Neue Krankheit der «Zivilisation»

Eine Generation «bindungsgestörter Scheidungskinder»

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In der ZDF-Sendung «Peter Hahne» kam das Schicksal betroffener Scheidungskinder auf den Tisch. Pro Jahr sind in Deutschland rund 200'000 Kinder betroffen.

In der Sendung «Peter Hahne» vom 12.4. bilanzierte Familientherapeut Michael Thiel, dass die Trennung der Eltern Kinder traumatisieren kann. Gerade wenn die Scheidung von vielen Konflikten begleitet ist, kann der Nachwuchs ein Leben lang darunter leiden. Laut US-Studien müssten zehn bis zwanzig Prozent der Scheidungskinder psychologisch betreut werden.

Kinder, so Thiel weiter, brauchen «einen sicheren Hafen.» Bei Besuchen bei jeweils einem Elternteil sei das ständige Abschiednehmen ein grosser Stress-Faktor. Wichtig sei, dass nicht schlecht über den ehemaligen Partner geredet werde und das Kind wisse: «Wir bleiben für dich da – egal was passiert.» Besonders ärgere ihn, wenn ein Konflikt auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werde.

Beziehungs-Wegwerfgesellschaft

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Die Beziehungsebene sei – gerade bei jüngeren Menschen – ebenfalls Teil der Wegwerfgesellschaft geworden. Thiel, selbst seit dreissig Jahren mit seiner Frau zusammen, ermutigt, für Beziehungen zu kämpfen und wenn nötig eine Paarberatung aufzusuchen. Zudem stellte er fest, dass betroffene Kinder später Bindungsängste haben. Er spricht von einer Generation «bindungsgestörter Scheidungskinder».

«Familiennomaden»

In der Sendung mit dabei: Der gelernte Erzieher Markus Bilket, der Musical-Direktor auf einem Kreuzfahrtschiff ist. Für die Bahnhofsmission begleitet er ehrenamtlich alleinreisende 6- bis 15-Jährige, die meist von Trennung oder Scheidung betroffen sind. Auf die Frage wie er Kinder auf den Fahrten tröstet, erklärte er, dass zuhören und einfühlen wichtig sei so wie mit ihnen zu spielen.

Bilke ist selbst «Scheidungskind». Er hält es für wichtig, betroffenen Kindern Schuldgefühle zu nehmen, dass sie für die Trennung der Eltern verantwortlich seien. Wie es in der Sendung hiess, pendelten im vergangenen Jahr fast 10'000 Kinder mit der Bahn zwischen den Eltern: «Sie werden zu Familiennomaden.»

Zum Thema:
Biblische Linien: Zu Ehe, Scheidung und Wiederheirat
Langzeitstudie: Scheidungskinder sterben fünf Jahre früher
Präzedenzfall: Schmerzensgeld für Scheidungskinder

Datum: 15.04.2015
Quelle: Livenet / idea Schweiz

Kommentare

Interessant im Artikel ist auch die Tatsache, dass es die Kinder sind, die herumreisen müssen, wenn sie die Eltern sehen wollen. Eigentlich müsste es doch umgekehrt sein. Mir scheint, wir sind eine Gesellschaft, die sich für stark hält, weil sie ihre Unfähigkeit und Unwilligkeit auf dem Rücken der Kleinen und Schwachen auslebt. Das kann nicht gut ausgehen.

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