Falsche Rücksicht

Wegen Muslimen Christbaum entfernt

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Verschiedenenorts mussten nach Weihnachtsfeiern im Gemeindesaal oder Vereinslokal Weihnachtsbäume gleich wieder entfernt werden, damit muslimische Gefühle nicht verletzt werden. So in Bozen (Südtirol), wo nach einer Weihnachtsfeier der Christbaum, «so schnell wie möglich» abgeräumt werden musste, weil nach der Feier ein muslimischer Verein den Saal gemietet hatte.

Tatsächlich werden Bäume oder weihnächtliche Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte oder festliche Geschäftsessen immer öfters ihres christlichen Hintergrundes beraubt und zu gewöhnlichen Endjahresfeiern umfunktioniert. So sollen die Gefühle nichtchristlicher Gäste – meistens sind damit Muslime gemeint – nicht verletzt werden.

«Winterliche» statt «weihnächtliche» Köstlichkeiten

Als weiteres Beispiel sei hier ein Empfang der österreichischen Botschaft in Berlin erwähnt. Dort habe man laut dem Mitarbeiter der Berliner Zeitung (BZ), Gunnar Schupelius, auf den Einladungen «mit Rücksicht auf den Islam» nicht von «weihnachtlichen Köstlichkeiten», sondern vom «gemütlichen Beisammensein» der Gäste bei «winterlichen Köstlichkeiten» gesprochen.

Ganz anders sei es aber im vergangenen Sommer zugegangen. Da sei er, der Berichterstatter, zum Fastenbrechen in die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate eingeladen worden. «Alles lief streng nach islamischem Brauch ab». Bis Sonnenuntergang wurden die Gäste der Botschaft nicht bewirtet. «Dann gab es arabische Köstlichkeiten, dazu Wasser und Säfte, aber keinen Wein.» Und genauso habe er es erwartet, wenn ein islamisches Land in einer islamischen Festzeit einlädt.

Lasst die Finger vom Christkind!

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Islamwissenschafterin Lamya Kaddor
Die  Lamya Kaddor lehrt in einem Beitrag im Online-Dienst «T-online» unter dem Titel: «Lasst die Finger vom Christkind» die gegenteilige Haltung. «Deutschland ist zu 60 Prozent von Christen bevölkert und hat eine lange christliche Vergangenheit. Es gibt keinerlei Veranlassung, die hieraus entstandenen Traditionen gezielt abzuschwächen oder gar zu tilgen», schreibt sie.

Die zweitgrösste Religionsgruppe seien Muslime, «und die machen gerade mal fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung aus». Dies sei «keine Grösse, an der sich andere universell orientieren müssten».

Appell einer deutschen Muslimin

Ihren Beitrag kennzeichnet sie ausdrücklich als «Appell einer deutschen Muslimin». Sie selbst gehe sehr gern auf Weihnachtsmärkte und St. Martins-Umzüge, solche Traditionen seien «schön und wichtig». Sie plädiert also: «Lasst die Finger vom Christkind, vom St. Martin, dem Nikolaus und allen anderen.»

Die Muslimin wies ausdrücklich darauf hin, dass sie niemanden kenne, der sich «ernsthaft durch Weihnachtsmärkte gestört» fühle. Sie selbst werde am 24. Dezember Weihnachtslieder mitsingen. «Und trotzdem bleibe ich eine überzeugte Muslimin», bekannte Kaddor auf  «T-online».

Nachtrag: Korrektur!

Die Lebkuchengeschichte der österreichischen Botschaft fand in Deutschland, aber vor allem natürlich in Österreich Beachtung. Nach der Veröffentlichung räumte Botschafter Marschik ein: «Das war ein schwachsinniger Fehler. Ich habe mit den Betroffenen geredet und sorge dafür, dass das nicht mehr vorkommt. Natürlich stehen wir zu unseren weihnachtlichen Traditionen. Daher gibt es bei unseren Veranstaltungen selbstverständlich (...) 'weihnachtliche Köstlichkeiten'», zitiert die österreichische Zeitung «Kurier» den Diplomaten.

Zum Thema:
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Datum: 22.12.2017
Autor: Willy Gautschi
Quelle: Livenet / kath.net / BZ Berlin / kurier.at

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