«Wahnsinn, wie man an Gottes Wort vorbeigeht»

Gottes Präsenz im Volk sichtbar machen: Das bezweckt die Agentur C mit ihren grossen Plakaten. Mit der neuen nationalen Kampagne möchte Vereinspräsident Peter Stucki nun die eidgenössischen Wahlen beeinflussen. Durch das Gebet.

idea: Wie reagieren Sie auf freizügige weibliche Modelle auf Plakatwänden?
Peter Stucki: Das ist doch billige Werbung, wenn immer eine leicht bekleidete Frau dazu gehört. Da fahre ich dran vorbei – fertig. Ich sehe mir sowieso nur unsere Plakate an…

Warum kommt die Agentur C selber ausgerechnet auf Plakatwände?
Auf was sonst? Grosse Plakate sind doch die beste Methode, um möglichst viele Leute zu erreichen.

Sie starten eine nationale Aktion mit einem Aufruf zum Gebet. Ihr Beitrag zu den National- und Ständeratswahlen?
Ja, wir möchten mit dieser Aktion ganz klar das Gebet vor, während und nach den Wahlen ins Zentrum stellen. Darum zeigen unsere Plakate nur 1. Timotheus 2,2: «Betet für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen.»

Wir denken dabei nicht nur an Bundesräte, National- und Ständeräte, sondern auch an Lehrer, Richter, Statthalter und andere Verantwortungsträger unserer Gesellschaft.

Wie viele Plakatstellen stehen Ihnen zur Verfügung?
In der deutschen Schweiz haben wir 700 Plakatstellen, im Welschen 250 und im Tessin 100.

Der Start ist am 21. August, im Tessin eine Woche früher. Die Plakate hängen bis vier Wochen vor den Wahlen. Dann brauchts die Plakatstellen für Köpfe…

Wie möchten Sie gerade vor den Wahlen auf das Volk einwirken?
Das Volk soll merken, dass Parteienkämpfe nicht das Entscheidende sind. Wichtig ist, dass wir in unserem Staat Ruhe und Frieden haben. Dazu brauchts Leute, die die Verantwortung vor Gott wahrnehmen und auch leben. Konkret wünsche ich mir, dass es in unserem Parlament noch mehr bekennende Christen gibt. Pfarrer Ernst Sieber erinnert in unserem nächsten Rundbrief an den lateinischen Satz an der Decke des Bundeshauskuppel: «Salus publica suprema lex est – zu Deutsch: Das Heil des Volkes ist das oberste Gesetz.» Darum brauchts verantwortungsbewusste Christen.

Warum haben Sie gerade dieses Bibelwort ausgewählt?
Weil wir dieses Wort früher schon einmal verwendet haben und weil es uns vom Inhalt voll überzeugt.Und es ist absolut neutral. Es schliesst alle Politiker jeglicher Couleur ein. Wir haben es einfach neu aufgemacht.

Warum wählen Sie stets die gelbe und die blaue Farbe?
Als es auf das Millennium im Jahre 2000 zuging, spürte man eine richtige Weltuntergangsstimmung. Für das Dunkel dieser Welt wählten wir darum das Dunkelblau. Und in dieses Dunkel kam Jesus Christus als das Licht. Dafür steht das Gelb. Heute weiss fast jeder Schweizer, wem er die gelb-blauen Plakate zuordnen kann.

Gibt es Untersuchungen darüber, ob diese Plakate wirklich wahrgenommen werden?
Wir machen keine Untersuchungen. Aber wir haben viele Reaktionen. Mich interessiert auch die Breitenwirkung der Plakate nicht. Was man mit den Plakatbotschaften anfängt, das muss jeder Betrachter in seinem Herzen ausmachen.

Zoom
Plakate der Agentur C.
Schildern Sie uns eine bemerkenswerte Reaktion!
Eine Person kam mit der Absicht nach Thun, von einem Flachdach eines Einkaufszentrums in den Tod zu springen. Dort traf sie der Anblick der Worte «Ich bin der Herr, dein Arzt» wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie sah dann weitere Plakate mit der Einladung zu Heilungstagen und kam mit ihrer Betreuerin zu diesen Anlässen.

Gott soll von Plakatwänden herab sprechen?
Ich glaube, dass Gottes Wort ein lebendiges Wort ist. Der Heilige Geist kann dieses Wort lebendig machen. In der Kirche erreicht das Wort Gottes nicht mehr viele Leute. Deshalb muss es auf den Marktplatz kommen. Wir wollen, dass Gottes Präsenz im Volk sichtbar wird! Wir wollen letztlich, dass die Menschen zu Gott finden.

Sind Sie nun Werbeagentur oder Evangelisationswerk?
Unsere Arbeit hat klar vorevangelistischen Charakter. Und sie soll dazu beitragen, auch Christen zu ermutigen. Kürzlich schrieb uns eine gläubige Frau: «Ihre Plakatehaben mich schon mehrmals tief berührt!» Sie bat um einen Einzahlungsschein, weil von ihrem verstorbenen, sehr gläubigen Vater nachträglich ein Sparheft zum Vorschein gekommen sei. Sie möchte das Geld nun in seinem Sinn verwenden.

