, römisch-katholischer Religions-Pädagoge und Jugendbeauftragter Graubünden, Claude Bachmann und Samuel Hug, auch reformierter Pfarrer) fort, damit die Festival-Seelsorge auch in der Schweizer Festivalszene zu einem festen Bestandteil werden könnte.

Wenn dann bei einem Beratungs-Gespräch Leichtigkeit in die Seele kommt, steht der Besucher nicht nur auf dem Festivalgelände, sondern wird vom Himmel berührt.

 

Zum Thema:
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Datum: 23.06.2017
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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