Hoher Besuch

Was den Patriarchen in die Schweiz zieht

Der Patriarch aller Griechisch-Orthodoxen, Bartholomaios I. Archontonis, besucht vom 21. bis 24. April die Schweiz. Er hat einen besonderen Bezug zum Land und zu den Christen der Reformation.

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Patriarch Bartholomaios I. Archontonis
Noch vor seinem Solidaritätsbesuch bei den verfolgten koptischen Christen in Ägypten am Monatsende und der Teilnahme am 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg und Tübingen besucht Bartholomaios I. die Schweiz.

Die Christen im Westen kennen

Als er 1961 an der Theologischen Fakultät auf der Insel Chalki bei Istanbul sein Studium abschloss, sagte er seinem damaligen Studienkollegen, Heinz Gstrein: «Jetzt möchte ich die Christen im Westen kennen lernen. Die Katholiken sind uns ja ähnlich, aber ich freue mich auf das Erlebnis Reformation: Ich will von ihr lernen und ihr alles Wertvolle aus der Orthodoxie nahe bringen!» Diesen Vorsatz hat Bartholomaios auch verwirklicht: als Student in Rom, Strassburg, Bonn und München, als Priester und Bischof in Istanbul und besonders seit seiner Wahl zum Patriarchen 1991.

Häufiger Schweiz-Besucher

Der gesamtorthodoxe Kirchenführer aus dem früheren Konstantinopel ist nicht das erste Mal in der Schweiz. Seit seiner offiziellen Einladung durch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (AGCK) 1995 war Bartholomaios schon gut ein Dutzend Mal für Einzelanlässe gekommen: Bei der Grundsteinlegung und dann Einweihung der orthodoxen Kirche in Münchenstein bei Basel, zum 25-jährigen Bestehen der griechischen Kirchgemeinde St. Gallen und Ostschweiz oder zuletzt im Januar 2016 für ein Treffen mit anderen Patriarchen und Kirchenoberhäuptern vor der gesamtorthodoxen Kirchenversammlung von Kreta. All das zeigt eine besondere Wertschätzung der Schweiz im Vergleich mit anderen, viel grösseren Diaspora-Sprengeln des Ökumenischen Patriarchats wie Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien.

Schweizer Christen finanzierten Projekt in Istanbul

Diesmal sind die Schwerpunkte seines Besuchs der Weltkirchenrat in Genf und das «Orthodoxe Zentrum» im nahe gelegenen Chambésy. Dieses feiert sein 50-jähriges Bestehen. Schon 1964 hatte Patriarch Athenagoras I. nach christenfeindlichen Massnahmen und Ausschreitungen in der Türkei als Zufluchtsort im Fall seiner Vertreibung aus Istanbul ein Haus mit grossem Garten am Genfer See erworben. Die türkischen Verhältnisse beruhigten sich, und der Patriarch beschloss, dort eine Kontakt- und Studienstätte einzurichten. Mit finanzieller Hilfe von Schweizer Christen aller Konfessionen, aber auch der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der deutschen Katholischen Bischofskonferenz wurden eine Kirche, Tagungssäle, eine Bibliothek und weitläufige Wohnräume 1967 fertiggestellt.

Evangelische Theologie für orthodoxe Priester

In Chambésy finden seitdem regelmässig Begegnungen der Orthodoxen miteinander und den anderen Christen statt. Unter Bartholomaios kam dazu in den 1990er-Jahren eine theologische Lehranstalt, die in ihr Studienprogramm evangelische Theologie an der Universität Genf einbezog. Das ist der bisher erste Fall planmässiger Unterweisung junger orthodoxer Theologinnen und Theologen im Geist der Reformation. Damit hat sich der Ökumenische Patriarch selbst einen Jugendtraum erfüllt!

Zum Thema:
Klare Worte: Orthodoxie verurteilt Gender-Ideologie 
Sie schreiben Geschichte: Erstes Mal seit 1'000 Jahren: Papst trifft russisch-orthodoxen Patriarchen 
Durchbruch in Osteuropa: Orthodoxe und Evangelische reden bei Evangelisation zusammen

Datum: 20.04.2017
Autor: Heinz Gstrein / Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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