Neue Studie

Klimawandel treibt Afrikaner in die Flucht

Veränderungen der Umwelt gehören zu den Hauptgründen für Migration in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Hannover.

Die Forscher konnten zeigen, dass Migration in dieser Region besonders dann in grossem Maßstab stattfindet, wenn sich der Boden etwa durch Wasserknappheit und Verschmutzung verschlechtert und andere Faktoren wie politischer Druck, bewaffnete Zwischenfälle, ethnische Spannungen oder Armut einwirken.

Das Thema Flucht innerhalb der Landesgrenzen ist nirgendwo aktueller als in Afrika. Obwohl nur zwölf Prozent der Weltbevölkerung Afrikaner sind, leben hier 28 Prozent der Flüchtlinge und sogar 50 Prozent der Binnenflüchtlinge. Der naheliegendste Grund ist die Armut, befinden sich doch 34 der 50 wenigsten entwickelten Ländern in Afrika.

4 von 10 Bewohnern südlich der Sahara leben in extremer Armut, 300 Mio. leben mit Wasserknappheit. Zudem gab es zwischen 1993 und 2002 in 27 der 53 afrikanischen Länder Gewaltkonflikte und jeder Dritte ist unterernährt. Blickt man auf die Ursache von Konflikten und Armut, kommt jedoch auch die Umwelt ins Spiel.

Das konnten die Forscher zeigen, indem sie vier sehr unterschiedliche Länder südlich der Sahara untersuchten. So lassen in Ghana häufige Dürrekatastrophen die Menschen in den Süden des eigenen Landes migrieren und auch in Mosambik führt der Wassermangel die Menschen an die südlichen Küstenregionen und in die Städte.

Viele Bewohner des Niger und Senegals wandern hingegen in andere Staaten der Region, im ersten Fall wegen der Ausweitung der Sahel-Wüste, im zweiten aufgrund des Umweltwandels im sogenannten "Peanut Basin".

Teufelskreis Umwelt und Migration

Wenn auch Ursache und Folge nicht immer auseinandergehalten werden können, rufen Umweltprobleme oft Armut oder Konflikte und damit indirekt Migration hervor.

«Erosion, Versalzung, übermässigem Nährstoffentzug, Abholzung oder Wüstenbildung lassen den Boden an Qualität und Struktur verlieren. Lohnt sich die Bewirtschaftung nicht mehr, verlieren Familien oft die Lebensgrundlage, verarmen und migrieren», erklärt Studienleiterin Ulrike Grote im pressetext-Interview. Zum selben Ergebnis führe auch oft die Wasserknappheit, die in Gemeinden oft Konflikte auslöse.

Doch auch umgekehrt gilt, dass Migration die Umwelt vielfach verändert. «In verlassenen Gebieten verschlechtern sich degradierte Böden bei extremen Umwelteinflüssen oft weiter, wenn sie nicht bewirtschaftet werden», so Grote.

In Migrations-Zielregionen komme es wegen der Anspruchnahme der Hinzugezogenen häufig zu neuen Konflikten um Land und Wasser. «Beide Ressourcen werden oft noch intensiver genutzt, wenn die Bevölkerung und Konkurrenz unter Nutzern steigen. Das ist wiederum schlecht für die Umwelt.»

Kampf gegen Armut hilft der Umwelt

Zur Eindämmung der Migration setzt die Entwicklungszusammenarbeit der EU schon bisher auf mehrere Strategien. «Nachhaltige Landwirtschaft kann Böden verbessern und vor Erosion schützen, weshalb Migranten Mittel und Informationen zu dieser Bewirtschaftung brauchen. Dazu gehören im südlichen Afrika etwa der Zugang zu Dünger, Kleinstkrediten und Versicherungen, die sich etwa auch auf Dürrekatastrophen beziehen», erklärt die Expertin.

Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht in Tansania, wie weit Bioenergie-Erzeugung aus Jatropha die lokale Versorgung verbessern kann. «Vielleicht reduziert sich dadurch der Druck auf Wälder, da weniger Holz für die Energiegewinnung geschlagen werden muss. Das wäre eine Strategie zur Verbesserung der Umwelt», betont Grote.

Zielführend seien aber letztlich alle Massnahmen, die Armut verringern. «Arme sehen sich kurzfristig zur Abholzung von Wäldern gezwungen, selbst wenn sie wissen sollten, dass sie damit mittel- bis langfristig ihre eigene Lebensgrundlage zerstören.» Mit zunehmendem Wohlstand könne man es sich «leisten», auf die Umwelt zu achten.

Datum: 25.03.2010
Quelle: pte online

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