Was kostet Ihre neue Aktion?
Wir rechnen mit einem Aufwand von gegen 100 000 Franken. Dank der schon 21 Jahre dauernden
Zusammenarbeit mit der Plakatgesellschaft kommen wir zu günstigen Konditionen.

Wer kommt dafür auf?
Wir haben etwa 3500 aktive Spender. Doch wir erwarten noch 350 000…

Auf wie vielen privaten Grundstücken hängen Ihre Plakate?
Zu den öffentlichen Plakatstellen kommen etwa 100 private, von denen etwa die Hälfte grössere Formate zeigen kann. Wir wären froh, wenn man uns weitere private Plätze melden würde.

Wie oft erleben Sie Angriffe auf Ihre Plakate?
Es kommt vor, dass jemand ein Plakat verklebt oder verkritzelt. Doch wir erleben wenig Widerstand. Wir stellen vielmehr einen sehr grossen Respekt unseren Plakaten gegenüber fest. Wenn es Beschädigungen gibt, dann segnen wir die Verursacher und gehen fröhlich unseres Weges!

Zoom
Peter Stucki
Ihre Plakate provozieren halt.
Man kann sich provozieren lassen oder nicht. Jeder Mensch entscheidet für sich. Unsere Motivation ist nicht die Provokation. Aber das Wort Gottes provoziert an sich. Jesus war ein Provokateur! Seine Botschaft ist so herausfordernd, dass man kaum neutral bleiben kann.

In der «Berner Zeitung» wurde darüber diskutiert, ob Ihre Plakate nicht «diskriminierend» seien.
Man hat uns nicht nur schon Diskriminierung vorgeworfen, sondern auch Arroganz. Das nehmen wir nicht persönlich. Die Kritiker meinen ja immer den Träger der Botschaft, nicht uns. Wenn sich da jemand diskriminiert fühlt, ist das sein Problem. Ich bin froh, dass nirgends auf den Plakaten ein Wort von uns steht, sondern immer nur pures Wort Gottes. Und ich erinnere daran, dass auch negative Werbung im Prinzip gute Werbung für unsere Sache ist.

Sie würden es auch akzeptieren, wenn Muslime auf Plakatwänden mit Korantexten werben würden?
Das wäre doch kein Problem. Dann könnten die Menschen erst recht herausfinden, was wahr ist.
Während der Fussball-WM lachte gar der brasilianische Star Zé Roberto von Ihren Plakaten.

Wie kamen Sie auf ihn?
Ein Kunde von mir hat eine brasilianische Frau. Er berichtete mir von einem Gottesdienst in einer Zürcher Ausländergemeinde mit Zé Roberto. Ich ging hin und zeigte ihm ein vorbereitetes Plakat auf Portugiesisch. Er sagte sofort zu. Zé Roberto predigte übrigens so feurig, dass es an diesem Abend viele Bekehrungen gab!

Was plant die Agentur C in diesem Jahr sonst noch?
Wir bedienen regelmässig etwa 70 Zeitungen mit Bibelversen. Ein grösserer Teil bringt sie bei den Todesanzeigen, wenn es Platz hat. Unser Ziel wäre es, täglich in jeder Zeitung je einen Vers aus dem Alten und dem Neuen Testament zu platzieren. Wir suchen Menschen, die uns helfen, dieses Anliegen zu verwirklichen. Dann stecken wir mitten in unserer Sieben-Jahres-Vision. In drei Phasen möchten wir bis 2012 erreichen, dass die Leute in der Schweiz wissen, dass es die Heilige Schrift gibt und dass der heilige Gott unter uns lebt durch sein Wort.

«Kein Wort, das von Gott kommt, wird kraftlos sein.» Das Wort aus Lukas 1,37 steht in Ihrem letzten Rundbrief. Wie kann diese Kraft sichtbar werden?
Zeugnisse von Menschen belegen es, dass dies geschieht. Wir müssen Gottes Ebene sehen. Wenn Gott spricht, dann geschiehts! Das war seit Anbeginn der Welt so. Gottes Wort ist vollmächtig.Es ist ein Wahnsinn, dass wir oft so achtlos daran vorbeigehen! Wenn Gottes Kraft eintrifft, dann können wir nur noch staunen. Aber es braucht immer wieder unsere Entscheidung. Es braucht unseren Glauben.

Was würde der Schweiz fehlen, wenn es die Plakate der Agentur C nicht gäbe?
Es würde ein Stück Bewusstmachung fehlen, dass Gott da ist und dass man Gott finden kann. Jedem Menschen, der Gott nicht hat, fehlt etwas. Darauf wollen wir hinweisen. Das ist unser Auftrag. Den wollen wir erfüllen und damit Gott allein die Ehre geben. Darum tun wirs.

Interview: Andrea Vonlanthen

Datum: 13.09.2007

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