Bistum Chur
Dekan fordert Bischof zum Rücktritt auf
Vitus Schmid, der katholische Dekan des Zürcher Oberlands, wirft dem Churer Bischof Vitus Huonder Unfähigkeit und Naivität vor und fordert seinen Rücktritt. In einer von der Nachrichtenagentur Kipa angefragten Stellungnahme klagt Schmid, Huonder betreibe seit zwei Jahren Misswirtschaft, produziere Verletzungen und sorge für Streit und Unruhe. Sollte Martin Grichting zum Weihbischof ernannt werden, wäre das laut Schmid für das Bistum eine «Katastrophe».
Das Feigenblatt, das Bischof Huonder in Sachen Haltung gegenüber staatskirchenrechtlichen Institutionen vor seinen Generalvikar Martin Grichting zu halten versuche, sei zu klein. Wenn Huonder in seinem Brief vom 13. August von Zeiten der «Not und Bedrängnis» schreibe, sei dies bistumsintern seiner «unfähigen Leitungsarbeit» zu verdanken, urteilt Vitus Schmid. Durch den Brief Huonders sieht sich Schmid in seinen Befürchtungen bestätigt, Huonder wolle Grichting zum zweiten Weihbischof machen – in den Augen des Dekans eine «Katastrophe» für das Bistum.
«Ideologischer Poker»
Schon der erste Weihbischof, Marian Eleganti, sei für das Bistum eine «grosse Zumutung», schreibt Schmid. Die Ernennung Grichtings zum Generalvikar bezeichnet der Dekan als «Beleidigung für die Mehrheit des Bistums». In der laufenden Erneuerung werde das Domkapitel bereits «tendenziell auf diesen Kurs ausgerichtet».
Den Vorwurf, die staatskirchenrechtlichen Institutionen übten Druck auf den Bischof aus, lässt der Pfarrer von Wald ZH nicht gelten. Huonder winde und wehre sich vielmehr «gegen die bösen ’Störer’, die sein ideologisches Poker-Spiel der Ämterbesetzung aufgedeckt und anscheinend (trotz Sommerferien) gestört haben». Umgekehrt liege in Huonders Verhalten und seinem «Verharren auf unakzeptablen Bischofs-Kandidaten" ein weitaus "stärkerer Druck auf die Seelsorgenden und Laien unseres ganzen Bistums».
Das «beste Kirchensystem»
Das in der Schweiz geltende duale Kirchensystem ist für Vitus Schmid «das beste Kirchensystem, das ich kenne», ein Kirchensystem, «von dem die Weltkirche ein gutes Stück lernen könnte». Nicht nur Grichting, auch Huonder selber habe Mühe mit diesem System.
Im Bistum herrschten Unruhe und Streitigkeiten, weil «ein unfähiger Bischof auf zweifelhafte Weise auf diesen Bischofsstuhl gesetzt wurde, und weil die kirchliche Ämtermafia nun mit seiner Hilfe die erzkonservative Linie Haas-Huonder-Grichting zu verwirklichen sucht», beklagt Schmid. Dass «die getauften, gefirmten (also geistbeschenkten) Mitglieder behandelt werden wie Kirchenfeinde«, ist für den Zürcher Dekan nicht weiter tolerierbar. Er fordert daher in seinem Schreiben die Demission Huonders. Der Churer Bischof möge «fähigeren Kräften den Weg frei machen».
Streit um Grichting
In einem am Sonntag auf der Homepage des Bistums publizierten Schreiben hatte Bischof Huonder die seiner Ansicht nach systematischen Indiskretionen rund um Bischofsernennungen kritisiert. Hintergrund ist ein Communiqué vom 20. Juli, in dem die Biberbrugger-Konferenz ihre Sorge um die mögliche Ernennung von Generalvikar Martin Grichting zum zweiten Weihbischof für das Bistum geäussert hatte. Grichting wird von den staatskirchenrechtlichen Gremien als dezidierter Gegner des in der Schweiz geltenden dualen Kirchensystems und als «polarisierende Person» kritisiert. Auch die Dekane der Urschweiz und die Zürcher Dekane hatten gegen eine mögliche Ernennung Grichtings Stellung genommen.
Zum Thema:
Schreiben von Bischof Huonder vom 13. August 2010
Quelle: Kipa

