Evangelische Allianz in Österreich gegen anti-islamische Polemik

Die Österreichische Evangelische Allianz (ÖEA) hat die Äusserungen der Grazer Spitzenkandidatin der Freiheitlichen Partei Österreichs Susanne Winter scharf verurteilt.

"Gerade weil uns der Themenbereich Religionsfreiheit so wichtig ist und wir als Christen die Religionsfreiheit auch in muslimisch geprägten Ländern einfordern, kann es nicht angehen, eine andere Religionsgemeinschaft in solch einer schockierenden und sachlich falschen Weise zu diffamieren und zu provozieren", sagte der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Frank Hinkelmann, laut einer Pressemitteilung.

Mohammeds Kindfrau

Susanne Winter hatte am Sonntag bei einer Wahlveranstaltung in Unterpremstätten bei Graz den Religionsstifter Mohammed am Sonntag als "Kinderschänder" bezeichnet, da er, selbst über 50, ein sechsjähriges Mädchen geheiratet habe. (Gemäss der Überlieferung schlief er mit Aischa erstmals nach ihrer ersten Periode, als sie neunjährig war; Red.) Susanne Winter verstieg sich am Neujahrstreffen der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) zum Satz, der Islam gehöre "dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer". Weiter bezeichnete sie Mohammed als "Feldherrn", der den Koran in "epileptischen Anfällen" geschrieben habe.

FPÖ-Chef unbeirrt

Die Ausfälle der FPÖ-Spitzenkandidaten im Vorfeld der Grazer Gemeindewahlen provozierten rundum scharfe Proteste. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, diagnostizierte eine "zornige Stimmung" unter österreichischen Muslimen. Er habe zahllose aufgebrachte Anrufe erhalten. Der sozialdemokratische Landeshauptmann Voves entschuldigte sich insbesondere bei den in der Steiermark lebenden Muslimen. Der FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache, am Montagabend im österreichischen Fernsehen interviewt, verweigerte eine Distanzierung von Winters Aussagen. Er verwies auf Probleme, welche Muslime in Österreich verursachten, unter anderem arrangierte Ehen von Minderjährigen.

EA: Winter soll sich entschuldigen

Die Evangelische Allianz ruft Winter zu einer öffentlichen Entschuldigung auf und hofft, dass die "entsetzlichen Aussagen" nicht zu einer Spirale der Gewalt zwischen Christen und Muslimen führen. In der Jagd auf Wählerstimmen legte die Politikerin allerdings noch einen Zacken zu: Im Boulevardblatt "Österreich" wurde sie mit der Aussage zitiert, dass der Kindsmissbrauch durch muslimische Männer weit verbreitet sei. Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Tatbestand der Volksverhetzung nach Paragraph 283 des Strafgesetzbuches erfüllt ist.

Die Evangelische Allianz (EA) in Österreich besteht seit über 150 Jahren. Sie schreibt, der Einsatz gegen die Unterdrückung der Religionsfreiheit sei ihr "in die Wiege gelegt worden". Schon im 19. Jahrhundert habe man sich für verfolgte Christen anderer Konfessionen - und Andersgläubige wie etwa Baha'i - eingesetzt. 1870 besuchte eine hochrangige internationale Kommission den türkischen Sultan und erreichte Erleichterungen für einheimische Kirchen. Damit ist die EA laut eigenem Bekunden "eine der ältesten Menschenrechtsorganisationen".

Homepage der Österreichischen Evangelischen Allianz

Quelle: Livenet / Österreichische Evangelische Allianz

Datum: 16.01.2008
Autor: Peter Schmid

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