Reaktionen auf Becks Rücktritt

Zwischen Häme, Respekt und Mitgefühl

Vergangene Woche wurden beim deutschen Grünen-Politiker Volker Beck 0,6 Gramm «einer betäubungsmittelverdächtigen Substanz» gefunden. Beck trat daraufhin am 2. März von seinen Fraktionsämtern zurück. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Erste Kommentare bewegen sich zwischen Schadenfreude, Respekt und Unverständnis.

Zoom
Volker Beck
Volker Beck (55) war nie ein «Stiller im Lande» gewesen. Der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, engagierte sich als innen- und religionspolitischer Sprecher der Fraktion und war Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. In der Vergangenheit hatte der bekennende Homosexuelle Evangelikale mehrfach wegen ihrer ablehnenden Haltung zur Homosexualität kritisiert – und erfuhr selbst harsche Kritik von ihnen. Gleichzeitig verteidigte er vielfach jüdisch-israelische und christliche Positionen und kämpfte vehement gegen Antisemitismus und Christenverfolgung.

Erste Reaktionen

Nach Bekanntwerden der Drogenvorwürfe erklärte Beck selbst auf seiner Webseite, dass er seine Fraktionsämter zur Verfügung stelle und ergänzte: «Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten. Zu den gegen mich erhobenen Vorwürfen wird mein Anwalt zu gegebener Zeit eine Erklärung gegenüber der Staatsanwaltschaft abgeben. Ich werde mich dazu öffentlich nicht einlassen.» Etliche Menschen, wie etwa Bundesminister Peter Altmaier (CDU), zollten Beck Respekt für seine konsequente und schnelle Reaktion. Andere, wie der Rapper Bushido, der selbst einmal Ziel von Becks spitzen Angriffen war, äusserten sich zufrieden bis schadenfroh über dessen Rücktritt.

(K)eine Erklärung

Die Neue Osnabrücker Zeitung versuchte eine Erklärung: «Beck hat das richtige Mass auch an anderer Stelle nicht gekannt. Er war ein Hochleistungspolitiker, hat sich aufgerieben, hat übertrieben, suchte die Bühne, war Tag und Nacht auf Twitter aktiv, permanent auf Reisen, streitlustig, immer ansprechbar. Ein politischer Rockstar, sozusagen – mitsamt der Laster dieses Genres.»

Deutlich wird dabei, dass sich der Mensch Volker Beck einerseits nie in die Schablone des braven Abgeordneten pressen liess, dass er aber andererseits auch nicht über dem Gesetz steht und eine Ermittlung und wahrscheinlich strafrechtliche Verfolgung natürlich angebracht sind. Sein Fraktionskollege Jürgen Trittin ergänzte in einem Videointerview: «Wir Grünen haben immer Süchtige eher als Opfer denn als zu verfolgende Täter angesehen. Ich glaube, dass das auch der einzig richtige Weg ist, mit Süchten umzugehen.»

Viele Christen reagieren ähnlich, wie das Nachrichtenmagazin pro mit dem Facebook-Statement eines Pastors exemplarisch herausstellte: «Ich habe immer gedacht, ich würde mich über den Tag freuen, an dem Volker Beck zurücktreten wird. Um ehrlich zu sein empfinde ich heute tiefes Mitgefühl. Bleibt nur zu hoffen, dass die 'christliche Welt' mit Barmherzigkeit und in Liebe reagiert.»

Zum Thema:
Prominente in den Medien: Schadenfreude oder Vergebungskultur?
Blatter und Markwalder: «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein»

Datum: 05.03.2016
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um diesen Artikel zu kommentieren.
Anmelden
Mit Facebook anmelden

Publireportage

STH Basel
Wie lassen sich diese drei Begriffe «bibelorientiert – universitär – für Kirche und Gemeinde» vereinen? Am besten, Du kommst vorbei und machst Dir selber ein Bild davon.

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Wegen Christenverfolgung
Am 24. Februar um 18 Uhr wird das Kolosseum in Rom rot beleuchtet. Mit dieser Aktion wird auf das Leiden der verfolgten Christen weltweit hingewiesen...
Billy Grahams Tod in den Medien
Der Tod des US-Evangelisten Billy Graham von gestern Mittwoch, 21.02.2018, hat es in alle Medien geschafft - und wird durchaus mit unterschiedlichen...
Bei den Innovativsten
Die Nachrichtenagentur "Reuters" veröffentlichte eine Liste der 100 innovativsten Universitäten der Welt. Darauf sind auch drei Unis aus...
Interkultureller Dienst
Seit 55 Jahren gibt es den interkulturellen Dienst von MEOS in der Schweiz. In diesen Tagen geht der Leiter Martin Saegesser in Pension.

Werbung

Kommentar

Strapazierter Begriff: «Eigenverantwortung» muss mehr als ein Schlagwort sein
An einem Podiumsgespräch in Zürich hat der Vertreter einer erfolgsverwöhnten Partei die...

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

VERANSTALTUNGEN

7.9.2018 - 24.3.2019 in Biel/Bienne

Livenet Service