US-Immobilienmarkt

Nach dem Rausch der Kater

«My home is my castle»: Die Redensart vom Heim als Burg gilt für Millionen Amerikaner nicht mehr. Angestachelt von Spekulanten und geltungssüchtigen Landsleuten, haben sie sich bei ihrem Hauskauf übernommen.

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«Du sollst das Haus deines Nächsten nicht begehren»: Für die Missachtung des biblischen Gebots zahlen Millionen von US-Familien teuer.

Nicht nur diese überschuldeten, sondern auch die restlichen US-Eigenheimbewohner müssen infolge der Krise drastische Vermögensverluste in Kauf nehmen: Das Eigenkapital der Hausbesitzer des Landes ist nach Schätzungen von 15 Billionen Dollar 2006 auf aktuell 6 Billionen geschrumpft.

Bei einem Viertel der Eigentümer ist die Schuld gemäss der NZZ derzeit höher als der Wert des Heimes. Seit dem Höhepunkt der Blase haben die Hauspreise rund 30 Prozent nachgegeben, in Las Vegas sogar 56 Prozent. US-Bürger scheuen vor dem Kauf eines neuen Hauses zurück, wie die Juli-Zahlen zeigen. Im Jahresvergleich gingen die Verkäufe um fast ein Drittel zurück.

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Haus in einem Neureichen-Quartier bei Washington D.C.

Washington versuchte nach dem Absturz den Markt zu stimulieren. Die staatlichen Hilfen für Hausbesitzer haben die Krise aber kaum gemildert, sondern vor allem verlängert, wie die NZZ schreibt. Aufs Jahr hochgerechnet wurden im Juli 276.000 neue Häuser verkauft – der niedrigste Wert seit 1963. Vorher waren Subventionen für den Hauskauf ausgelaufen: Bis zu 8000 US-Dollar konnte man vom Staat erhalten, wenn man sich bis Ende April zum Kauf entschloss. Das Programm war letztes Jahr verlängert worden und hatte die Verkäufe aufgebläht.

Die US-Regierung hatte mit den staatlich gesicherten Hypothekenfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae seit den 1930er-Jahren Millionen von Amerikanern den Kauf von Eigenheimen erleichtert. Die beiden Giganten trugen mit ihrer Kreditvergabe wesentlich zur US-Immobilienkrise bei. Ihre Sanierung kostet die Steuerzahler Milliarden. Laut der NZZ «hält die Politik jedoch an der Fiktion fest, Leute in Eigenheimen behalten zu wollen, die sie sich nicht leisten können».

Datum: 26.08.2010
Quelle: Livenet / NZZ

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