Österreich: Evangelische Stimmen zum Atombombenabwurf vor 60 Jahren

Vor 60 Jahren, am 6. August 1945, fiel die erste Atombombe auf Hiroshima. Binnen Sekunden verwandelt eine riesige Explosions- und Hitzewelle die japanische Hafenstadt in eine Hölle. Wenige Tage später feuern die Amerikaner eine weitere Atombombe auf Nagasaki ab. Bis zu 300'000 Menschen fanden den Tod. Die Erinnerung an die beiden einzigen Kernwaffeneinsätze hat sich ins Gedächtnis der Japaner eingebrannt.

Führende Vertreter der Evangelischen Kirchen in Österreich äusserten sich öffentlich zum Gedenken an den Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima am 6. August 1945. Wie der Evangelische Pressedienst in Österreich (epd-ö)berichtet, erklärte der Oberkirchenrat Professor Dr. Michael Bünker: "Vor sechzig Jahren fielen die beiden Bomben auf Hiroshima und Nagasaki. Seitdem ist die Welt nicht mehr, wie sie früher war. Günter Anders hat die epochale Wende so beschrieben: Die Vernichtung des Lebens auf der Erde, die bis dahin schlimmstenfalls vorstellbar war, wurde mit einem Schlag herstellbar. Christinnen und Christen können zu dieser massiven Bedrohung der Schöpfung Gottes, die in den letzten Jahren sogar wieder zugenommen hat, nicht schweigen."

Bünker, der auch als Referent für Ökumene zuständig ist, erinnert daran, dass sich der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) seit mehr als 50 Jahren für Frieden und Gerechtigkeit einsetze und dazu aufrufe, keine Kriege mehr zu führen. Insbesondere während der Zeit des Kalten Krieges habe der ÖRK wiederholt auf nukleare Abrüstung gedrängt.

Daraus sei, so der Oberkirchenrat, ersichtlich, "dass sich die weltweite Christenheit einig ist: Atomwaffen sind Sünde, ihr Einsatz ist ein Verbrechen gegen die Menschheit und ein Vergehen gegen Gott. Für die evangelische Kirche bedanke ich mich bei allen, die aus Anlass des Gedenkens an Hiroshima ihr Nein gegen Atomwaffen öffentlich sichtbar machen."

Der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche Helvetischen Bekenntnisses, Pfarrer Mag. Wolfram Chr. Neumann, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur epd-ö, es sei "immer noch erschreckend, dass der atomare Mord von Hiroshima ausser unermesslichem Leid, das bis heute für viele Betroffene Schmerz, Krankheit und Tod bedeutet, eigentlich nichts bewirkt hat". Die japanische Regierung habe sich durch den Bombenabwurf nicht in die Knie zwingen lassen wollen, obwohl die Niederlage schon unabwendbar war, und die amerikanische Administration habe nicht erkennen wollen, dass sie mit dem Einsatz ihrer neuen Waffe zu weit gegangen war. Neumann in seiner Stellungnahme wörtlich: "So steht das Ereignis von Hiroshima für den Wahnsinn schlechthin: seine unmittelbare Folge war der Abwurf auf Nagasaki."

"Erschreckend, ja Furcht einflössend", so der reformierte Theologe Neumann, sei auch die Tatsache, dass immer mehr Staaten sich Atomarsenale anlegen "und die atomare Karte ungeniert ausspielen". Es sei zu befürchten, dass die Verantwortungslosigkeit der politischen Kräfte dieser Länder ausser Kontrolle gerate und es tatsächlich zu einem neuerlichen Einsatz dieser schrecklichsten aller bisher bekannten Waffen komme.

Neumann resümiert: "Es ist beängstigend, wie wenig Gewicht in unserer Zeit die mahnenden Stimmen der Christen, aber auch der nichtschristlichen Friedensaktivisten haben. Hier müssen wir noch härter an uns selbst arbeiten als Christen und noch ernsthafter und enger mit allen Vernünftigen zusammenarbeiten."

An das Ökumenische Sozialwort der christlichen Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) erinnert der lutherische Wiener Superintendent Mag. Hansjörg Lein in einer Aussendung zum 6. August. Im Ökumenischen Sozialwort treten die Kirchen für Abrüstung und faire internationale Beziehungen, vor allem auf wirtschaftlicher Ebene, ein und fordern die Regierungen in Österreich, in der EU und weltweit dazu auf, die Ausgaben für Rüstungsprojekte drastisch zu reduzieren.

Lein im Blick auf das Gedenken zum Atombombenabwurf in Japan: "Ich wünsche der Friedensbewegung in Wien und mir den Mut, Widerstand zu leisten gegen alle Formen von Militarisierung und einzutreten für einen Frieden in Gerechtigkeit."

Link:
ERF-Audio-Beitrag zum Thema

Quelle: APD/erf

Datum: 06.08.2005

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