Deutsche Freikirchen gegen Waffenexporte

«Wohlstandssicherung unter Anwendung von Gewalt»

Die deutsche Regierung soll entschiedener für Frieden in der Welt eintreten. Deutsche Freikirchen wenden sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel und drei Minister gegen Waffenexporte in Krisengebiete und militärische Auslandeinsätze.

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Bei Freikirchen in Deutschland sind Waffenexporte in Krisengebiete umstritten.
«Statt Wege der Gewaltfreiheit zu beschreiten, hat Deutschland begonnen, sich an Kriegshandlungen zu beteiligen», schreiben die in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen VEF verbundenen zehn Freikirchen und die Mennoniten in Deutschland im Brief an Angela Merkel. Sie äussern «grosse Besorgnis» darüber, dass militärisches Eingreifen in internationalen Konflikten «immer selbstverständlicher erscheint».

Sie wenden sich dagegen, dass Waffenexporte ohne transparente Entscheidungsprozesse beschlossen werden und dass im Schulunterricht einiger Bundesländer einseitig über militärische Gewalt gesprochen wird. Der Brief ist unterzeichnet vom VEF-Präsidenten Ansgar Hörsting und Frieder Boller, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der mennonitischen Gemeinden.

Wohlstand mit Gewalt sichern?

Gegenüber Sicherheitserwägungen erschienen «Überlegungen zu einer gewaltfreien, nachhaltigen Konfliktbearbeitung und -lösung zweitrangig», schreiben die Freikirchen. Es gehe der Bundesregierung um die «eigene Wohlstandssicherung unter Anwendung von Gewalt»; dabei würden auch zivile Organisationen eingebunden. Die Impulse der Friedensbewegung würden vernachlässigt. Die Freikirchen kritisieren, dass Auslandeinsätze der Bundeswehr «vermehrt als selbstverständliche, legitime politische Mittel angesehen werden – entgegen dem Geist des Grundgesetzes».

Gegen Waffenhandel

Die Freikirchen, die bis zur kürzlichen Aufhebung der Wehrpflicht Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstler beraten haben, teilen die in der Bevölkerung verbreitete Ablehnung von Waffenlieferungen in Krisengebiete (inkl. Lizenzvergaben). Ein Paradigmenwechsel deutscher Politik sei rechtswidrig. Das Parlament müsse rechtzeitig in Entscheidungsprozesse einbezogen werden (zuletzt hatte der Beschluss, Saudi-Arabien Panzer zu liefern, Unmut provoziert; Red.). Die Freikirchen unterstützen die Kampagne «Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel».

In Schulen Gewalt nicht als Mittel zur Konfliktlösung darstellen

Schliesslich lehnen die VEF-Freikirchen und die Mennoniten Vereinbarungen ab, die der Bundeswehr ermöglichen, in Schulen Unterricht zu gestalten. Dabei entstehe der Eindruck, in der Sicherheitspolitik sei der Einsatz militärischer Gewalt selbstverständlich. Dabei verfestige sich bei Schülern der Eindruck, «Gewalt sei grundsätzlich, also auch für die eigenen alltäglichen Streitigkeiten, ein angemessenes Mittel.»

«Auf dem Weg der Gewaltfreiheit bleiben»

Dies steht für die Freikirchen im krassen Widerspruch zu einer christlichen Friedenserziehung, in der man lernt und akzeptiert, «auch in bedrohlichen Situationen auf dem Weg der Gewaltfreiheit zu bleiben und auf dessen versöhnende Wirkung zu vertrauen». Friede ist für die evangelischen Kirchen «nicht eine Utopie ist, sondern ein gangbarer Weg, auf dem zu gehen wir aufgefordert sind. Wir glauben an Jesus Christus, der uns als Friedensstifter auf diesem Weg voran geht – an ihm orientieren wir uns.» Es gelte in der Politik der Bereitschaft zu unheilvollen Allianzen entgegenzutreten und stattdessen das Engagement für Frieden zu verstärken.

Webseite:
Vereinigung Evangelischer Freikirchen Deutschland (VEF)

Buch zum Thema:
Handbuch für Friedensstifter. Konflikte lösen auf biblische Weise

Datum: 12.12.2011
Quelle: Livenet / VEF

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