Glaube

Der Wunder-Killer

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Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn: „Schön wär’s“, sagen Sie vielleicht, „mir geschehen Wunder nicht. In anderen Erdteilen, in Afrika ereignen sie sich, aber nicht hier.“ Warum dieser Eindruck?

Für Jesus waren Wunder kein Problem. Er vermehrte Brot für die Hungrigen, er wandelte auf dem Wasser, er stillte den Sturm und liess Petrus genau den Fisch fangen, der die benötigte Münze geschluckt hatte. Wunder? Kein Problem für den Mann aus Nazareth.

Und Jesus heilte. Ständig kamen Kranke zu ihm. Blinde standen am Weg und gingen sehend davon, wenn er ihnen die Hände aufgelegt hatte. Er ging sogar – für seine Zeit unerhört und anstössig – hin zu den Aussätzigen, den Ausgestossenen, die sich von der Gemeinschaft fernzuhalten hatten. Berührte und heilte sie.

Einmal jedoch konnte er, wie der Evangelist Markus berichtet, „nicht eine einzige Tat tun – ausser dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte“ (6,5). Das war in seinem Heimatort Nazareth, wo man ihn von früher kannte.

„Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn?“ Dass dieser Jesus, einer von ihnen, plötzlich ein grosser Heiler sein sollte, ging ihnen gegen den Strich. Ein Prophet, der in Gottes Namen redete! Das kriegten die Nazarener, die Nachbarn von einst, nicht in ihren Kopf. Und gaben es Jesus auch zu spüren.

Eine Welle der Ablehnung schlug dem Wanderprediger entgegen. Jesus „wunderte sich über ihren Unglauben“ – und ging weg aus Nazareth. Nicht dass er den Widerstand nicht hätte brechen können. Aber das war nicht seine Art. Ringsum in den Nachbardörfern fand er willige Zuhörer; da blieb er und lehrte.

Seit über 200 Jahren herrscht in Westeuropa aufklärerisches Denken. Dieses Denken geht von den rationalen Fähigkeiten des Menschen aus. Dabei verstand und versteht man die sichtbare Natur als von Gesetzen beherrscht. Dass Wunder diese Gesetze unterlaufen, ging den Aufklärern wider den Strich. Wunder durfte es nicht geben; und die Wunderberichte der Bibel waren unglaubwürdig. Die Aufklärer machten den Unglauben salonfähig – als Wunder-Killer. Unsere Kultur ist von dieser Mentalität geprägt.

„Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können Sie geschehn“: Der Refrain des uralten Schlagers ist nicht passé. Gott kann und will uns in kleinen natürlichen Begebenheiten wie auch in (übernatürlichen) Wundern begegnen. Nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa. Wenn wir ihm das zutrauen. Wenn wir glauben, dass er auch heute rettet und heilt. Oder darf Jesus Christus nicht in unser (scheinbar wohlgeordnetes) Leben hineingreifen?


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