Amok in München

Christen rufen in den Medien zu Hoffnung auf

Kirchenvertreter haben nach dem Amoklauf in München in den Medien einer wachsenden Angst den Kampf angesagt. Die Theologin Margot Kässmann übt Medienkritik, denn durch Spekulationen in der Berichterstattung verbreitete sich Hysterie.

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Margot Kässmann
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat nach dem Münchner Attentat im «Wort zum Sonntag» am Samstagabend dazu aufgerufen, Angst und Hass mit Hoffnung zu begegnen. «Dagegen werden wir als Christen aufstehen. Durch das Gebet zum Gott und Vater aller Menschen, durch das Zeugnis für das Evangelium in Wort und Tat, durch unseren Einsatz für alle Bedrängten, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe.»

Er fragte in der ARD, ob Christen mit einer solchen Haltung «naiv und unrealistisch» seien, und verneinte sogleich. Die Zukunft gehöre nicht der Gewalt, dem Hass und dem Kampf gegeneinander, «sondern der Hoffnung, dass die eine Menschheitsfamilie im gemeinsamen Haus der Erde Heimat findet».

«Werden weitersingen, vielleicht trotziger als vorher»

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Heinrich Bedford-Strohm
Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte am Sonntag in einem vom ZDF übertragenen Gottesdienst in der Stuttgarter Leonhardskirche: «Die, die Angst verbreiten wollen, werden nicht den Sieg davontragen. Wir werden ihnen diesen Triumph nicht gönnen.» Angesichts der Gewalttat in der bayerischen Landeshauptstadt würdigte er «die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen», die in München spontan ihre Häuser für verunsicherte Passanten geöffnet hatten. «Nicht die Angst, sondern diese Zeichen der Hoffnung und Zuwendung sollen unser Herz füllen», sagte der Ratsvorsitzende.

In dem Gottesdienst, in dem zahlreiche Chor- und Orchestermusiker aus ganz Deutschland mitwirkten, warb Bedford-Strohm dafür, sich für ein Klima der Liebe und Barmherzigkeit einzusetzen. «Wir werden weitersingen, vielleicht noch trotziger als vorher», kündigte Bedford-Strohm in dem Fernsehgottesdienst an. «So werden wir Vorboten einer neuen Welt, in der alle Menschen in Würde leben können.»

Keine Hysterie durch Spekulationen verbreiten

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Kässmann schreibt in der Bild am Sonntag (BamS): «Solidarität und eine Portion Gottvertrauen tun in solchen Zeiten gut. Wie heisst es in der Bibel: 'Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost.'»

Gleichzeitig übt die Theologin in ihrer wöchentlichen Kolumne in der BamS, die die grösstenteils minderjährigen Opfer des Attentats am Sonntag unverpixelt auf ihrer Titelseite und im Innenteil abbildet, Kritik an den Medien: «Bei der Sondersendung der ARD am Freitag war zu erleben, wie dauernd Informationen gefordert wurden. Fast verzweifelt sagte ein Reporter: 'Hier passiert gar nichts!'» Kässmann schlägt eine Schweigeminute im Fernsehen vor: «Dann würde nicht hektisch nach Meldungen gesucht, sondern Mitleid mit den Opfern stünde im Mittelpunkt.» Es sei gut, dass die Münchner Polizei die Menschen über die Sozialen Netzwerke mit Informationen versorgt habe. «Aber es ist auch gut, nicht durch Spektulationen Hysterie zu verbreiten.»

Auch Michael Hanfeld, Autor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, übt in seinem Beitrag «Wir wollen ja nicht spekulieren» Kritik an der mit Spekulationen übersäten Berichterstattung am Abend des Amoklaufs. Es begann ein Rennen um die schnellste Information. Diese könne nur bruchstückhaft sein. «Zugleich aber wird sie aus dem Stand interpretiert und eingeordnet», schreibt Hanfeld. Die Journalisten hätten sich dem «CNN-Syndrom» hingegeben: «Wenn es nichts Neues gibt, spielen sie Was-wäre-wenn?» Die Frage nach einem terroristischen Anschlag kursierte sowohl in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen als auch der privaten Sender: «So zeigt das Fernsehen, was Terror und Gewalt in einer Gesellschaft bewirken.»

Zum Thema:
Nach Nizza-Anschlag: Französische Evangelikale: «Nur Gott kann Frieden schaffen»
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Jubiläums-Adventskalender: Hoffnung nach «Paris» in Belgien

Datum: 25.07.2016
Quelle: PRO Medienmagazin

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