Occupy-Bewegung

Kirchenasyl löst Kontroverse aus

Nachdem das Zeltlager der Occupy-Bewegung geräumt wurde, erhielt die Bewegung Asyl in der Zürcher City-Kirche Offener St. Jakob. Das Engagement wird nicht von allen begrüsst. Einige Leute treten deshalb aus der Kirche aus, andere wieder ein.

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Kirche St. Jakob in Zürich bietet Occupy-Campern Asyl
Roger Liebi, Präsident der SVP der Stadt Zürich, will aus der evangelisch-reformierten Kirche austreten, weil diese die Occupy-Bewegung unterstütze. In einer Stellungnahme kritisiert der Politiker die «parteiliche Haltung» der Pfarrerin der City-Kirche, berichtete die Neue Zürcher Zeitung.

Dem widerspricht Pfarrerin Verena Mühlenthaler: «Die Aktivisten suchen in zahlreichen Workshops und Sitzungen nach Lösungsvorschlägen für gesellschaftliche Missstände. Als Kirchengemeinde ist es unsere Aufgabe, dies zu unterstützen und vermittelnd zu wirken. Wir verstehen uns als Plattform.»

«Gesellschaftlicher Auftrag»

Dabei stützt sich die Pfarrerin auf die Kirchenordnung, welche die einzelnen Gemeinden dazu auffordere, die Ursachen von Leid und Unrecht zu suchen und zu benennen sowie zwischen sich verhärtenden Fronten zu vermitteln. «Das ist Teil unseres Jesusverständnisses. Jesus sagte: ‹Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit – sie werden gesättigt werden›.»

Die nächsten Monate wird die Pfarrerin wohl durch Zelte und Transparente zur Sonntagspredigt schreiten. Und sich ständig erklären müssen, warum sie und die Kirchenpflege den Besetzern Asyl gewähren.

Weitere Unzufriedene werden die Kirche verlassen, andere zurückkehren. «Momentan halten sich die positiven und negativen Reaktionen die Waage», sagt Mühlethaler. Aus ihrer eigenen Gemeinde hätten nur zwei Mitglieder einen Austritt angedroht. Sie habe aber auch Zuspruch erhalten: «Jemand hat uns gestern Abend gesagt, er trete wegen unseres Engagements wieder der Kirche bei!»

Kritik wird auch aus den eigenen Reihen laut: Michel Müller, der Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich, erklärte in einem Interview mit Radio DRS, er sei nicht ganz glücklich damit.

Vorbehalte

Die Kirche überlasse den Besetzern Vorplatz und Foyer, nach Absprache auch einzelne Räume des Kirchgemeindehauses als Ort der Begegnung und Diskussionsforen.

Die Aktivisten dürfen vorläufig bis am 5. Januar 2012 auf dem Areal der Kirchgemeinde am Stauffacher bleiben. Die Kirchgemeinde habe jedoch der Bewegung die Bedingung gestellt, dass sie sich weiterhin an das Prinzip der Gewaltlosigkeit halte und das «gute Image» der Kirchgemeinde in keiner Art und Weise beeinträchtige.

Mehr zum Thema:
Decken sich die Forderungen mit der Botschaft des Christentums?


Datum: 17.11.2011
Autor: Bruno Graber
Quelle: Kipa/SF/Tagi/NZZ/Radio DRS

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