Bullinger über Frömmigkeit: Sich einzig an Gott und sein Wort halten

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Zählt mein Wunsch – oder Gottes Wille? Für Bullinger erfüllt sich das Leben im Vertrauen auf Gott und im Dienst an Mitmenschen.
Wie allen Reformatoren lag Heinrich Bullinger viel daran, die Menschen zum rechten Vertrauen auf Gott zu erziehen. Bei der Rechtfertigung ist nach reformatorischer Auffassung einzig Gott aktiv; wir Menschen aber sind nicht passiv, sondern rezeptiv; und in Dankbarkeit widerspiegeln wir Gottes Liebe zu uns in der Liebe zu Mitmenschen. In seiner „Summa christenlicher Religion“ (1556) beschrieb der Zürcher Reformator das Wesen der Frömmigkeit.

So soll der Mensch fürderhin sein ganzes Leben lang auf Gott sehen, ihm vertrauen, seinen Willen erfüllen, ihn ehren und ihm dienen, und sich des Teufels und seines ganzen Reichs entledigen; und er soll, wenn er hie und da fehlt und fällt, nicht an Gottes Wohlwollen verzweifeln, sondern wiederum auf das Gute und auf die Gnade hoffen, aufstehen, sich bessern und sich an Gott halten. (…)

Diejenigen, die das tun, sind richtige Diener und Bundesgenossen Gottes und haben die legitime richtige Religion. "Religio" ist ein lateinisches Wort und heisst "Verbindung".

Durch Gottes Huld, d.h. tiefes Vertrauen in beschriebener Weise werden wir Gott vereinigt, verbunden. Darum ist das rechte Bündnis Gottes und die wahre Religion Gottes ein und dasselbe; und diejenigen sind die wirklich Religiösen, die, mit Gott verbündet, sich aller anderen Dinge enthalten und sich einzig an Gott und an sein Wort halten.

So geartet ist auch der legitime, richtige Gottesdienst. Denn diejenigen sind die rechten Diener Gottes, die sich aller Götter oder Hoffnungen aller anderen Religionen, Rechtsordnungen und Bündnisse enthalten und einzig mit Gott vereinigt, also verbündet sind.

Sie sehen auf Gott allein, vertrauen glaubend durch Christus nur auf ihn, respektieren und lieben ihn, und einzig ihn beten sie an, rufen ihn an, ehren ihn und haben ihn jederzeit vor Augen. Sie wandeln einzig in seinen Geboten, in seinem Wort und Gehorsam, unterwerfen ihren Leib dem Geist [Gottes] und sind nicht nur fromm und unschuldig, sondern sie tun auch, nach ihrem Können, jedermann Gutes.

Denn unser Herr und Gott ist ein geistiges Wesen, ist heilig und aufrichtig, tut Gutes und ist barmherzig; und er will, dass alle seine verbündeten Diener ihm dementsprechend dienen mit geistlichem Dienst, mit Ehrwürdigkeit, Rechtschaffenheit und Barmherzigkeit…

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Tafel in der Bullinger-Ausstellung in Zürich
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Heinrich Bullinger

Bullingers Leben: sh. 44 Jahre am Grossmünster: Heinrich Bullinger, der zweite Zürcher Reformator

Ausstellung zum 500. Geburtstag Bullingers in Zürich: sh. Ein farbiges Leben: Bullinger-Ausstellung im Grossmünster eröffnet

Autor: Heinrich Bullinger
Auswahl und Übersetzung: Siegfried F. Müller

Datum: 06.07.2004

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