Zwischen Gemeindearbeit und Bomben

Mathilde Sabbagh, die erste Pastorin Syriens

«Wenn keine Männer da sind, um die Gemeinde zu leiten, werde ich es eben tun!» Entschlossen kehrte die junge Theologin Mathilde Sabbagh vor einigen Monaten in ihr syrisches Heimatdorf zurück, um dort die evangelische Kirche zu leiten. Trotz konstanter Angriffe und viel Not ist die Arbeit für sie ein Segen.

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Mathilde Sabbagh, die erste syrische Pastorin
Sie ist Syriens erste weibliche Pastorin. Und sie ist mit ihren 27 Jahren wohl auch die jüngste – und eine der mutigsten. Mathilde Sabbagh machte im vergangenen Frühjahr ihren Master in Theologie in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Nur drei Monate später wurde sie von der Nationalen Evangelischen Synode Syriens und des Libanons zurück in ihr Heimatdorf Al-Hassakeh in Nordsyrien geschickt. Zweieinhalb Jahre zuvor war der dortige Pastor mit seiner Familie nach Schweden geflohen – zweieinhalb Jahre, in denen die Mitgliederzahl von 400 auf 40 sank und die Ältesten die Sonntagsgottesdienste vorbereiteten.

Fischgräte im Hals des IS

Für Mathilde war es eine schöne Vorstellung, zurück in ihre Heimat zu dürfen – doch gleichzeitig auch erschreckend: Nicht nur, dass die Mehrheit des Dorfes in Schutt und Asche liegt, es kein fliessend Wasser gibt und die Preise astronomisch sind. Ihr Dorf ist vom IS umzingelt. Vor zwei Jahren wurde ihre Cousine von muslimischen Extremisten getötet, ihr Bruder, ebenfalls Pastor, wurde gekidnappt.

Trotzdem ging sie im vergangenen Juli zurück und ist heute Pastorin der Nationalen Evangelischen Kirche von Al-Hassakeh. «Ich habe keine Angst, weil ich weiss, dass ich eine Mission habe. […] Die Gefahr, mein Leben zu verlieren, ist sehr real. Doch hier wurde ich geboren, hier gehöre ich hin. Und jedem, der mich von hier vertreiben möchte, werde ich wie eine Fischgräte im Hals sein. Ich werde dafür sorgen, dass der IS mich nicht einfach so herunterschlucken kann.»

«Wenn jeder weggeht, gibt es keine Gemeinde mehr»

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Mathilde Sabbagh mit ihrem Mann
Mit ihren 27 Jahren könnte man meinen, dass die Leitung einer Gemeinde im Kriegsgebiet ein paar Schuhgrössen zu gross sei. Doch die Frau mit den knallroten Fingernägeln sieht das nicht so. Ihre Devise war: «Wenn gerade keine Männer da sind, um die Gemeinde zu leiten, werde ich es eben tun!» Grund für ihre Entschlossenheit ist vermutlich auch Nostalgie und die Trauer darüber, was der IS den Bewohnern ihres Dorfes und ihren Freunden aus der Gemeinde angetan hat, von denen die Mehrheit heute ins Ausland geflohen ist.

Doch gerade deshalb war es Mathilde wichtig, zurück nach Syrien zu gehen. «Ich glaube an das geheimnisvolle Wachstum des Reiches Gottes, allen Widrigkeiten zum Trotz. Ich gehe in meine Gemeinde zurück, weil ich weiss, dass ich dort gebraucht werde», erklärte sie kurz vor ihrer Rückkehr. «Diese Gemeinde ist mir wie eine Familie. Mein ganzes Leben lang habe ich gelernt, dass ich meine Gaben in der Gemeinde einbringen kann. Also werde ich jetzt das bringen, was ich habe. Denn wenn jeder weggeht, dann gibt es gar keine Gemeinden mehr in Syrien!»

Gemeinde wiederbelebt

Ihr erster Schritt war es, das Gemeindeleben wieder aufleben zu lassen. Da waren erst einmal die Sonntagspredigten, aber auch der Kindergottesdienst, den sie im vergangenen November wiederaufnahm, sowie eine Frauen- und eine Jugendgruppe. Ein weiterer Schwerpunkt ist für sie die Traumabewältigung, insbesondere für Frauen und Kinder. «Diese Gruppe wurde besonders schwer getroffen, sie hatte kaum Zeit zum Verschnaufen und Erholen. Ich möchte sie aus ihren Häusern und Familien herausholen und in Seelsorge und Selbsthilfegruppen bringen.» Die grösste Herausforderung sei für Mathilde, «dem Hass keinen Platz in meinem Herzen zu geben. Ich bin wütend über all das Unrecht, das ich gesehen habe.»

Herausforderung und Segen

In den vergangenen Monaten überlebte sie diverse Angriffe, die jeweils mehrere Tage dauerten, und brachte dabei ihre Mutter, sich selbst und verschiedene christliche Familien in Sicherheit. «In diesem Teil der Welt zu dienen ist gleichzeitig eine Herausforderung und ein Segen. Es ist eine Herausforderung, weil es in allen Bereichen eine schwere Situation ist. Aber es ist ein Segen, weil ich alle Bedürfnisse sehe und wie die Gnade Gottes in diesen Nöten überfliesst. Wir beten für den Tag, an dem unser Retter alle Tränen der Witwen, der Waisen und der innerlich zerbrochenen Väter und Mütter abwischen wird […] und von allen, die geblieben sind, damit es weiterhin Christen in Syrien gibt.»

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Datum: 28.06.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Joel-News / albanypresbytery.org

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