Euro-Rettung

«Lösung der Krise braucht Vertrauen»

Scharfe Kritik an der Politik in der Eurokrise hat der Wirtschaftsjournalist Hans-Joachim Vieweger geübt. «Die Politik versucht, das Vertrauen der Investoren zu gewinnen, indem sie Massnahmen beschliesst, die nicht vertrauenswürdig sind».

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Hans-Joachim Vieweger
Der Wirtschaftsjournalist gab Ratschläge zur Euro-Rettung. Vor rund 100 Repräsentanten aus Politik, Gesellschaft und Kirche sprach Vieweger in Bischofsheim zum Thema «Krisen über Krisen – worauf es heute ankommt».

Die Massnahmen der Politik lösten bei vielen Menschen Ängste aus: «Ein solches Konzept muss scheitern. Vertrauen lässt sich nur gewinnen, wenn die Schuldenpolitik glaubhaft beendet wird», meinte Vieweger.

Neue Wunden aufgerissen

Vieweger kritisierte, dass die Probleme der Finanzwelt seit drei Jahren damit gelöst werden, indem Grundlagen für immer neue Probleme geschaffen würden. Dies sei der Fall, wenn Staaten die Banken auf Kosten künftiger Generationen stützten und die Notenbanken Milliarden in die Märkte pumpten, obwohl Inflation und neue Spekulationsblasen drohten. Vieweger: «Wir nehmen eine Portion Morphium nach der anderen und merken gar nicht, wie sich an immer mehr Stellen am Körper neue Wunden auftun.»

Vertrauenskrise

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Kann denn Börse Sünde sein?
Entscheidend bei der Lösung der Krise sei der Faktor Vertrauen. Vieweger weiter: «Wenn Sie Vertrauen in die Zukunft haben, beeinflusst das schon heute Ihre Entscheidung.» Denn Wirtschaft sei zu einem grossen Teil Psychologie: «Unsere Erwartungen, wie die Zukunft morgen aussehen wird, prägen unser Handeln heute, das wiederum nicht ohne Folgen für die Zukunft bleibt.»
 
Deshalb zeigte sich Vieweger überzeugt: «Die Krise, unter der wir am meisten leiden und die uns wohl am längsten verfolgen wird, ist eine Vertrauenskrise.» Vertrauen mache nicht nur das Miteinander menschlich, sondern fördere Wirtschaftsbeziehungen und erhalte Demokratien.

Ohne Moralkapital geht nichts

In Wirtschaft und Gesellschaft sei eine Art Moralkapital nötig. Für ihn sei die Bibel mit ihren Massstäben die Quelle für ein solches Moralkapital, bekannte Vieweger. Das Mass der Wirtschaft sei der Mensch – und das Mass des Menschen sei sein Verhältnis zu Gott: «Wer weiss, dass er von Gott geschaffen und geliebt ist, der kann Gott auch um Kraft bitten, richtig zu handeln – selbst dann, wenn es vordergründig nicht zum eigenen Vorteil ist.»
 
Gottes Plan für die Menschen sei ein gelingendes Leben. Dies zeige sich aber nicht auf dem Bankkonto, sondern am Verhältnis zu Gott und den Mitmenschen.

Hans-Joachim Vieweger wurde 1966 in Prien am Chiemsee geboren. Nach einer Banklehre in München studierte er Volkswirtschaftslehre, Geschichte und Politik in Regensburg und Madrid. 1995 schloss sich ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk an; seit 1997 ist er «fester freier Mitarbeiter» beim BR mit Schwerpunkt in den Redaktionen Wirtschaft. Als Börsenjournalist hat er zusammen mit Marcus Mockler ein Buch über Fragen von Börse und Ethik herausgegeben: Kann denn Börse Sünde sein. Geld mit gutem Gewissen anlegen - geht das? Bestellung

Audio-Beitrag von Hans-Joachim Vieweger:
Die Bibel warnt vor Wucherzinsen.

Datum: 10.01.2012
Quelle: Livenet / idea.de

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