«Gebet für die Welt»

Am Puls des weltweiten Christentums

Den Preis für das informativste christliche Buch hätte «Operation World» wohl auf sicher. Das tausendseitige Werk verbindet Infos über alle Länder der Welt mit Gebetstipps für jeden Tag. Livenet hat den Autor Jason Mandryk getroffen.

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Arbeit suchend – und offen für neue Perspektiven: Die Kraft des Evangeliums zeigt sich auch in Nordindien.
Ausserhalb des westlichen Kulturraums wächst das Christentum stark und fächert sich weiter auf. «Die Zahl missionarisch aktiver Christen nimmt zu», sagt Mandryk. Was vor einer Generation undenkbar war, ist eingetreten: In der Liste der Länder, in denen Christen als Missionare in andere Kulturen gehen, steht die Volksrepublik China mit 100‘000 zuoberst, vor den USA und Indien mit 93‘000 bzw. 83‘000 Missionaren. Dahinter folgen die Philippinen – wenn die schätzungsweise 50‘000 evangelistisch aktiven Filipinos im Ausland mitgezählt werden –, Südkorea und Nigeria. Deutschland und die Schweiz schaffen es in die Top 20 mit 3000 bzw. 1700 Frauen und Männern.

Gewichte verschieben sich nach Süden und Osten

Das Gebetshandbuch, das diese Zahlen enthält, ist in der siebten, 2010 abgeschlossenen Version dreimal so dick, wie eine frühere Auflage in den 1980er Jahren. Jason Mandryk, der die Herausgabe des Werks vom Pionier Patrick Johnstone übernommen hat, nennt zwei Hauptgründe: «Die christliche Gemeinde wächst in vielen Ländern, reift und packt vielfältige Arbeiten an.» Zweitens wird, was geschieht, im Informationszeitalter zunehmend mitgeteilt. Der gebürtige Kanadier Mandryk hofft, dass nach früheren Übersetzungen (deutsch: «Gebet für die Welt») auch diese Auflage in mehrere wichtige Sprachen übersetzt wird.

Unerwünschte Zahlen

Das Buch ist eine Fundgrube für jeden, der mehr über die geistliche Entwicklung fremder Länder wissen will. In einigen Gebieten sind verlässliche Zahlen jedoch schwierig zu erheben, etwa wenn das Zählen in einer Kultur unwichtig ist oder wenn verfolgte Gemeinschaften ihre Mitgliederzahlen nicht nennen wollen. In Indien war unter der bis 2004 amtierenden Hindu-Regierung ein höherer Anteil der Christen an der Bevölkerung nicht erwünscht; dies hatte Einfluss auf die Volkszählung 2001. Mandryk vermutet, dass auch der neuste Zensus noch nicht alle Christen ausweisen wird.

Rätseln über Nordkorea, staunen über Iran

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«Viele finden die Hoffnung in Jesus»: Jason Mandryk.
Bleiben Rätsel? Mandryk nennt Nordkorea, wo es keine Möglichkeit gebe, die Zahl der Gläubigen auch nur zu schätzen. Das Buch vermerkt, dass sich im Norden Koreas einst eine starke Erweckung ereignete, dass Hundertausende Christen durch Verfolgung umgekommen sind und vielleicht 100‘000 in Arbeitslagern leiden.

Überall wo Menschen nicht Christen werden dürfen, ist das Erheben von Zahlen schwierig. Doch, so Mandryk, «wir wissen, dass Gott im Iran ein erstaunliches Werk tut und die Kirche wächst». Im Iran haben Untergrund-Netzwerke Tradition. Exil-Iraner, die mit ihrem Land Kontakt halten, ermöglichen ein genaueres Bild. Der Beobachter wäre nicht überrascht, wenn die Zahl persischer Christen im Iran schon über 100‘000 läge. Die Wohlstands-Erwartungen im Ölexportland haben sich fürs Volk nicht erfüllt. Und die brutale Repression nach den Wahlen von 2009 hat zahllosen Jungen alle Hoffnung auf eine gedeihliche Entwicklung der Islamischen Republik geraubt. «Viele suchen daher anderswo nach Antworten – und Gott sei Dank finden viele ihre Hoffnung in Jesus.»

In Krisenzeiten mehr geistlicher Hunger

Sind enttäuschte Erwartungen eine Vorbedingung für einen geistlichen Aufbruch? Nicht überall, meint der Autor: «An manchen Orten herrscht Verzweiflung ohne Hoffnung. Aber es liegt in der Natur des Menschen, dass wir, wenn unsere Erwartungen enttäuscht werden und Schwierigkeiten sich auftürmen, auf die Suche nach geistlichen Antworten gehen.» Dass dabei mehr Menschen die christliche Botschaft annehmen, könnte auch in Europa geschehen, «wo der wirtschaftliche Einbruch, Vertrauensschwund und auch Verzweiflung Menschen dazu bringen, zu Gott umzukehren.»

Mit «Operation World» spürt jeder, der darin blättert und damit betet, den Atem des globalen Christentums. Und ahnt, was Mandryk antreibt: «Unsere verlorene und leidende Welt und ihre wachsende Bevölkerung brauchen mehr Missionare denn je.»

Webseite:
«Operation World» - zum Buch mit knappen Infos über alle Länder

Datum: 31.01.2012
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet

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